Moers/Kamp-Lintfort: Narkosemittel knapp: Kein Grund zur Sorge

Moers/Kamp-Lintfort: Narkosemittel knapp: Kein Grund zur Sorge

Wer in früheren Jahren operiert wurde, war oft für Stunden benommen, litt an Übelkeit und Erbrechen. Neue Narkosemittel haben diese Nebenwirkungen stark gemildert. Ein besonders wirksames Mittel macht derzeit Schlagzeilen: Remifentanil.

Es gibt Lieferengpässe, manche ambulante OP-Praxen, in denen das Mittel bevorzugt zum Einsatz komme, könnten nur noch wenige Wochen arbeiten, heißt es.

"Das Problem verfolgt uns seit Monaten", sagte gestern Florian Milandri, Anästhesist am Medizinischen Versorgunszentrum (MVZ) Bethanien Moers. Remifentanil habe gegenüber allen anderen Narkosemitteln Vorteile. "Es wirkt stark, hat aber eine kurze Wirkdauer." Die Patienten "schliefen" deshalb sehr tief, würden aber nach Absetzen des Mittels schon nach wenigen Minuten wach, und zwar weitgehend ohne Nebenwirkungen. Dies ist angenehm für die Patienten und entlastet die Ärzte. "Wir haben zum Glück eine Apotheke in Bocholt gefunden, die uns noch Remifentanil liefern konnte", sagte Milandri. Bis zum Sommer sei das MVZ jetzt versorgt. Wie es dann weiter geht, weiß man nicht. Der Grund der Lieferprobleme sei unbekannt. Milandri vermutet Lizenzstreitigkeiten.

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Dr. Thomas Ziegenfuß, Anästhesist und Ärztlicher Direktor am St.-Josef-Krankenhaus Moers, warnt vor einer Dramatisierung des Problems. Am St. Josef sei Remifentanil bis vor drei Monaten bei allen rund 8000 Operationen im Jahr eingesetzt worden. Derzeit behelfe man sich mit anderen Mitteln. Kein Patient müsse befürchten, dass eine Operation ausfällt oder dass er einer Gefahr ausgesetzt werde. "Wir haben auch schon vor 1996 operiert", so Ziegenfuß. Damals sei Remifentanil eingeführt worden. Dr. Burkhard Stege, Chefarzt der Anästhesie am Bethanien-Krankenhaus, bestätigte, dass Patienten sich nicht sorgen müssen. Man stelle auf frühere Narkoseverfahren um. Schlimmstenfalls bleibe ein Patient nach einer OP etwas länger benommen.

Am St.-Bernhard-Hospital Kamp-Lintfort spiele die Remifentanil-Knappheit keine Rolle, sagte gestern Pressesprecher Jörg Verfürth: "Es kommt schon mal zum Einsatz, aber es gibt gute Alternativen."

(pogo)