Familien in Mönchengladbach: Bewegung für Kinder bei DFB-Tag an Schule

Schulen und Vereine in Mönchengladbach : Wie Kinder heutzutage in Bewegung kommen können

Eigentlich lieben Kinder Bewegung. Doch oft kommt sie neben Schule und Youtube-Videos zu kurz. Deshalb brauchen Kinder heute Unterstützung. Vereine, Schulen und Kindergärten versuchen zu helfen.

Auf Bäume klettern, Fahrrad fahren, auf Stelzen laufen oder einfach nur ein bisschen „kicken“: Mirko Schweikhard kennt das Problem. „Draußen zu spielen ist heute nicht mehr so üblich“, sagt der ehemalige Sportlehrer, der jetzt beim Fußballverband Niederrhein für den Schulsport verantwortlich ist. „Die Unterschiede in den motorischen Fähigkeiten der Kinder sind extrem.“ Wenige können viel, etliche können wenig. Aber ganz viele könnten – wenn sie die Möglichkeit zur Bewegung und zum Training hätten. Deshalb sind Angebote wie der Sepp-Herberger-Tag, den der Deutsche Fußballbund (DFB) mit dem VfB Korschenbroich und der Evangelischen Grundschule Pahlkestraße in Rheydt durchführt, so wichtig. Das Konzept: Ein ganzer Schultag voller Bewegung: mit Elfmeterschießen und Fünfkampf, Fußball spielen und Stelzen laufen. Die Sepp-Herberger-Stiftung unterstützt dabei eine Kooperation von einer Schule und einem Verein mit Materialien und Geld.

Im RSV-Stadion herrscht ein fröhliches Gewimmel. Alle 300 Kinder der Grundschule Pahlkestraße durchlaufen vier verschiedene Angebote. Die achtjährige Lisa findet Fußball toll („besonders das Dribbeln“), ihre Mitschülerin Salma steht mehr aufs Stelzen laufen. Norbert Tenneberg, beim Korschenbroicher Fußballverein D-Jugend-Trainer und im offenen Ganztagsangebot (Ogata) der Rheydter Grundschule für die Fußball-AG verantwortlich, überwacht die Fußballspiele. Er opfert viel Freizeit und sogar Urlaubstage, um die Kinder an den Sport und die Bewegung heranzuführen. „Ich finde es wichtig, dass sie den Zusammenhalt im Team erleben“, erklärt er.

Aus der Fußball-AG, die an Turnieren wie dem Vituscup teilnimmt, sind schon einige hervorgegangen, die jetzt in Vereinen kicken. Zum Beispiel Elie. Der Achtjährige geht in die zweite Klasse, darf aber bei den Viertklässlern mitspielen. „Er hat sich super entwickelt“, sagt Tenneberg. „Er ist einer unserer Leistungsträger und spielt jetzt auch in der F-Jugend von Rheydt 08.“ Elie strahlt. Ja, er will mal Profi werden. Und dann stürzt er los, um beim Turnier des Sepp-Herberger-Tages für seine Klasse Tore zu schießen. Er hat seine Sportart gefunden, aber ohne die Möglichkeit, in der Schule den Sport und die Vereine kennenzulernen, hätte es wahrscheinlich nicht so schnell geklappt.

Gerade in einer Innenstadt-Grundschule wie der Evangelischen Grundschule Pahlkestraße sind Bewegungsangebote extrem wichtig. Nicht in allen Familien sind schon die Eltern „bewegungsaktiv“ – wie es Sylvia Kalotta ausdrückt – und geben das an die Kinder weiter. Ihr Sohn Justus ist natürlich im Sportverein. Was die Eltern nicht anbieten können oder wollen, übernimmt heute zumindest zum Teil die Schule, der Kindergarten oder die Sportvereine. In der Grundschule Pahlkestraße zum Beispiel gibt es zusätzlich zum normalen Sportunterricht Sportförderunterricht. Tischtennis wird in den Sportunterricht integriert, ein Hockey-Set steht zur Verfügung und außer dem gerade mit großem Einsatz durchgeführten Sepp-Herberger-Tag steht in Kürze auch noch das Leichtathletik-Sportfest an, das gemeinsam mit dem Deutschen Leichtathletikverband durchgeführt wird. „Außerdem lassen wir unsere Kinder auch das Sportabzeichen machen“, sagt Sportlehrerin Martina Könen, die auch die Bewerbung für den Sepp-Herberger-Tag initiiert hat.

Schule, Verbände und engagierte Trainer wie Norbert Tenneberg können viel bewirken und den Kindern den Spaß an der Bewegung nahebringen. Denn darum geht es. „Die Kinder sollen Spaß haben und sich ausprobieren“, erklärt Mirko Schweikhard. Wenn das funktioniert, werden nicht nur die Fußballvereine in Zukunft weniger Jugendmannschaften abmelden müssen. Allerdings müssen die Familien mitziehen. „Ich kenne einige Kinder, die gerne Fußball im Verein spielen würden, aber von ihren Eltern gar nicht unterstützt werden“, bedauert Tenneberg.

Auch deshalb wird oft schon in Kitas und Kindergärten etwas für die Bewegung getan. In Waldkindergärten sind die Kinder fast jeden Tag an der frischen Luft, und vor allem in speziellen Bewegungskindergärten wird viel Wert den Spaß an der Bewegung gelegt. Mit diesen Kindergärten veranstaltet der Stadtsportbund am 23. Mai deshalb den „Bewegungspokal“ im Grenzlandstadion. Dabei treten die Kindergartenkinder in Disziplinen wie „Drachen-Ei-werfen“ oder einer Medizinballstaffel an. Allerdings: Am Ende gewinnt nicht ein Kind, sondern die Gruppenergebnisse werden verglichen – und sowieso: Wenn Kinder sich bewegen, gewinnen alle.

Infos zum Fußballtag für Schulen und Vereine gibt es unter www.dfb.de/schulfussball/gemeinsam-am-ball/

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