Mönchengladbach: So ist es als Lehrerin an der Privatschule Hebo

Mönchengladbacher Lehrerin berichtet : „Für mich ist die Arbeit an einer Privatschule viel persönlicher“

Lehrerin Hanna Kahles verzichtete auf den Beamtenstatus und unterrichtet mehr Stunden. Dennoch sei die Belastung nicht höher als einer staatlichen Schule, findet die 32-Jährige.

Hanna Kahles wusste sehr genau, worauf sie sich einließ, als sie nach ihrem Referendariat nicht am Gymnasium in St. Tönis blieb, sondern eine Stelle an der Hebo-Privatschule in Mönchengladbach annahm. Sie verzichtet damit nicht nur auf den Beamtenstatus, sie  unterrichtet auch noch vier bis fünf Stunden mehr als an einer staatlichen Schule. Doch bereut hat sie ihren Entschluss nicht. „Ich habe hier nicht das Gefühl, nur Wissensvermittlerin zu sein“, erklärt die 32-jährige Pädagogin. „Ich nehme vielmehr am Erwachsenwerden der jungen Menschen teil. Die Arbeit ist viel persönlicher.“

Sie kannte die Schule bereits gut, als sie ihre Stelle antrat. Schon ihre Eltern haben hier unterrichtet, und sie selbst hat während des Studiums als sogenannte Junglehrerin hier gearbeitet. Die Hebo-Privatschule ist eine Ergänzungsschule. Das heißt, sie wird nicht staatlich refinanziert wie andere Privatschulen, sondern finanziert sich über Schulgeld, das die Eltern zahlen. „Deswegen sind wir freier in unserer Konzeption“, erklärt Wasja Steinborn vom Leitungsteam der Privatschule. „Wir haben kleinere Klassen und mehr Unterrichtsstunden.“  Die Schüler der Hebo-Schule sind aus unterschiedlichen Gründen im konventionellen Schulsystem nicht zurechtgekommen. „Unsere Schüler sind besonders, und mit ihnen zu arbeiten, macht besonders viel Spaß“, sagt Hanna Kahles. Und was heißt das – besonders? „Es sind zum Beispiel viele Kinder mit Autismus-Spektrumsstörungen an dieser Schule“, erklärt die Pädagogin, die Englisch und Philosophie unterrichtet. „Damit muss man sensibel und flexibel umgehen.“ Von den Lehrern fordert das oft Gelassenheit, soziale Kompetenz und Empathie. Binnendifferenzierung gehört notwendigerweise zum Unterricht. „Wir haben in der gleichen Klasse unter Umständen einen 13-Jährigen mit einem IQ von 150 und einen 18-Jährigen, der Mühe hat, überhaupt einen Schulabschluss zu erreichen“, sagt die Lehrerin. Das funktioniert, weil die Klassen klein sind und mehr Unterrichtszeit zur Verfügung steht, aber auch, weil neben den voll ausgebildeten Lehrern Junglehrer eingesetzt werden, die noch studieren, den Lehrkräften aber unterstützend zur Seite gestellt werden. So wird es möglich, sich mit dem Einzelnen zu beschäftigen. „Ich unterrichte mehr Stunden, aber meine Belastung ist nicht höher als an einer staatlichen Schule“, sagt Kahles.

In der Schule wird alles vermieden, was zu zusätzlicher Hektik führt. So wechseln nicht die Schüler die Räume, sondern die Lehrer. Wird Unterricht in einem Fachraum erteilt, holen die Lehrer die Schüler ab. „Die Schüler werden organisatorisch entlastet und können sich nur auf den Unterricht konzentrieren“, berichtet die Lehrerin. So hat auch jeder Schüler eine Box für die Unterrichtsmaterialien. Bücher und Ordner bleiben in der Schule, da es keine Hausaufgaben gibt.  „Ich kenne Schüler, die zu Beginn stets Chaos um sich verbreiteten, aber die immer gleichen Abläufe prägen sich ein und sorgen dafür, dass auch sie Strukturen übernehmen“, sagt Kahles. Der Erfolg spricht für sich: Über 95 Prozent der Schüler machen einen Abschluss.

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