Marc Blondin und Britta Oellers: "Kritischer als K3 ist die AfD"

Marc Blondin und Britta Oellers: "Kritischer als K3 ist die AfD"

Erstmals nach der verlorenen Oberbürgermeisterwahl spricht die CDU-Spitze über ein Comeback von Peter Vermeulen, über das Verhältnis zu Frank Meyer, über den Konservativen Kreis Krefeld (K 3) und die Strategie in den Wahlen 2017.

Beginnen wir mit einer Frage zu einer aktuellen Nachricht. Der frühere Oberbürgermeisterkandidat Peter Vermeulen ist zum Vorsitzenden der Krefelder CDU-Mittelstandsvereinigung gewählt worden. Steht er vor einem politischen Comeback in Krefeld?

Blondin Peter Vermeulen musste sich nach der verlorenen OB-Wahl natürlich erst einmal sortieren, aber er hat immer Interesse daran gezeigt, sich in Krefeld einzubringen. Ich denke, er wird für frischen Wind in der Mittelstandsvereinigung sorgen und dort Akzente setzen. Es ist aber nicht sein Ziel, einen zweiten Anlauf als OB-Kandidat zu nehmen.

Gibt es einen Fahrplan, eine Strategie für den Aufbau eines neuen Oberbürgermeisterkandidaten?

Blondin Wir haben aus der jüngsten Oberbürgermeisterwahl gelernt, dass es Zeit braucht, einen Kandidaten aufzubauen. Diese Zeit hatte Peter Vermeulen nicht, da wir nach dem Rückzug von Gregor Kathstede nur ein Jahr Zeit hatten. Das wollen wir 2020 anders machen. Wir werden rechtzeitig vor der Wahl eine Entscheidung treffen. Zunächst aber gilt es, die Landtags- und die Bundestagswahlen zu bestreiten.

Britta Oellers, Ratsmitglied, als Fraktionsvize zurzeit faktisch Fraktionschefin in Vertretung für den erkrankten Philibert Reuters, Landtagskandidatin: "Wir stehen für die Partei und müssen auch persönlich überzeugen; die AfD kann davon absehen. Köpfe sind dort uninteressant." Foto: T.L.

Gibt es eine Grundsatzentscheidung, einen externen Fachmann oder jemanden aus der Mitte der Partei oder der Fraktion aufzubauen?

Blondin Nein.

Haben Sie beide für den Landtagswahlkampf eine Strategie festgezurrt?

Oellers Wir haben vier Bausteine, auf die wir setzen: Innere Sicherheit, Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur.

Wird es Arbeitsteilung, eine Aufteilung der Themen zwischen Ihnen beiden geben?

Oellers Ich kenne mich bei einzelnen Themen wie beispielsweise dem Thema Bildung sicherlich besser aus, aber es wird keine Aufteilung geben. Die Themen sind in beiden Wahlkreisen präsent, insofern werden wir auch alle ansprechen.

Auf welchen Listenplätzen stehen Sie?

Blondin Wir stehen auf den Plätzen 60 und 76, das heißt, wir müssen die Wahlkreise direkt holen. Das ist bei neuen Kandidaten üblich.

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Befürchten Sie, dass der Konservative Kreis Krefeld Sie Stimmen kosten könnte?

Oellers Der Konservative Kreis ist sicher nicht förderlich für unsere Arbeit, aber als kritischer sehen wir die AfD an. Das ist im Übrigen nicht nur ein Problem der CDU; auch die SPD und die Linke verlieren Stimmen an die AfD.

Obwohl die AfD in Krefeld praktisch keine Rolle spielt. Es gibt hier kein Gesicht der AfD.

Oellers AfD-Wähler wählen ja auch keine Köpfe, sondern einzelne Themen oder besser: den Protest. Wir stehen für die Partei und müssen auch persönlich überzeugen; die AfD kann davon absehen. Köpfe sind dort uninteressant, es wird einfach AfD gewählt. Themen und Personen sind nicht so wichtig. Die AfD in Krefeld hat sich ja nach der Kommunalwahl im Rat selbst zerlegt. Auch daran sieht man, dass Köpfe für den Erfolg der Partei nicht so wichtig sind.

Überregional ist zu lesen, dass Kanzlerin Merkel und die Partei fremdeln. Schlägt so etwas durch auf den Landtagswahlkampf und die Motivation der Basis mitzumachen?

Blondin Nein; ich sehe da keine Problematik. Die Beschlüsse auf dem Parteitag haben ja auch gezeigt, dass man sich ein konservativeres Profil geben kann. Und es ist doch klar, dass man solche Beschlüsse in einer Koalition nicht eins zu eins umsetzen kann. Aber für das Profil einer Partei zählen die Beschlüsse des Parteitages.

Im Rat arbeiten CDU und SPD in zentralen Fragen wie dem Haushalt zusammen. Erschwert das das Umschalten auf Angriff im Landtagswahlkampf?

Blondin Nein. Auf Landesebene sind die Unterschiede zwischen CDU und SPD sowie den Grünen viel größer als auf kommunaler Ebene. In Krefeld ist unser großes Ziel, den Haushalt auszugleichen, und da muss man auch mal in der Lage sein, kommunal zusammenzuarbeiten. Das heißt nicht, dass das auf Dauer so sein muss und wir immer auf Schmusekurs mit der SPD fahren, aber an dieser Stelle war die Zusammenarbeit geboten. Auf Landesebene sieht das ganz anders aus; die Unterschiede zu SPD und Grünen sind viel grundsätzlicher.

Bislang gibt es auch keine heftigen Angriffe auf den SPD-Oberbürgermeister Frank Meyer. Schonen Sie ihn?

Blondin Nein. Und es ist nicht so, dass ich mich als CDU-Mann nicht darüber ärgere, dass er jetzt von Dingen profitiert, die unter Gregor Kathstede begonnen wurden, wenn ich an die Sanierung des Kaiser-Wilhelm-Museums denke. Oellers Zudem ist auffällig, dass Herr Meyer sich bei bestimmten Themen vornehm zurückhält; so etwa bei der Frage der Verkehrsführung vor dem Kaiser-Wilhelm-Museum. Gregor Kathstede hat im Gegensatz dazu immer klar Position bezogen. Herr Meyer schickt, wenn es heikel wird, gerne seine Dezernenten vor. Unabhängig von der Person von Frank Meyer; es ist ja nicht so, dass wir im Wahlkampf persönlich werden; wir werden auf Landesebene Sachthemen spielen. Blondin Das gilt für mich auch. Ich kenne und schätze die SPD-Kandidatin seit Jahren. Dennoch werde ich versuchen, ihr den Wahlkreis abzujagen. Für mich wird der Fokus im Wahlkampf auf dem Thema Innere Sicherheit liegen. Die SPD hat hier in der letzten Zeit im Landtag viele CDU-Anträge übernommen und bewegt sich jetzt endlich in eine Richtung, für die wir uns im Land schon lange einsetzen.

JENS VOSS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
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