Mönchengladbach: S-Bahnverlängerung nach Rheydt geplant

S-Bahnlinie 8: Fährt die S-Bahn 2019 nach Rheydt?

Seit Jahren fordern Politiker und Stadt die Verlängerung der S-Bahn 8 nach Rheydt und Odenkirchen. Jetzt gibt es die Chance, die S8 ab Dezember 2019 einmal stündlich bis nach Rheydt fahren zu lassen. Ein Gutachten weist dies nach.

Die Tür ist einen kleinen Spalt offen. Und durch diesen will die Stadt entschlossen durchgehen, um für den Nahverkehr eine entscheidende Verbesserung zu erzielen und eine langjährige Forderung endlich umzusetzen: Die S8, die von Hagen über Düsseldorf bis nach Mönchengladbach führt, soll ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 bis nach Rheydt weiterfahren. Auch ein Haltepunkt an der Hochschule Niederrhein könnte dann entstehen. Stadt und Politik haben das Potenzial und die Chancen dieser Verkehrsverlängerung erkannt und machen Druck auf den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und die Deutsche Bahn. Möglich ist auch, dass der Regionalexpress RE42 künftig Rheydt anfährt. Und auch der zweigleisige Ausbau zwischen Rheydt und Odenkirchen ist zumindest mittelfristig umsetzbar.

Gestern beschäftigte sich die Bezirksvertretung Süd erstmalig mit der Thematik. Bau- und Planungsdezernent Gregor Bonin hat in der Verwaltungsvorlage die Dringlichkeit für die S8-Verlängerung betont. „Aufgrund der kurzfristigen und für die Stadt Mönchengladbach einmaligen Gelegenheit, die S8 mit freien Zugkapazitäten ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 über Mönchengladbach Hauptbahnhof hinaus bis Rheydt Hauptbahnhof zu verlängern...“ heißt es da. Untermauert wird die Gladbacher Forderung mit einer Studie durch die Ingenieure des Duisburger Büros Vössing. Sie haben das Potenzial für kurzfristige Verbesserungen der Verbindung vom Rheydter Bahnhof in die Landeshauptstadt auf rund 60 Seiten untersucht. Fazit: Der VRR müsste im Betriebsablauf nur kleine Anpassungen vollziehen und einen zusätzlichen Zug bereitstellen. Da der VRR freie Zugkapazitäten ab Dezember 2019 habe, sei es möglich, die S8 „einmal stündlich bis Rheydt Hauptbahnhof“ zu verlängern.

Vössing hat auch untersucht, wo der Haltepunkt Hochschule sein könnte. Bislang galt stets der Parkplatz auf Höhe Breite Straße als bevorzugter Standort. Vössing hat zwei weitere Orte begutachtet. Der Standort Brunnenstraße/An der Landwehr weist nach Ansicht der Experten das größte Potential auf. Entscheidend ist, dass nicht nur die Studenten der Hochschule ein- und aussteigen können, sondern auch die Wohngebiete Dahl, Hermges, das Grenzlandstadion und das anliegende Industriegebiet sehr gut angebunden werden. Mit dem Gutachten hat die Stadt eine wesentliche Grundlage für die weitere Planung erfüllt. „Damit haben wir die Chance, für den neuen Haltepunkt Fördermittel und Finanzierungsgeld in Anspruch nehmen zu können“, sagt Bonin.

„Eine Umsetzung wäre ein wichtiger Meilenstein für die Stadtentwicklung“, sagt Joachim Roeske, Sprecher der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung. Gemeinsam mit dem planungspolitischen Sprecher der SPD-Fraktion, Thomas Fegers, weist er auf eine Änderung hin, der eine Verlängerung der S-Bahn nicht nur nach Rheydt, sondern sogar bis Odenkirchen weiteren Auftrieb geben wird: Bei der Deutschen Bahn hat sich offenbar der Eindruck durchgesetzt, dass der eingleisige Engpass zwischen dem Rheydter Hauptbahnhof und Odenkirchen zumindest mittelfristig beseitigt werden muss. Fegers: „Der zweigleisige Ausbau der Strecke ist in den ,vordringlichen Bedarf’ aufgestiegen. Jetzt kann man endlich verbindlich in Planung und Umsetzung gehen.“ Dieser zweigleisige Ausbau zwischen Rheydt und Odenkirchen ist für die Entwicklung des Zugverkehrs entscheidend. Denn der Engpass verhindert bislang die Weiterführung der S8 bis Rheydt und Odenkirchen. „Auch für eine bessere Anbindung nach Köln ist dieser Ausbau extrem wichtig“, sagt der SPD-Planungspolitiker Fegers. CDU-Politiker Roeske ergänzt: „Die Möglichkeit einer S-Bahnverbindung von Köln nach Mönchengladbach besteht dann ebenfalls.“

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jochen Klenner hat bei der Freigabe der Autobahn 61n ebenfalls darauf hingewiesen, dass die S-Bahnverlängerung nach Rheydt, Odenkirchen und sogar weiter nach Erkelenz jetzt zügig angegangen werden muss. „Wir reden hier von einem Nutzerpotential im sechsstelligen Bereich. Die A61 Verlagerung ist ein guter Anlass für einen erneuten Anlauf im Hinblick auf den Fahrplanwechsel beim VRR im nächsten Jahr. Die Verlängerung bis Rheydt wäre ohne größere Probleme für den Verkehrsverbund machbar. Mittelfristig ist auch eine Fortführung bis nach Erkelenz möglich und sinnvoll“, sagt Klenner.

Der Schienenverkehr in Mönchengladbach könnte von einer weiteren Veränderung profitieren, die Stadt und Politik gemeinsam angehen wollen: Eine Verlängerung des Regionalexpress RE42 über den Mönchengladbach Hauptbahnhof bis nach Rheydt. Derzeit führt der Linienweg des RE42 von Münster durch das Ruhrgebiet bis MG Hbf. Bei der Machbarkeitsstudie zum neuen Haltepunkt Hochschule wurde zwar festgestellt, dass es zu Engpässen kommt, wenn der RE42 bis nach Rheydt geführt wird. Aber: Eine Verlängerung ist trotzdem ohne Einsatz eines zusätzlichen Zuges möglich, wenn dieser am Güterbahnhof wendet. Das ergab eine Prüfung des VRR.

Die Entscheidung darüber liegt bei der Bahn und ihrer Tochter DB Netz – was den RE 42 angeht, aber auch für die Dezember 2019 mögliche Verlängerung der S8 nach Rheydt (einmal stündlich). Insider sind skeptisch: Die Deutsche Bahn zeigt sich meist nicht gerade flexibel.

(web)
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