Spielerwechsel von Odenkirchen nach Lürrip hat große Folgen

Jugendfußball : Punktabzug trifft Lürrips C-Junioren hart

Durch einen missglückten Wechsel eines Spielers aus Odenkirchen wurden dem Tabellenführer zwölf Zähler abgenommen. Davon profitiert der Verein, dem der Staffelleiter angehört – der Polizei SV. Das sorgt für Wirbel zwischen den Klubs.

Es ist pikant bis unappetitlich. Das Rezept: Drei Vereine, ein C-Jugendspieler, ein Verfahrensfehler, ein Urteil und ein Abzug von zwölf Punkten. Hinzu kommen eine ordentliche Prise Verdächtigungen und null Kulanz. Damit ist Folgendes angerichtet: Die C-Junioren des SV Lürrip haben nun keine Chance mehr auf den Meistertitel in  der Kreisleistungsklasse.

Hintergrund ist ein missglückter Vereinswechsel. Ein Spieler ging im Dezember 2018 (siehe Chronik unten) von Odenkirchen nach Lürrip, eine offizielle Freigabe hatte der abgebende Verein aber nie erteilt, es gab lediglich ein Blankopapier mit Odenkirchener Vereinsstempel. Dass das nicht reichte, erfuhren die Lürriper erst, als die Passstelle des Verbandes die Originalfreigabe-Bescheinigung haben wollte. Diese gab es nicht. Im Gespräch mit unserer Redaktion sagte Jugendobmann Jürgen Kleinen sogar, dass es in Odenkirchen immer so gehandhabt würde, dass ein wechselnder Spieler für drei Monate gesperrt werde und dass es keine Freigabe gegeben habe. Das Jugendsportgericht verhängte dann eine empfindliche Strafe: Alle vier Partien, in denen Lürrip den betreffenden Spieler eingesetzt hatte – einmal in der Startelf, dreimal eingewechselt – wurden 0:2 gegen den SV gewertet. Der Abzug von zwölf Zählern führte zum Verlust der Tabellenführung, die nun der Polizei SV innehat.

Und spätestens hier wird es pikant. Denn der zuständige Staffelleiter und Vorsitzende des Kreisjugendausschusses, Hermann Kaisers, gehört dem PSV an, und das erste Spiel, das das Gericht gegen Lürrip wertete, war das gegen die C-Junioren der Polizeiler, die die Partie verloren hatten. Dieses Zusammenspiel öffnet naturgemäß Verschwörungstheorie-Türen aufseiten der Lürriper, deren Präsident Andreas Zimmermann an die Adresse der beiden Vereine schreibt: „Lieber PSV, liebe SpVg. Odenkirchen: Wenn ihr diese Mittel braucht, um anderen Kindern etwas wegzunehmen, (...) könnte ich mich nicht freuen, einen Titel auf diese Art und Weise zugesprochen zu bekommen. Dies ist ein unsportliches Verhalten, welches auf dem Rücken unschuldiger Kinder ausgetragen wird. Ich sage nur: Schämt euch für dieses Verhalten:“

Staffelleiter Kaisers erklärt dagegen im Gespräch mit unserer Redaktion, dass es seitens der Lürriper nicht rechtens gewesen sei, die Freigabe auf einem Blankopapier ausstellen und abstempeln zu lassen. „Laut Paragraf 16 des Deutschen Fußball-Bundes kann ,eine nachträgliche Freigabe nur auf Original-Briefpapier ausgestellt werden’. Sportlich hat Lürrip es verdient, oben zu stehen, hier geht es nur um diesen Paragrafen. Natürlich hat Lürrip das Recht dagegen Revision einzulegen“, sagt Kaisers.

Dass diese Paragrafen nicht zwangsläufig jedem en detail bekannt sind, dürfte allen klar sein, die Lürriper verweisen sogar darauf, wenn Zimmermann schreibt: „Die Passstelle kann sich nicht nur hinter Paragrafen verstecken und sagen, alle Ehrenamtler müssen die doch kennen.“ Das hat sicher einen wahren Kern, indes ändert es nichts an der Faktenlage. Auch, dass sich das Strafmaß des Jugendsportgerichts mit zwölf Punkten Abzug sehr hart anfühlt und eben keinerlei Kulanz aufweist, ändert nichts daran, dass es formal vermutlich korrekt ist. Auch wenn das alles pikant ist und Lürrip sehr bitter schmeckt. Bleibt zu hoffen, dass sich alle Gemüter bis zum 1. Juni beruhigt haben: Dann sollen Lürrips C-Junioren zum Saisonfinale Odenkirchen empfangen.