Mönchengladbach: Hbf Rheydt endlich sanieren

Mönchengladbach: Hbf Rheydt endlich sanieren

"Mönchengladbach-Rheydt" – so soll der Rheydter Bahnhof bald heißen. Das wollen Verkehrsministerium, Deutsche Bahn und Verkehrsverbund. Viele Rheydter wollen nicht, dass am Status "Hauptbahnhof" gerüttelt wird.

"Mönchengladbach-Rheydt" — so soll der Rheydter Bahnhof bald heißen. Das wollen Verkehrsministerium, Deutsche Bahn und Verkehrsverbund. Viele Rheydter wollen nicht, dass am Status "Hauptbahnhof" gerüttelt wird.

Der Rheydter Hauptbahnhof soll seinen Status verlieren und künftig nur noch Bahnhof "Mönchengladbach-Rheydt" heißen. Dieser Vorstoß von NRW-Verkehrsministerium, Deutscher Bahn und Verkehrsverbund Rhein-Ruhr führte zu lebhaften Diskussionen. CDU und SPD sind sogar einer Meinung: Die beiden großen Fraktionen lehnen die Umbenennung ab. Was sagen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dazu, wollte die RP wissen.

Dr. Wolfgang Johann, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins: "Wenn sich lediglich die Benennung ändert, halte ich das für unwichtig." Für die Großstadt Mönchengladbach reiche ein Hauptbahnhof aus. Johanns Befürchtung: Fällt erstmal der Titel Hauptbahnhof, könnte auch das Gebäude abgerissen statt saniert werden. "Durchs Hintertürchen dürfen nicht Gleise oder Verbindungen reduziert werden. Die Funktion des Bahnhofes muss genauso erhalten bleiben."

Rainer Kellermann, Einzelhändler und Vorsitzender Rheydter Citymanagement: "Ich sehe die Überlegung als großen Schlag gegen die Möglichkeiten, die wir in Rheydt aufbauen wollen." Für die Bahn sei die Umbenennung nur ein Verwaltungsakt, für Rheydt hätte sie aber weitreichende Folgen. "Wir können nur bitten, den Hauptbahnhof und damit den besonderen Status von Rheydt — auch durch den Eintrag ins Guiness-Buch der Rekorde — zu erhalten. Zur Not sollte eine Bürgerbefragung stattfinden".

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Peter Felten, Geschäftsinhaber, Rheydter Citymanagement: "Es wird scheibchenweise versucht, Rheydt etwas abzuknapsen. Es sollte beim Hauptbahnhof bleiben. So sieht sich die Bahn in Zugzwang, das Gebäude zu sanieren."

Susanne Hünecke, Gastwirtin "Meyer's Extra": "Ich fände eine Umbenennung nicht schlimm — aber die Rheydter wären traurig. Der Hauptbahnhof gibt ihnen das Gefühl, doch noch eigenständig zu sein. Den Borussen-Fans, die von außerhalb zu uns kommen, wäre das egal. Für sie ist die Station Rheydt Hauptbahnhof und dann mit dem Shuttle bis zum Nordpark längst geläufig."

Eduard Felzen, Geschäftsführer Saturn, Ortsvorsitzender Einzelhandelsverband: "Das ist eine sehr bedauerliche Entscheidung der Bahn. Für die sachlichen Gründe habe ich zwar Verständnis, aber für die Rheydter ist es ein weiteres Steinchen, das ihnen weh tut. An der Beliebtheit des Kennzeichens MG-RY sieht man, dass die Identität als Rheydter wichtig ist." Bernd Gothe, Unternehmer aus Rheydt und Vorsitzender des Mönchengladbacher Karnevalsverbandes: "Ich habe heute Morgen spontan gedacht: Da kann ich auch mein Autokennzeichen ,MG-RY' bald abgeben. Rheydt spielt dann ja wohl keine Rolle mehr. Ich finde die ganze Entwicklung überhaupt nicht gut. Rheydt hat keine Lobby." Wolfgang Wolff (CDU), stellvertretender Bezirksvorsteher in Rheydt-Mitte und Vorsitzender des Heimatvereins Geneicken-Bonnenbroich: "Ich find's schrecklich, dass dies erwogen wird. Es ist nicht möglich, Gladbach und Rheydt zu einer einheitlichen Telefonnummer zu verhelfen. Aber dieses Besondere, zwei Hauptbahnhöfe in einer Stadt zu haben, soll dann aufgegeben werden. Da ziehe ich nicht mit."

Klaus Hurtz, Pfarrer von St. Franziskus und St. Marien: "Eine Umbenennung ist zwar nicht so dramatisch. Aber Rheydt ist schon gebeutelt genug. Ein Name ist mit einer Gewichtung verbunden und hält das Ganze zusammen. Das sollte nicht verloren gehen." Hans-Jürgen Brandtner, Betreiber des Kinos Universum im Rheydter Hauptbahnhof: "Ich kann mit dem Namen ,Mönchengladbach-Rheydt' leben. Viel wichtiger halte ich es, dass der Bahnhof endlich saniert wird. Für seinen Zustand muss man sich ja schämen." Ulrich Elsen, SPD-Ratsherr aus Rheydt: "Der Name ,Hbf Rheydt' ist nicht nur historisch, sondern im Bahnverkehr allgemein gebräuchlich. Der Rheydter Hauptbahnhof ist in einem erbärmlichen Zustand: Es fehlt Licht, es fehlen Toiletten, es mangelt an Sauberkeit, und die Anzeigen an den Gleisen sind bereits seit langem ausgefallen." Karl Sasserath (Grüne), Bezirksvorsteher in Rheydt-Mitte: "Unsinn. Dann wird der Hauptbahnhof zu einem Haltepunkt. Und das hat rechtliche und wirtschaftliche Auswirkungen: Da wird doch dann erst recht nicht mehr investiert."

(RP)
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