Erkrath: Bahn frei für Heimatgefühle

Erkrath: Bahn frei für Heimatgefühle

Der Lokschuppen gilt als Eisenbahnmuseum. Dabei geht es den Betreibern auch um die Heimatpflege.

"Ich versteh nur Bahnhof" - eine Redewendung, die ihren Ursprung im Ersten Weltkrieg hat. "Bahnhof", das stand für Heimat. Die vielen kriegsmüden Soldaten wollten sich an der Front nicht mehr mit anderen Dingen beschäftigen, brachen solche Gespräche schnell mit dieser Redensart ab. Es zeigt, wie eng das Thema Bahn, Bahnreise schon an sich mit der Sehnsucht nach Heimat verbunden ist. "Die Heimat ist wie die Baumwurzel, die ist der Ursprung, steht für Sicherheit und Urvertrauen. Mit der Bahn fährt man nach Hause, sie bringt einen zurück in die Familie, zu den Freunden, zu all dem, was vertraut ist", meint Herbert Bander, der sich mit diesem Thema in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt hat. Als Heimatbeauftragter vom "Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath- Hochdahl" kümmert sich der 77-Jährige darum, Erinnerungen lebendig zu halten.

"Die Bahn hat hier eine große Rolle gespielt. Früher, bis 1850, gab es hier gerade mal drei Bauernhöfe. Mit Bau der Bahnstrecke siedelte sich die Industrie an - 1851 die Eisenhütte, in den 1860er Jahren die Ziegelei und 1887 die Weberei", erklärt der Experte, "es entwickelten sich regelrechte Eisenbahnersiedlungen, das Leben wurde beherrscht durch die Bahnanbindung. Die Bahn hat hier viele Menschen in Brot und Arbeit gebracht." Viele der ehemaligen Firmen haben dem Heimatmuseum Exponate überlassen - der allerletzte Stein der Ziegelei von 1967/68 etwa oder ein Amboss aus der Eisenhütte sind in den Museumshallen zu bewundern.

"Das alles sind Symbole für Heimat", findet auch Dr. Ralf Fellenberg, der erste Vorsitzende des Vereins. Die beiden geben ihr Wissen gerne weiter, in Führungen oder Vorträgen. Ein wenig traurig ist Herbert Bander über das nicht allzu große Interesse der umliegenden Schulen. "Wir sind immer offen für Jugendarbeit, wir öffnen unsere Hallen jederzeit gerne für die Menschen und gerade für Kinder gibt es doch hier viel zu sehen und zu bestaunen. Aber leider ist die Nachfrage danach nicht wirklich da." Dabei arbeitet der Verein äußerst transparent, lädt samstags alle ein, die Lust haben, ein wenig mitzuwirken - etwa eine Weiche zu entrosten oder alte Unterlagen zu ordnen.

"Wir bekommen regelmäßig kistenweise Dinge aus Nachlässen, Fotos, Texte, alles, was die Verwandtschaft nicht mehr haben möchte", erzählt Ralf Fellenberg, der beruflich bedingt nur wenig Zeit findet, all die Dinge zu sichten. Eine Aufgabe, die äußerst wichtig ist für die Archivierung der heimatlichen Zeitgeschichte. "Unsere Heimat hier ist einfach wunderbar, in ihrer Vielseitigkeit, ihrer wunderbaren Natur, ihrer Anbindung an die großen Metropolen. Ich bin sehr glücklich, hier meine Wurzeln zu haben und ich freue mich, ein Teil des Ganzen zu sein", schwärmt Herbert Bander.

Sorgen aber macht ihm wirklich der fehlende Nachwuchs. Denn ohne Nachfolger aus einer jüngeren Generation, die sich in naher Zukunft um den Hochdahler Lokschuppen und seinen Fortbestand kümmern, könnte irgendwann der Zug abgefahren sein für dieses wunderbare und einzigartige Stück Heimatkultur.

(dani)