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Korschenbroich: Sempell wieder Jobmotor

Korschenbroich : Sempell wieder Jobmotor

Bei der Korschenbroicher AG ging 2001 die Angst vor dem Firmenende um. Die Ziele heute: Umsatz auf 300 Millionen Euro verdreifachen, zehn Millionen Euro investieren, von 440 Mitarbeitern auf 850 zulegen.

Bei der Sempell AG hat sich der Wind gedreht. Gewiss wirkt dieses Bild ein wenig schief, wenn man Dr. Achim Trasser (50), Kraftwerksmann und Sempell-Vorstand, Sätze sagen hört wie diesen: „Ich misstraue der Windkraft.“ Der Richtungswechsel aber stellt sich in der Tat gravierend dar: Drohten 2001 noch Massenentlassungen bis hin zur Abwicklung, sucht Sempell nun händeringend Personal, vor allem Ingenieure, Konstrukteure und Maschinenbediener. Geht die Rechnung auf, dann hat Sempell 2015 wieder so viele Mitarbeiter wie zur Top-Zeit in den achtziger Jahren: nämlich mehr als 800.

Wahnsinniger Auftragseingang

Ein Blick ins Auftragsbuch 2008: schon gut gefüllt bis 2012; beteiligt am Kraftwerksneubau in Grevenbroich-Neurath (15 Millionen Euro); erster Auftrag in Süd-Korea (vier Millionen Euro); zwölf Kraftwerke in Südafrika in Aussicht; wachsende Absätze in England, Frankreich, Finnland, etc. „Seit 2004 haben wir einen wahnsinnigen Auftragseingang. Es werden extrem viele Kraftwerke gebaut“, sagt der promovierte Maschinenbauer.

Ein Blick ins Auftragsbuch 2001: Wegen der Liberalisierung des Strommarktes investieren die Kraftwerksbetreiber nicht. Sempells US-Konzernmutter Tyco verlegt Teile der Produktion nach Frankreich und Italien. Tyco will die Korschenbroicher Belegschaft von fast 600 auf 210 schrumpfen. Am Ende bleiben es 340. Derzeit arbeiten 440 Leute an der Werner-von-Siemens-Straße am Bahndamm. „Viele, von denen wir uns damals getrennt haben, kehren jetzt zu uns zurück. Das zeigt, dass wir doch ein guter Arbeitgeber sein müssen“, meint Vorstand Achim Trasser.

Für Tyco hat sich Sempell vom Sorgenkind zum Klassenprimus entwickelt. Laut Trasser investieren die Amerikaner in Europa nur in drei ihrer 18 Werke: zweimal Italien, einmal Korschenbroich.

Bis Ende 2009 sollen zehn Millionen Euro fließen, um unter anderem die Belegschaft auf 520 aufzustocken. Die Gegenleistung: Jahresumsatz von 100 Millionen auf 150 Millionen Euro steigern. Tyco-Soll bis 2015: 300 Millionen Euro Umsatz mit 800 bis 850 Mitarbeitern, wie Trasser schätzt. Für 2012 kündigt er eine neue Produktionshalle an, 15 000 Quadratmeter groß.

So gut es für Sempell also weltweit läuft, so kritisch schaut sich Achim Trasser in Korschenbroich um – nach der städtischen Wirtschaftsförderung. „Es gibt keinen Kontakt, und das vermisse ich schon“, sagt der Vorstand. „Wir zahlen hier wahrscheinlich die meiste Gewerbesteuer. Manchmal frage ich mich, wofür?“

(RP)