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Leverkusen: Die Jahrhundert-Schule

Leverkusen : Die Jahrhundert-Schule

Die "Herzogschule" feiert Jubiläum. Vor 100 Jahren wurde sie eröffnet. Generatio-nen von Opladener Schülern haben sie besucht. Am 19. Okto-ber wird der Anlass gebührend gefeiert.

Am 2. Juli 1917 wurde die neue "Hindenburgschule" an der Herzogstraße eingeweiht. Die Evangelische Volksschule, die bereits 1859 begonnen hatte und kontinuierlich gewachsen war, konnte den Unterrichtsbetrieb in den neuen Räumen aufnehmen. Architekt war Peter Klotzbach, der Anfang des 20. Jahrhunderts mit mehreren öffentlichen Gebäuden das Stadtbild prägte. Beispielsweise das ehemalige Landratsamt und heutige Stadtarchiv, die Schule Im Hederichsfeld, die Landwirtschaftsschule, aber auch private Wohnhäuser in der Ruhlach.

1939 wurde laut Regierungsbeschluss die Gemeinschaftsschule unter dem Namen "Deutsche Schule" eingeführt. Ende der 1960er Jahre wurde sie "Gemeinschaftsgrundschule an der Herzogstraße". Nachdem 2013 die aufgelöste Erich-Kästner-Schule angegliedert worden war, einigte sich die neue Schulgemeinde auf den Namen "GGS Opladen". Im Volksmund allerdings hieß sie immer "Herzogschule", und so wird es vermutlich auch nach der 100-Jahr-Feier bleiben.

 Das Kollegium im Jahr 1919: In der Mitte sitzend Rektor Friedrich Sieker, in der hinteren Reihe links Lehrer Arnold Ohletz, der 1922 die Leitung der Schule übernahm.
Das Kollegium im Jahr 1919: In der Mitte sitzend Rektor Friedrich Sieker, in der hinteren Reihe links Lehrer Arnold Ohletz, der 1922 die Leitung der Schule übernahm. Foto: Herzogschule

Der Festakt zum 100. Jubiläum wird am Donnerstag vor den Herbstferien, 19. Oktober, um 14 Uhr in der Aula stattfinden. Nach einer einstündigen Feier haben Besucher die Möglichkeit, sich die Schule genauer anzusehen. Denn hier sind Ehemalige ausdrücklich eingeladen. Vielleicht möchte jemand seinen ehemaligen Klassenraum besuchen oder sich einmal den Keller ansehen, wo im Zweiten Weltkrieg über 500 Kinder mit ihren Lehrern Schutz vor Bombenangriffen suchten, manchmal mehrmals pro Tag. Das muss ganz schön eng gewesen sein.

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Später, als der Bunker Karlstraße fertig war, seien Klassen bei Alarm dorthin gegangen. Nur ältere Schüler blieben als Brandwache an der Herzogstraße, weiß Lehrerin Stefanie Jördens. Sie hat sich im Vorfeld des Jubiläums mit der Chronik beschäftigt und bereitet eine Präsentation für den Festakt vor. Auch Schüler haben schon alte Dokumente und Fotos angesehen. Während der Sommerferien besuchte OGS-Leiterin Kirsten Krus mit einer Gruppe das Stadtarchiv. Die Kinder waren so begeistert von dieser Reise in die Vergangenheit, dass im Oktober eine weitere Klasse ins Stadtarchiv geht.

 Ansichtskarte mit dem Schulgebäude aus dem Jahr 1917/18.
Ansichtskarte mit dem Schulgebäude aus dem Jahr 1917/18. Foto: Stadtarchiv

In der Projektwoche, die mit der Jubiläumsfeier endet, beschäftigen sich alle Schüler in irgendeiner Weise mit dem Hundertjährigen. Wie Unterricht früher ablief, beispielsweise, wie man auf Tafeln schrieb und wie man das Schreiben lernte. Schulleiterin Friederike Stahl, die seit mehr als 25 Jahren an der Herzogschule unterrichtet, sucht Senioren, die hier zur Schule gingen, damit sie den Kindern von ihren Erinnerungen erzählen und alte Fotos zur Verfügung stellen können.

Nach Kriegsende wurden etliche Flüchtlinge aufgenommen, außerdem Kinder, deren Schulen stärker zerstört waren als die Herzogschule, die relativ schnell behelfsmäßig repariert war. Teilweise wurden 2400 Kinder in elf Klassen unterrichtet, hat der damalige Rektor Hundhausen in der Schulchronik vermerkt.

Darin äußerte er auch seine Zweifel an der offiziellen Verlautbarung, die Bevölkerung habe seinen Vorgänger Arnold Ohletz nicht mehr haben wollen. Tatsächlich hatten die Nazis den SPD-Mann, der nach 1945 Bürgermeister von Opladen wurde, aus politischen Gründen kalt gestellt. In der Opladener Neustadt wurde eine Straße nach ihm benannt.

Seit 1991 wird an der Herzogschule in jahrgangsgemischten Lerngruppen unterrichtet, 2009 wurde der gebundene Ganztag in sechs von zehn Klassen eingeführt. 2010 begann die umfangreiche Gebäudesanierung. Die Schule ist um einen Neubau erweitert, in dem auch eine Mensa für alle Schüler eingerichtet wurde. Das Essen für rund 470 Kinder wird hier nicht angeliefert, sondern täglich frisch gekocht. Damit werden auch die Schüler in der Zweigstelle an der Hans-Schlehahn-Straße versorgt.

(mkl)