Thomas Jagieniak: "Schule und Ganztag müssen eins werden"

Thomas Jagieniak : "Schule und Ganztag müssen eins werden"

Der Unternehmensberater aus Reusrath ist stellvertretender Vorsitzender der neu belebten Stadtschulpflegschaft in Langenfeld.

Wie ist es dazu gekommen, dass Langenfeld wieder eine Stadtschulpflegschaft hat?

Jagieniak Ich habe als Schulpflegschaftsvorsitzender der Peter-Härtling-Patenschaftsschule die Diskussion um den Offenen Ganztag in der Stadt verfolgt. Und das ganze Hin und Her mit den Abholzeiten. Über meine Mitarbeit in der Landeselternschaft habe ich dann gesehen, welche Möglichkeiten es gibt. Mit meinem neuen Wissen habe ich mich dann an die Stadt gewandt - meine Einwände wurden aber nicht akzeptiert.

Was wollten Sie erreichen?

Jagieniak Zum Beispiel, dass Kinder auch ohne Attest bei entsprechenden Veranstaltungen früher aus der Ganztagsbetreuung abgeholt werden können. Über eine Anfrage an das Schulministerium habe ich erreicht, dass die Schulleitungen über die Ausnahmeregelungen informiert wurden. Dazu gehört, dass Kinder abgeholt werden können, wenn sie etwa Reitstunden oder privaten Musikunterricht haben. Die Befürchtung, dass die Stadt hohe Summen zurückzahlen muss, wenn Kinder den Offenen Ganztag nicht bis zum Schluss besuchen, habe ich auf Landesebene nicht bestätigt gefunden. Seit Beginn der OGS mussten landesweit nur für ein Kind Unterstützungsbeiträge zurückgezahlt werden.

Das haben Sie nun auf Umwegen erreicht. Wie haben Sie den Dreh zur Stadt Langenfeld bekommen?

Jagieniak Nach dieser Erfahrung habe ich die Schulpflegschaftsvorsitzenden der Grundschulen angeschrieben und zu einem Eltern-Stammtisch eingeladen, damit in Langenfeld ein besserer Austausch entsteht. Die Resonanz war groß. Neun Grundschulen waren dabei. Damals wurde im Schulausschuss gerade der Arbeitskreis zur Erarbeitung von Zielen für die Raumbedarfsplanung im Offenen Ganztag gegründet und wir als Eltern wollten gerne dabei mitwirken. Eine direkte Mitwirkung wurde uns dann aber nicht ermöglicht. Das war der Zeitpunkt, an dem uns klar wurde, wir müssen uns organisieren, um mehr Gewicht zu bekommen, und wir haben die Stadtschulpflegschaft wiederbelebt. Als eine der ersten Aktionen haben wir ein Positionspapier zur Raumsituation abgegeben. Übrigens: Eine Satzung habe ich in alten Unterlagen gefunden. Die haben wir übernommen. Der erste und einzige Stadtschulpflegschaftsvorsitzende war Thomas Fournier, der heute die katholische Bücherei in Wiescheid betreut.

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Welche Rechte haben Sie denn jetzt als Langenfelder Stadtschulpflegschaft?

Jagieniak Eigentlich keine. Wir können uns durch Gespräche und Präsenz Gehör verschaffen. Wir sind kein Verein, haben kein Geld und übernehmen rechtlich betrachtet keine Haftung. Wir sind lediglich Sprachrohr für Eltern und Kinder. Unser Vorstand besteht aus drei Personen: Vorsitzender ist Lars Grabbe, Schriftführerin Ulrike Winter. Wenn wir auch keine Rechte haben, spüren wir unsere Bedeutung. Selbst wenn wir nicht Teil der bestehenden städtischen Arbeitskreise werden können, informiert uns die Stadt nun regelmäßig.

Was sind in diesem neuen Gremium Ihre Ziele?

Jagieniak Wir wollen die Situation der Kinder an Schulen und im Offenen Ganztag verbessern. Die Sicht von Eltern und Schülern kann jetzt besser transportiert werden. Schule und Betreuung müssen besser zusammenwachsen, sie müssen eins werden.

Was macht für Sie ein guter Ganztag aus?

jagieniak Die soziale Bildung in Teams und Gruppen, die Lernzeit, in der auch die Hausaufgaben gemacht werden. Der Wechsel zwischen Bewegung und Entspannung sowie natürlich ein gutes Essen.

Wie schätzen Sie persönlich bei diesem Thema die Situation in Langenfeld insgesamt ein?

jagieniak Im Vergleich zu anderen Städten des Landes ist Langenfeld gut aufgestellt, was den Ganztag angeht. Aber vieles geht nicht schnell genug. Auch wenn es hier eine konservativ-traditionelle Klientel gibt, kann man nicht darüber hinwegsehen, dass beide Elternteile arbeiten müssen, wenn sie etwa in Langenfeld ein Haus kaufen wollen.

Was müsste sich im Offenen Ganztag und im Schulbetrieb ändern?

jagieniak Es muss leiser werden im Ganztag. Mehr Ruhe- und Entspannungsräume müssen her. Kinder brauchen Pausen. Darüber hinaus ist die Digitalisierung ein wichtiges Thema. Da müsste die Stadt mal Geld in die Hand nehmen, um die Klassen mit Tablets auszustatten und intelligente Beamer anzuschaffen. Die Anschaffung könnte aus zu erwartenden Mitteln der Bildungsoffensive des Landes und des Bundes erfolgen. Die Stadt wird allerdings dauerhaft nicht unerhebliche Mittel für die Betreuung und Wartung der Hardware und der Systeme bereitstellen müssen. Außerdem könnte der Übergang von der Kita zur Grundschule besser unterstützt werden seitens der Schulen. Das gilt ähnlich für den Wechsel zur weiterführenden Schule. Außerdem müsste das Thema Inklusion weitergeführt werden.

Reicht da eigentlich eine Stadtschulpflegschaft nur für die Grundschulen aus?

Jagieniak Nein. Wir werden uns ausdehnen. Wir haben mittlerweile die Zusage der Schulpflegschaftsvorsitzenden von Konrad-Adenauer-Gymnasium, Prisma- und Kopernikus-Schule sich in eine Stadtelternschaft einzubringen. Im nächsten Schuljahr wird Langenfeld eine Stadtschulpflegschaft haben, in der alle Schulformen vertreten sind und die Themen werden noch vielfältiger sein.

HEIKE SCHOOG STELLTE DIE FRAGEN

(RP)