Langenfeld: Frank Schneider schreibt zornigen Brief an Sven Lucht nach dessen Kritik, das Rathaus lasse Laden-Inhaber hängen

Langenfeld : Bürgermeister watscht Laden-Inhaber ab

Nach einem RP-Bericht über Leerstände im Langenfelder Einzelhandel kritisierte Sven Lucht das Rathaus. Jetzt folgt die Replik.

Gar nicht gut zu sprechen ist Bürgermeister Frank Schneider auf den Obst- und Gemüsehändler Sven Lucht. Der Inhaber des Bioladens „Rheinkiesel“ an der Solinger Straße hatte nach einem Bericht unserer Zeitung über die aktuell hohe Zahl von Leerständen in der City Versäumnisse der Stadtverantwortlichen beklagt. Energisch wies Schneider in einem der Redaktion vorliegenden Schreiben an Lucht dessen Kritik zurück, das Rathaus lasse den inhabergeführten Einzelhandel hängen und habe durch die Abschaffung der gebührenfreien ersten Stunde in allen Parkhäusern für viele Läden einen Sargnagel eingeschlagen.

Nach Schneiders Ansicht gehen Luchts Aussagen „völlig an der Realität vorbei“. Das gebührenfreie Parken sei von Anfang an als Anschubfinanzierung für die ums Jahr 2000 neu gestaltete City gedacht gewesen. Der Wegfall der zuletzt mit jährlich fast 700.000 Euro bezuschussten Gratisstunde sei „bei den meisten Händlern und erst recht bei den Kunden“ längst kein Thema mehr. Der Umstieg auf 50 Cent pro Stunde habe nachweislich für keine „ernsthaft spürbaren Umsatzeinbrüche beim Langenfelder Einzelhandel gesorgt“, so Schneider. Weil der Einzelhandel eine Kostenbeteiligung ablehnte, habe das Rathaus im Sinne der Kunden den so genannten Stadtschlüssel entwickelt, der bei Einkäufen Parkgebühren vergünstigt.

Insbesondere hält der Bürgermeister Lucht vor, dass dieser als Ortssprecher des Rheinischen Einzelhandelsverbands öffentlich Kritik geübt habe. „Das stimmt nicht“, betonte Lucht im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich habe mich als Händler geäußert und habe nach fast 20 Jahren als Ladeninhaber an der Solinger Straße genügend Erfahrung und Kompetenz, dies zu tun.“

Nach eigenem Bekunden hört der Sprecher der Händlergemeinschaft Solinger Straße von anderen Ladeninhabern immer wieder, dass sie unzufrieden seien. Ein Beispiel von vielen sei etwa der gammelige Anblick des seit Jahren leerstehenden ehemaligen Stoffgeschäfts neben der Stadtgalerie. „Das kann man doch nicht über einen so langen Zeitraum einfach so hinnehmen. Man muss den Leerstand wenigstens geschickt kaschieren.“

Bürgermeister Schneider verweist indes auf etliche städtische Ausgaben und Initiativen zur Stärkung der Innenstadt. Neben der Initiative „Future City“ für eine zukunftsträchtige Digitalisierung der Langenfelder Geschäfte gehöre dazu auch die bevorstehende Umgestaltung des Konrad-Adenauer-Platzes und der Solinger Straße zwischen Rathaus und Fußgängerzone im kommenden Jahr.

Die letztgenannten Vorhaben lobt auch Lucht, „auch wenn die Bauzeit Einschränkungen mit sich bringt“. Zugleich widerspricht er energisch dem Vorwurf Schneiders, der ihm bezüglich der Future-City-Initiative eine Verweigerungshaltung vorgeworfen hatte und ihn deshalb nicht mehr als „neutralen Ansprechpartner des Rheinischen Einzelhandelsverbands“ betrachte. „Ich mache dann mit, wenn es in meine Abläufe passt“.

Mehr von RP ONLINE