Behinderte freuen sich auf ihr eigenes Haus in Meerbusch

Platz für 140 Neu-Osterather: Neues Wohnen in Osterath

Auf einem 20.000 Quadratmeter großen Grundstück entstehen 31 Häuser, in eines ziehen Behinderte ein. 

Die Sportsfreunde Matti (36) und Lukas (30) können es kaum erwarten, ihre erste eigene Wohnung zu beziehen. Noch steht das Haus nicht, in dem ab Herbst 2019 zehn junge Menschen mit Behinderungen leben werden. Aber der Anfang ist gemacht: Am Samstag wurde ein neues Baugebiet an der Krefelder Straße in Osterath von Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage offiziell eröffnet.

Dort entstehen auf 20.000 Quadratmetern 31 Ein- und Zweifamilienhäuser sowie zwei Mehrfamilienhäuser. In einem wurden zwölf  Einheiten für das von der Hephata betreute Wohnprojekt geschaffen. „Ich heiße die zukünftigen Bewohner herzlich willkommen“, sagte die Bürgermeisterin. „Für sie geht ein Traum in Erfüllung. Junge Erwachsene mit Einschränkungen werden hier ein selbstbestimmtes Leben führen können. Ich sehe auch Glück in den Gesichtern ihrer Eltern.“ Marion Hassel aus Büderich, die Mutter von Lukas, kann nur beipflichten. „Eigentlich war der Baubeginn viel früher geplant“, erzählt sie. „Schon seit drei Jahren trifft sich die Gruppe einmal im Monat, alle haben sich inzwischen angefreundet. Und jetzt können wir zuschauen, wie das Haus wächst.“ Stefan (34) freut sich auf seine Wohnung, „weil es hier so schön ist.“ Und Lars, mit 21 Jahren der jüngste der Gruppe, kann später von Osterath aus schnell nach Strümp zu seinen Eltern radeln. „Das ist ein großer Schritt für unseren Sohn“, erzählt sein Vater Uwe Furchheim. „In der Gruppe bekommt er so viel Selbständigkeit, wie er nur schaffen kann. Und wir können ihn in Ruhe begleiten und wissen ihn gut aufgehoben, wenn wir später nicht mehr für ihn sorgen können.“ Genau dieser Gedanke war die Motivation für Thomas Jung, ein Wohnprojekt zu gründen: „Was passiert eigentlich, wenn ein behinderter Mensch älter wird?“ hatte er sich oft gefragt. Sein Sohn Alexander (28) kam mit einer geistigen Einschränkung zur Welt. Der CDU-Politiker und Ratsherr hatte schon lange die Idee, ein Grundstück zu kaufen und darauf betreute Wohneinheiten für Behinderte zu errichten. „Ich bekam jahrelang nur Abfuhren“, berichtet er. „Erst Frau Mielke-Westerlage, damals Dezernentin für Soziales, sicherte mir Unterstützung zu.“ Und plötzlich ging alles wie geschmiert. Thomas Jung erfuhr von dem Vorhaben der Familie Münks, ihr Grundstück bebauen zu lassen. Er präsentierte seinen Plan, für den die Volksbank bereits ein Genossenschaftsmodell in der Schublade hatte. Das Ehepaar befürwortete ihn, war aber nicht mehr Eigentümerin des Grundstück. Das gehörte jetzt der Schmitz-Gruppe aus Viersen. Thomas Jung gab nicht auf – mit Erfolg.

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Die 31 baureifen Parzellen wurden für 400 Euro pro Quadratmeter verkauft. Sie liegen zwischen dem Gewerbegebiet an der Rudolf-Diesel-Staße mit einer 250 Meter langen Schallschutzwand, der Krefelder Straße, Gartengrundstücken und dem Gästehaus der Familie Münks. „Die Besitzer können nach ihren Vorstellungen und mit eigenen Architekten bauen“, sagt Rüdiger Schmitz. Er lobt bei der Standort-Entwicklung (inklusive einer Heizzentrale für Fernwärme) die Zusammenarbeit mit der Stadt: „Sie war äußerst konstruktiv und angenehm, trotz widriger Umstände. So schnell ging es noch bei keinem Objekt.“ Es gab allerdings auch Bauherren, die sich über die schleppende Abwicklung beklagten: „Vom Antrag bis zur Baugenehmigung dauerte es fast ein Jahr, das ist nicht akzeptabel,“ beschwerte sich einer. Die Hephata-Wohngruppe ficht das nicht an - hier herrscht pure Freude. „Wenn erst der Rohbau steht, wird richtig gefeiert“, so Uwe Furchheim.

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