Niklas und Marcel Schubert aus Hückelhoven fahren Motocross-Rennen

Motocross : Geboren mit Benzin im Blut

Bei Familie Schubert hat das Motocross-Fahren Tradition. Inzwischen fährt auch der 14-jährige Niklas mit Papa Marcel im ADAC Nordrhein MX-Cup.

Eigentlich hatte Marcel Schubert mit dem Thema Motocross längst abgeschlossen. In seiner Jugendzeit und als junger Erwachsener war er ein erfolgreicher Fahrer, holte Titel und Pokale und setzte damit die Familientradition seines Onkels und Vaters fort. Als Vierjähriger fuhr er sein erstes Rennen in Erkelenz, danach war das Motocross-Fahren sein Leben. Doch als sein Sohn Niklas geboren wurde, hängte er Stiefel und Helm an den Nagel, verkaufte seine Rennmaschine und kehrte dem Motocross-Zirkus den Rücken. Das gehört aber der Vergangenheit an: Seit 2014 ist Marcel Schubert wieder mitten im Geschäft und hat seinen Sohn gleich mitgebracht. „Er lag uns schon länger in den Ohren, dass er auch fahren will“, erinnert sich der 35-Jährige, „erst haben wir es immer wieder hinausgezögert, mittlerweile ist es aber wieder zu unserem Lebensmittelpunkt geworden.“

Wochenende für Wochenende sind Marcel und Niklas Schubert mit ihrem selbst umgebauten weißen Sprinter unterwegs, fahren mit Mama Yvi von Training zu Training oder Rennen zu Rennen. An diesem Wochenende endet die Sommerpause des ADAC Nordrhein MX-Cups, in dem das Schubert-Duo um Punkte und Titel kämpft. Und obwohl Papa Schubert seinem Sohn ein „größeres Talent“ zuspricht als sich selbst, ist es noch der 35-Jährige, der auf den Rennpisten über Stock und Stein den Ton angibt. Nach acht von zwölf Rennen hat der Hückelhovener als Vierter in der Gesamtwertung immer noch sehr gute Karten auf den Gesamtsieg in der Leistungsklasse III, stand abgesehen von drei Rennen immer auf dem Podest. Deshalb steht auch schon jetzt fest, dass er in der kommenden Saison eine Klasse höher fahren wird, er den Aufstieg in die Leistungsklasse II geschafft hat.

Sohn Niklas ist davon noch ein ganzes Stück entfernt, aber der 14-Jährige macht von Rennen zu Rennen Fortschritte, erkämpfte sich sogar schon mehrfach Startplätze im A-Finale der Leistungsklasse III, in der er mit Abstand der jüngste Fahrer ist. Wie ernst es dem 14-Jährigen, der seit gut drei Jahren Rennen fährt, mit seinem Hobby ist, sieht man nicht nur daran, dass er mit seinem Vater so viel Zeit wie möglich auf der Rennmaschine verbringt, Rennen fährt und an Fahrertrainings teilnimmt, jeden Tag stehen zudem mindestens zwei Stunden Fitnesstraining auf dem Programm, um die Kraftausdauer zu verbessern. Und auch sonst ist im Hause Schubert alles aufs Motocross-Fahren ausgerichtet, im Wohnzimmer zieren Pokale eine Vitrine, in Niklas Zimmer stapeln sich Motocross-Zeitschriften und an den Wänden hängen Poster mit Unterschriften der großen Idole. „Der Zug, um Profi zu werden, ist für Niklas allerdings schon fast abgefahren“, sagt Papa Marcel.

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Das ändert für den Sohnemann aber nichts an der Faszination, die der Sport auf ihn ausübt: „Es sind das Adrenalin und die Geschwindigkeit, die mich reizen“, sagt Niklas Schubert, der als Kind auch Fußball und Badminton ausprobiert hat, ehe es ihn zum Motocross zog. „Wir hatten zur Bedingung gemacht, dass er drei Einser mit nach Hause bringt, am Ende waren es fünf“, sagt sein Vater mit einem breiten Grinsen. Seitdem ist Familie Schubert während der Saison von März bis Oktober ständig auf Achse. Freitags steht die Anreise auf dem Plan, Samstagmorgen die Anmeldung im Rennbüro, die technische Abnahme der Maschinen und der Ausrüstung und später dann das Freie Training, das Qualifying und die Rennen der Jugend und der Veteranen, am Sonntag folgt das gleiche Prozedere für die Leistungsklasse III, in der bis zu 120 Fahrer an den Start gehen und im A- und B-Finale die Sieger ausfahren.

Am Wochenende geht es auf den Motocross-Kurs in Weilerswist, ein im Vergleich eher wenig anspruchsvoller Kurs mit einigen Kurven und Sprüngen. „Auf den großen Pisten können die Sprünge schon mal bis zu 40 Meter weit gehen“, sagt Marcel Schubert. Angst um seinen Sohn hat der 35-Jährige aber nicht: „Das ist ungefährlicher als Fußballspielen, schließlich haben wir eine komplette Schutzausrüstung an.“ Und zu der gehören neben Helm, Stiefeln, Handschuhen, Brille und Hose auch Knieschoner, Nackenpolster, ein Brustpanzer und ein Rückenprotektor. Kein Wunder also, dass das Hobby eine ziemlich kostspielige Angelegenheit für Familie Schubert ist. Rund 30.000 Euro pro Saison gehen für das Motocross-Fahren drauf, zumal nach jeder Saison zwei neue Maschinen her müssen. „Nach einer Saison sind eben die Maschinen alt und gebraucht“, sagt Marcel Schubert, „auch deshalb lohnt es sich im Vorderfeld zu landen, denn als Preise gibt es schon mal Gutscheine für Reifen, Kettenspray oder für eine Inspektion.“ Zudem haben die Schuberts mit Twenty Racing Suspension aus Kleve einen Sponsor, der dem Duo unter die Arme greift, und tatkräftige Unterstützung durch ihren Mechaniker-Freunde Patrick Ames. „Der reist uns überall hinterher, egal ob es zehn oder 100 Kilometer bis zum Rennen sind“, sagt Yvi Schubert, „ohne ihn wüsste ich manchmal nicht, wie wir alles auf die Kette bekommen würden.“ Dennoch sind die Hückelhovener noch auf der Suche nach weiteren Unterstützern.

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