Zugabe Unser Senf Zum Wochenende: Quälen Sie sich ruhig

Zugabe Unser Senf Zum Wochenende : Quälen Sie sich ruhig

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Aber wer will sich schon quälen? Doch jetzt bin ich vor die Wahl gestellt. Das fordert die Demokratie. In diesem Fall habe ich wohl keine Wahl. Also quäle ich mich, durch Wahlprogramme, Wahlsendungen und an Wahlständen. Selten ist es mir so schwer gefallen, mich für eine Partei zu entscheiden. Dabei ist die Auswahl nicht größer als sonst. Nur irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass die Unterschiede nicht so groß sind. Und ob ich eine gute Wahl getroffen habe, weiß ich sowieso erst hinterher. Wenn sie schlecht war, würde ich es zugeben, auch wenn ich nicht muss. Die Wahl ist ja geheim. Aber wenn ich schlecht gewählt habe, stehe ich dazu. Ob die Politiker nach der Wahl auch zu ihren Aussagen stehen, kann man als Wähler ja nicht vorher wissen, . . . - auch wenn es Erfahrungswerte gibt.

Doch Entscheidungen müssen her, nicht nur morgen zur Wahl, vorher und nachher, überall, sind sie gefragt, die Entscheidungen. Doch manchmal hat man eben das Gefühl, man hat nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Alternativlos eben. Daneben gibt es jetzt ja auch "Aldinativlos". Da gibt es den Hinweis, dass gute Politiker immer den richtigen Riecher haben. Ja was soll das denn. Wählt man jetzt mit der Nase oder in der Aldi-Bildsprache mit der Möhre? Die Plakate in den Filialen beschwören Salat statt Bürokrat, und: Bürokratie abbauen, Obst anbauen. Und: "Wählt mich, ich bin keine Gurke." Echt frisch. Nehme ich jetzt die Konterfeis auf den Plakaten hinzu, die an den Straßen zu sehen sind, und weniger Frische verströmen, dann frage ich Sie: Wissen Sie jetzt, was Sie wählen? Oder quälen Sie sich noch?

(RP)