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Erkrath: Saisonstart im Lokschuppen

Erkrath : Saisonstart im Lokschuppen

Seit gestern können sich Besucher wieder auf eine Zeitreise begeben. Zu den Raritäten der Sammlung gehört ein altes Schienenthermometer. Neu ist das Bahnsteigdach aus dem 19. Jahrhundert.

Der Lokschuppen in Hochdahl hat gestern die Saison eröffnet. Einsteigen und die Türen schließen! Auf das Rucken und Rattern des Zuges warteten die Fahrgäste jedoch vergeblich. Sie traten stattdessen eine Reise durch die Zeit an. Unterwegs entdeckten sie de Geschichte des Fahrwegs und der Eisenbahn. Von Betonschwellen aus der Urzeit des Schienenverkehrs über Nägel, die schon im Wilden Westen die Gleise mit den Schwellen verbanden bis hin zu Schienenstücken aus allen Epochen gab es bei der Eröffnung des Museums im Lokschuppen für die Passagiere eine Menge zu entdecken.

"Wir haben hier eine der schwersten Sammlungen überhaupt. Jedes Stück wiegt mehr als zehn Kilo und wir haben mehrere hundert Exponate", sagte der erste Vorsitzende Udo Kampschulte sichtlich stolz auf seine Schienenstücke aus verschiedenen Epochen. Sie alle trage die Stempel der Hüttenwerke, aus denen sie stammen. "Das sind Unternehmen aus ganz Europa dabei, die meisten gibt es gar nicht mehr."

So wie auch die einstige Eisenhütte in Hochdahl längst vergessen ist. Sie gehörte um 1900 zu einem der größten Werke Europas. "Das Erz ist beim Bau der Eisenbahnstrecke von Düsseldorf nach Elberfeld zutage gekommen und hat schließlich zur Zerstörung des Neandertals geführt. Heute wären die schroffen Felsen Weltkulturerbe, doch damals war für die Verhüttung Kalk nötig", erzählte Udo Kampschulte.

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Er hat sich intensiv mit der Historie des ältesten Streckenteilstücks in Westdeutschland beschäftigt und ist bis heute fasziniert von der damaligen Ingenieurstechnik. "Eine Seilzuganlage mit Umlenkrollen und Stahlseil zog in der Anfangszeit die Bahn vom rheinischen Erkrath ins bergische Hochdahl. Das war schon eine Meisterleistung", sagte der Vereinsvorsitzende und deutete auf ein Bild, das diesen Mechanismus illustriert.

Stolz auf eine Rarität

Besonders stolz ist er auf die Raritäten der Sammlung wie das alte Schienenthermometer. Damit kontrollierten Bauarbeiter früher die Temperatur des Stahls. "Heute funktioniert das alles digital, doch früher war das eine ähnliche Prozedur wie beim Fiebermessen." Die Kontrolle ist jedoch nach wie vor wichtig. Bei Bauarbeiten dürfen die Gleise nicht wärmer als 20 Grad Celsius sein. "Denn das Metall dehnt sich bei Hitze aus und steht unter Spannung. Wird es durchtrennt, entspannt es sich explosionsartig und mehrere Hundert Meter Schienen lägen in Kurven." Eine durchdrehende Lok kann Schienen sogar dahinschmelzen lassen. Auch so eine Schleuderstelle gehört zu den Raritäten des Museums. "Das ist sehr selten, doch wir haben so ein Stück", betont Kampschulte mit Blick auf die deformierte Schiene.

Stolz führte er den Fahrgästen auch das neue Bahnsteigdach mit gusseisernen Stützen aus dem 19. Jahrhundert vor. "Als nächstes legen wir die Gleise und dann können wir die Fahrzeuge aus unserer Wartungshalle dorthin verlagern und haben dann auch wieder mehr Platz, um historische Fahrzeuge zu restaurieren", sagte Udo Kampschulte. Er wünscht sich, die preußische T3 von 1883 aufzuarbeiten und am liebsten wieder funktionsfähig zu machen. "Dafür bräuchten wir jedoch Sponsoren. Wenn das gelänge, hätten wir die älteste funktionsfähige Dampflok Deutschlands." Mit ihr mehrere hundert Meter in Richtung Millrath zu fahren, ist der Traum des Vereinsvorsitzenden. Damit die Fahrgäste nicht nur einsteigen, die Türen schließen, sondern auch das Rucken und Rattern der Bahn erleben.

(domi)