Mensch Gladbach: Die Kurzweiligkeit der seltsamen Blüten

Mensch Gladbach: Die Kurzweiligkeit der seltsamen Blüten

Bienenfreundliche Pflanzen, die zunehmenden Asphalt vergessen machen sollen. Ein Zweckverband, in dem einer die Meinungshoheit haben will. Und eine Fahrradstraße mit Bundesbedeutung - Neues aus unserer Stadt.

Und? Müssen Sie auch noch soooo viel erledigen, bevor das Jahr mit dem Weihnachtsfest ins Finale geht? Bei all dem Trubel könnte man doch glatt vergessen, wie sich Langeweile anfühlt - und dass das nicht zwingendend mit ersehnter Entspannung zu tun hat. Langeweile kann schließlich auch sehr langweilig sein.

Und über zu viel davon kann man in unserer Stadt tatsächlich nicht klagen. Hier ist doch immer was los - und damit sind nicht nur Konzerte, Märkte, Events, Shoppen, Sport und Spiele gemeint. Sondern die seltsamen Blüten, die in Mönchengladbach doch so gut sprießen und das Leben zumindest kurzweilig machen.

Einige Stilblüten der Woche: Ein Pilotprojekt soll 2018 Mönchengladbach aufblühen lassen. Das ist mal nicht im übertragenen Sinne gemeint (klar, Dynamik und Wachstum sind seit langem spürbar), sondern ganz wörtlich. Auf Mittelstreifen, Verkehrsinseln, sogar im Nordpark werden Wildblumen ausgesät. Flowerpower! Ein Paradies für Bienen und Schmetterlinge! Klingt gut. Nur leider können wir einfach nicht vergessen, dass andernorts Grün zuasphaltiert wird (weil der Pflegeaufwand zu groß ist) oder Bäume weichen sollen (weil deren Vielfalt die gewünschte Einheitlichkeit stört). Und ob die Gestaltungssatzung, die sogar Blumenkübel verbietet, Horden wild gewordener Blumen überhaupt zulässt? Es bleibt spannend!

Ebenso beim neuen Zweckverband, der sich jetzt gründet. Mit diesem Konstrukt wollen Mönchengladbach, Erkelenz, Jüchen und Titz Einfluss darauf nehmen, was aus dem Tagebauloch Garzweiler mal werden soll. Mit im Verband sitzt der Tagebaubetreiber selbst, RWE Power, der nach Mönchengladbach auch die größte Summe in die Verbandskasse fließen lässt. RWE jedenfalls, so schien es, wollte die alleinige Hoheit über die Meinungen in dem Gremium haben. Kritik der Partner? Unerwünscht! So stand es in einer ersten Fassung der Satzung. Die Aufregung war verständlicherweise groß, rasch wurde versucht, den Scherbenhaufen zusammenzukehren: Die Textpassage soll durch ein Versehen in das Papier gerutscht sein, hieß es. Die finale Satzung soll nun nichts dergleichen enthalten. Das versichert auch der designierte Zweckverbandschef Gregor Bonin - der übrigens auch führender Stadtplaner von Mönchengladbach und quasi Erfinder der Gestaltungssatzung ist. Ob er stille Wasser wilden Wiesen vorzieht, wissen wir noch nicht. Spannend! Unsere Lieblingsgeschichte ist aber die der ersten Fahrradstraße Mönchengladbachs. Die führt über Brucknerallee und Richard-Wagner-Straße, ist ein wichtiges Signal für die fahrradfreundliche Stadt und durch ein kräftiges Blau auf der Fahrbahn gekennzeichnet. Das kennen wir von den Radwegeschildern, es schien also konsequent. Nur kam dann raus, dass die Farbe nicht konform mit den deutschen Regeln ist. Die sehen für Radwege nämlich nicht Blau, auch nicht das übliche Rot vor, sondern Gelb. Was offenbar kaum jemand weiß, jedenfalls sind gelbe Radwege eine eher seltene Spezies. Die blaue Route aus Gladbach macht sogar die Regierungspräsidentin ratlos und wird deshalb Bundesbehörden beschäftigen.

In diesem Sinne: Ein kurzweiliges Wochenende!

(dr)