Streik 2018 in Mönchengladbach: Keine Busse, sechs Kitas und Bäder zu

Auch Kitas in Mönchengladbach geschlossen: Wegen Streiks fahren keine Busse am Dienstag

Verdi hat die Betriebe des öffentlichen Dienstes in Mönchengladbach für Dienstag zum ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen sind unter anderem nach derzeitigen Stand 22 städtische Kindergärten, in denen Notgruppen eingerichtet werden. Auch die MAGS und die NEW sind betroffen.

Am Dienstag fahren wegen des Streiks in Mönchengladbach keine Busse. Geschlossen werden sechs Kitas, in anderen gibt es Notgruppen.

Clemens Braun surfte am Montag unablässig im Internet. Der stellvertretende Leiter der Gesamtschule Hardt suchte nach Informationen, wie sich der von Verdi angekündigte Warnstreik auf seine Schule auswirkt. "Wir wollen umgehend unsere Schüler informieren und die Nachricht dann ganz schnell auf die Homepage setzen", sagte er. Für die Hardter Gesamtschule hat der Ausfall der Schulbus- und Linienbuslinien erhebliche Folgen: Viele der 1020 Schüler kommen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, sie und ihre Eltern müssen am Dienstag einen anderen Weg finden, wie sie die Schule erreichen.

"Es besteht Schulpflicht. Kein Schüler und keine Schülerin kann sich darauf berufen, dass schulfrei ist, weil die Busse nicht fahren", stellt Braun klar. Er und seine Kollegen werden allerdings ein Auge zudrücken, wenn es zu Verspätungen kommt: "Da sind wir kulant."

Weil Hunderte von Busfahrern, Erzieherinnen und andere städtische Mitarbeiter für mehr Lohn streiken, wird es zu erheblichen Einschränkungen für viele Mönchengladbacher kommen. Die massivsten Auswirkungen wird der Warnstreik der Busfahrer haben: Der öffentliche Nahverkehr kommt nahezu zum Erliegen, weil sämtliche NEW-Busse im Depot bleiben. Eltern mit Schul- und Kindergartenkindern können doppelt betroffen sein. Denn das Personal von 22 städtische Kindergärten oder Lena-Gruppen (unter Dreijährige) streikt, sechs Kindergärten sind komplett geschlossen.

In allen betroffenen Einrichtungen wird für Eltern, die dringend auf eine Betreuung angewiesen sind, eine Notgruppe eingerichtet oder eine Betreuung in einer Nachbareinrichtung angeboten, teilt die Stadt mit. "Wir gehen davon aus, dass wir damit die Belastung der Eltern durch den Streik abmildern", sagt Klaus Röttgen. Er ist Leiter des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie.

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Zu bleiben auch die Schwimmbäder. Und da sich Hausmeister der Schulen am Warnstreik beteiligen, kommen Sportvereine nicht in die Turnhallen und auf die Sportplätze. "Mitarbeiter mehrerer Ämter der Stadtverwaltung werden sich ebenfalls am Warnstreik beteiligen. In der Regel sind es Beschäftigte aus dem Ordnungsamt, dem Baubereich und vom Bürgerservice. Dazu kommen Mags-Mitarbeiter", sagt Dominik Kofent, Verdi-Geschäftsführer für den Bezirk Linker Niederrhein. Die GEM-Müllwerker sind nicht zum Warnstreik aufgerufen. Auch in den sieben städtischen Altenheimen könnte am Dienstag alles seinen normalen Gang gehen. "Ich gehe nicht davon aus, dass es zu gravierenden Problemen kommt", sagt Sozialholding-Geschäftsführer Helmut Wallrafen: "Es muss auch mehr Lohn in der Pflege geben."

Verdi fordert eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um sechs Prozent, mindestens aber um 200 Euro sowie eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro. Wichtig ist der Abschluss für Stadtkämmerer Bernd Kuckels oder seinen Nachfolger Michael Heck, der im April seinen Dienst antritt. Denn jeder Prozentpunkt mehr Gehalt für die städtischen Mitarbeiter hat Auswirkungen auf den Etat. Und der muss in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen bleiben — das ist Vorgabe des Stärkungspakts. Im Haushalt für 2018 einkalkuliert hat Kuckels eine Lohnerhöhung im Gesamtumfang von zwei Millionen Euro. Würden sich die Tarifparteien auf eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um vier Prozent einigen, müssten zwei Millionen Euro mehr berücksichtigt werden.

Vor zwei Jahren hatte sich ein Streik der Mitarbeiter im Schul- und Erziehungsdienst rund einen Monat lang hingezogen. Das anfängliche Verständnis vieler Eltern für die Anliegen der Erzieherinnen war mit zunehmender Streikdauer in Ärger umgeschlagen. Damals versperrten Eltern der Tagesstätte Mullewapp mit einer Kartonmauer sogar den Eingang der Kita am Höfgenweg in Hamern und machten klar: Kinder sind keine Pakete, die man wochenlang in eine Ecke stellen kann.

Die Streikenden werden am Dienstag nach einem Demonstrationsweg von der Bettrather Straße sowie von der Rheinstraße zum Alten Markt ziehen. Hier ist eine Kundgebung zwischen 10.30 und 12 Uhr.

(web)