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Kommunalwahl Leichlingen: Müller fürchtet "Zerfaserung" des Rates

Leichlingen : Müller fürchtet "Zerfaserung" des Rates

Eine Standortbestimmung des scheidenden Bürgermeisters Ernst Müller: Seinem Nachfolger wünscht er einen Stadtrat, der homogener zu Entscheidungen gelangt. Der Verwaltung wünscht er eine Fachkraft mit menschlichen Qualitäten.

Fast 20 Jahre hat Bürgermeister Ernst Müller (SPD) die Geschicke der Stadt Leichlingen mitgestaltet: Zeit für eine Standortbestimmung, Zeit zu bilanzieren und auszublicken, was getan worden ist und sein Nachfolger nach der Wahl am 25. Mai noch zu tun hat. Sieben Leichlinger Bürger bewerben sich um den frei werdenden Chefsessel im Rathaus. Traut Müller einem der sieben Kandidaten zu, das Bürgermeisteramt mit all' seinen Anforderungen auszufüllen? "Ich verweigere dazu die Aussage", entgegnet das Stadtoberhaupt. Er sage nur so viel: Der neue Bürgermeister von Leichlingen müsse viel mehr als nur ein Repräsentant der Bürgerschaft sein. Dies ließe sich noch am leichtesten erfüllen, meint er. Die wahre Herausforderung an den neuen Bürgermeister seien Fachlichkeit und Erfahrung in der Menschenführung: "Es liegt mir sehr am Herzen, dass meine Mitarbeiter aus der Stadtverwaltung auch wieder in gute Hände kommen", betont Müller.

Leichlingens Verwaltung sei gut aufgestellt, zieht er Bilanz. Er habe die Verwaltung so umstrukturiert, dass nicht Parteizugehörigkeit, sondern fachliches Können das einzige Entscheidungskriterium für eine Karriere bei der Stadt geworden sei. Das sei vor seiner Zeit anders gewesen. Er hoffe, dass dieses Prinzip von seinem Nachfolger fortgesetzt werde. "Zufällig sind hier alle Führungskräfte parteilos", sagt Müller, "Ich hoffe, dass es so bleibt." Die Arbeit im Stadtrat sieht Müller weniger gut aufgestellt und als eine echte Prüfung für seinen Nachfolger. Er befürchte nämlich eine weitere Zerfaserung in noch mehr kleine Gruppierungen, gibt er zu.

Heterogenität im Rat bereits ist hoch

Bereits jetzt sei der Stadtrat so heterogen, dass er in wichtigen Fragen wie der Innenstadtgestaltung einfach nicht in der Lage sei, zu Entscheidungen zu kommen. "Die große Herausforderung wird es für den neuen Bürgermeister sein, Mehrheiten im Stadtrat zu finden und zu bilden," meint Müller. Dies sei aber in jüngster Zeit immer schwerer geworden: "Nach dem Gesetz des Landes sind zwar alle Ratsmitglieder dem Wohle der Stadt und der Bürger verpflichtet. Immer mehr sehen sich aber in Leichlingen dem Wohle ihrer Partei verpflichtet", beklagt Müller. "Ich wünsche dem neuen Rat, dass der sich dem Wohle der Bürger verpflichtet fühlt und dass die Bürger die Kandidaten wählen, die sie für fähig dazu halten", sagt der scheidende Bürgermeister.

Das Manko des Stadtrates, nicht oder kaum noch entscheidungsfähig gewesen zu sein, habe sich vor allem auch in der Frage der Innenstadtgestaltung gezeigt. Müller bedauert, dass sich sein Favorit, ein Vollsortimenter mit Seniorenwohnen und Pflegestation im neuen Stadtpark und parallel dazu ein frei zugängliches Wupperufer, in seiner Amtszeit nicht hat realisieren lassen. Mit diesem Thema verknüpft sei auch die Zukunftsfähigkeit von Handel und Wandel in Leichlingen. Das Non plus Ultra für eine funktionierende, lebendige Infrastruktur des Einzelhandels sei ein Lebensmittel-Vollsortimenter. Ohne diesen ließen sich auch all' die anderen kleinteiligen Geschäfte in der Stadt nicht halten. Es reiche nicht, nur gestalterisch die Innenstadt zukunftsfähig zu machen: "Es muss sich auch das Verhalten ändern. Solange die Hälfte der Kaufkraft aus Leichlingen abwandert und die Eigentümer der Flächen durch zu hohe Mieten die Geschäftsbesitzer dazu bringen, an die Peripherie zu ziehen, stimmt da etwas nicht." Und Müller appelliert: "Wir sollten Leichlingen nicht immer so schlecht reden."

(RP)