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Leverkusen: Zeitgeister – Es spukt im Museum Morsbroich

Leverkusen : Zeitgeister – Es spukt im Museum Morsbroich

Im Spiegelsaal beginnt ausnahmsweise die aktuelle Ausstellung des Museum Morsbroich, die am Freitagabend um 18 Uhr zu Beginn der 8. Leverkusener Kunstnacht eröffnet wird. Zu sehen ist allerdings auf den ersten Blick nichts.

Aber das ist ja auch nicht ungewöhnlich, wenn es sich um paranormale Phänomene handelt, um "Erscheinungen des Übernatürlichen in der zeitgenössischen Kunst", wie der Untertitel der Präsentation "Zeitgespenster" lautet.

Verhaltenskodex ignorieren

Alles sieht aus wie immer, mit Ausnahme des handgeschriebenen Zettels an einer Säule: "Schreien Sie jetzt so laut Sie können!" Beim gestrigen Presserundgang traute sich niemand, so dass Künstler Werner Reiterer brüllen musste. Wer sich wie er über den Verhaltenskodex in einem Museum hinwegsetzt, löst fremde Geräusche und ein Flackern des Kronleuchters aus. Reiterer, der mit dieser unsichtbaren, geisterhaften Sound- und Lichtinstallation schon in Paris Erfahrungen sammelte, wird auch eine dauerhafte Installation für den Schlosspark schaffen, die im November offiziell übergeben wird.

Beim Rundgang durch die beiden Museumsetagen treffen Besucher auf unterschiedliche Erscheinungsformen des Gespenstischen und nicht Erklärbaren und sie werden sich täuschen lassen durch Geräusche, Bilder oder Videoarbeiten verschiedener Künstler, die den Blick neu justieren. Sie sehen einen Geist im Kurzfilm von Simon Schubert, der auf den ausgestellten Originalblättern kaum wahrzunehmen ist. Sie erleben eine längere Videoarbeit über Hypnose, werden durch die Fotoübermalungen von Cosima Hawemann mit Ich-Spaltung konfrontiert, von Susan Hiller mit Farbspektren der Aura unterschiedlicher Persönlichkeiten. Metamorphose von Dingen und Personen zeigen Ronald Versloots Zeichnungen, Melanie Vogel hat geisterhafte Erscheinungen abgelichtet, tatsächlich sind es Snapshots beim Skypen. Was ist real, was irreal in einer wissenschaftlich orientierten, aufgeklärten Gesellschaft?

Diese Frage zieht sich durch alle Arbeiten. Real scheint zumindest das Foto von Kurator Dr. Fritz Emslander und der hübschen Maya Brush am Spiegelsaalkamin. Die Dame sammelt zwar Freunde auf Facebook, existiert aber nur virtuell und ist eine Schöpfung von Kirsten Geisler, die den Schaffensakt in einem Raum zeigt.

Ghosthunter

Vor einigen Wochen haben echte Ghosthunter das Schloss und die Gräber der Familie von Diergardt auf paranormale Phänomene untersucht. Die Ergebnisse werden bei der Ausstellungseröffnung am Freitag preisgegeben. Stündlich finden dann Kurzführungen durch die "Zeitgespenster" statt, um Mitternacht mit Taschenlampen.

(RP/rl)