Moers: Kirchenkreis weckt Heimatgefühle

Moers: Kirchenkreis weckt Heimatgefühle

Die Veranstaltungsreihe des neuen Evangelischen Forums setzt auf Sinnlichkeit, Geist und Unterhaltung. Initiatorin ist Dorothee Bartsch, die nach 30 Jahren Moers verlässt und sich auch persönlich fragt, was "Heimat" eigentlich bedeutet.

Der Flyer schaut freundlich aus mit seinen pastelligen Farben und den hübschen bekannten Fotos. Aber er ist trügerisch in seiner scheinbar leichten Fasslichkeit. Denn es geht um einen Ort, an den alle wollen, aber noch niemand war, wie es der Philosoph Ernst Bloch ausdrückte: Heimat.

"Das Thema ist zurzeit bundesweit en vogue", sagt Dorothee Bartsch vom Neuen Evangelischen Forum Kirchenkreis Moers. "Da ich selbst nach 30 Jahren Moers verlasse und nach Ratingen ziehe, kam mir persönlich die Frage nach dem was Heimat eigentlich ausmacht, nahe. Unter Mitwirkung einiger Menschen, die das Thema ebenso bewegt, entstand ein Kaleidoskop an Heimatimpressionen. Für manche scheint Heimat Wellness zu bedeuten, andere verstehen eher die Geburtsstadt dahinter, andere sehen darin ihre Verwurzelung. Aber verwurzelt in was? In einem Stück Land, einer Sprache, Kultur?"

Eben weil es so viele verschiedene Vorstellungen von Heimat gibt, hat das Neue Evangelische Forum eine Reihe von Veranstaltungen organisiert, die wie in einem Kaleidoskop verschiedene Facetten des Begriffs zusammenbringen. "Außerdem sollten sie auch unterhaltend sein, denn das Thema Heimat macht eine Menge Spaß." Da gibt es zum Beispiel eine rheinische Kaffeetafel in der Homberger Fußgängerzone (14. September), zu der alle etwas mitbringen oder sich einfach dazusetzen können.

"Der Geschmack ist ein unmittelbarer Zugang zu Heimat", erklärt die ausgebildete Supervisorin. "Er erinnert einen oft unvermutet an eine alte Zeit aus der Kindheit, an die Oma, bei der das Brot so gut schmeckte, die Limonade während der Sommerferien mit den Freunden in einem Garten. Bei der Kaffeetafel können wir miteinander ins Gespräch kommen und uns erzählen, woran uns das Mitgebrachte erinnert. Und vielleicht kommen ja Menschen aus ganz verschiedenen Kulturkreisen und so gibt es einen auch geographisch weiten Zugang zum Thema. Das wird für alle sehr bereichernd sein."

Um das Leben der Ehefrau des berühmten Captain James Cook geht es in ein er Lesung mit Katja Stockhausen (7. Juni). Im Grafschafter Museum liest eine Bordgeistliche auf einem Kreuzfahrtschiff. "Sie kommt aus Moers, aber welches Verhältnis zu Heimat hat sie jetzt, da sie immer auf See ist und dort mit Menschen zu tun hat, die auch keine feste Bleibe an Land mehr haben? Pfarrerin Katharina Plehn-Martins berichtet mit sehr viel Humor aber auch Sensibilität von ihren Erlebnissen." (6. September)

In einem Schreibworkshop in Neukirchen-Vluyn (26. April) können die Teilnehmenden mit Federhalter (oder Kugelschreiber!) und auf Papier ihren Zugang zum Thema finden. Ein theologisch-kulturgeschichtlicher Spaziergang führt in den Garten Eden, das Paradies, aus dem der Mensch vertrieben wurde und fragt, was diesen wohl ausmacht.

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Und die Frage, ob Heimat an Gebäude und Menschen gebunden sind, wie veränderbar Heimat also ist, zeigt eine Ausstellung in Baerl (29./30. September), in der Bilder von vor hundert Jahren solchen von heute gegenübergestellt werden. Dazu gibt es den Film "Ein ganz normaler Tag" aus dem Jahr 2005.

"Vielleicht ist das Thema zurzeit so virulent, weil viele von uns im Krisenmodus leben und ahnen, dass sie mit diesem Leben, was sie führen, nicht glücklich sein können", so Bartsch weiter. "Zu diesem Thema konnten wir den Philosophen und Journalisten Jürgen Wiebicke gewinnen, der im ganzen Land nach Menschen gesucht hat, die glücklich sind und dabei fündig wurde." (8. November)

"Wie notwendig aktuell die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Begriff Heimat ist, zeigte sich mir auch daran, wie schnell und einfach viele andere bei der Konzeption oder den Veranstaltungen mitgewirkt haben". Dazu zählen die Barbara-Buchhandlung, der SCI Moers, das Grafschafter Museum Moers sowie die Evangelischen Kirchengemeinden Baerl, Homberg, Essenberg-Hochheide, Neukirchen, Vluyn und Meerbeck.

"Durch die vielen guten Kooperationspartnern mit ganz verschiedenen Weltzugängen ist diese sehr große Verschiedenheit zustandegekommen. Ich denke, die unterschiedlichen Zugänge zum Thema Heimat, die sich in den vielfältigen Angeboten spiegeln, macht die Qualität und den Reiz dieser Reihe aus.", sagt Bartsch

Der Flyer ist unter www.kirche-moers.de/downloads zum Herunterladen bereitgestellt.

(RP)