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Kleve: König Ödipus in Kleve

Kleve : König Ödipus in Kleve

Das A.gon-Theater München überzeugte mit seiner Inszenierung des antiken Dramas auf der Bühne der Stadthalle.

Die Bühne antik: Eine karge sandfarbene Tempel- oder Palastwand mit großem Tor in der Mitte, staubiger Teppich, Feuerschalen vor der Tür. Der Chor im dünnen weißen Hemdchen, darüber beigefarbene Trenchcoats, erzählt von der Heimsuchung der Stadt durch die Pest, betet mantramäßig zu den Göttern.

König Ödipus wiederum erscheint zunächst als moderner Staatsmann mit Anzug und Schärpe und - ganz moderner Polit-Grieche - offenem Hemd. Ein hagerer Mann mit stoppelkurzem Varoufakis-Haarschnitt, der sich locker ans Volk wendet. Später will er aber angesichts der Vorwürfe, die der Seher Teiresias gegen ihn erhebt, die Wahrheit nicht sehen. Ödipus ist nicht Staatsmann, er ist antiker Herrscher über Theben. Er ist der Retter, den das Volk anbetet. Er ist aber zugleich derjenige, der Verderben in die Stadt trägt, weil er seinen Vater erschlug und seine Mutter schwängerte. Getrieben vom Fluch der Götter, nicht wissend, was er tat, als er einen alten Mann an einer Kreuzung tötete, die Stadt von der Sphinx befreite und Iokaste, die Königin, seine Mutter, ehelichte. Iokaste hatte ihn einst als Jungen ausgesetzt, weil ihr prophezeit worden war, dass Ödipus seinen Vater erschlage und ihr "beiliegen" werde. Doch der Hirte gab das Kind weiter, Ödipus wuchs in Korinth auf und floh von dort, als ihm das Orakel die Prophezeiung offenbarte. Mit der Flucht vor dem Orakel sollte er die Bestimmung einlösen. Erst am Ende, als er sich angesichts des Suizids seiner Mutter-Frau geblendet hat, wird er sehend, erkennt seine Hybris, seinen Übermut.

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Das A.gon-Theater München brachte das griechische Drama in einer wunderbar klaren Inszenierung des antiken Stoffes auf die Klever Bühne. Regisseur Stefan Zimmermann offenbarte den unvermeidlichen Untergang des Herrschers in sachlichen Szenen, die die Balance zwischen antikem Drama und moderner Sprache, moderner Ausstattung und antikem Spiel stets halten konnte. Eine Inszenierung, die auf Abstand den Fall des Hauses Theben aufzeigte, ohne spröde zu wirken, ohne ins Pathos zu verfallen. Mit einem rundum überzeugenden Ensemble um Oliver Severin als Ödipus, Nicole Spiekermann als Iokaste und Stefan Rehberg als dem schnell nach der Macht greifenden Kreon. Gut auch der gesprochene Chor unter Leitung von Adela Florow als Bürger Thebens.

Auf knapp zwei Stunden konzentriert vermittelte die A.gon-Inszenierung kurzweilig den schweren Stoff, der zum Bildungskanon gehört. Langer Applaus für die Inszenierung, die wiederum zeigte, dass sich die Qualität des Spiels auf der Bühne der Stadthalle deutlich gebessert hat.

Beim breiten Klever Publikum ist allerdings noch nicht angekommen, dass in der Stadthalle endlich wieder ansehnliches Theater geboten wird. Man fragt sich auch, wo die Deutschlehrer und ihre Schüler waren, die hier in 120 Minuten ein Stück Bildungskanon vermittelt bekommen hätten. Eigentlich wäre das Pflichtprogramm für die Oberstufen der Klever Gymnasien gewesen. Da scheint die Verbindung zwischen Kulturamt und Theatergremien und Schulen ausbaufähig.

Stefan Zimmermann tröstete immerhin, dass es einen langen Atem brauche, um wieder Publikum ins Haus zu bekommen. Bleibt zu hoffen, dass die Stadt den langen Atem teilt und das Kulturamt mit Verve den eingeschlagenen Weg weiter beschreitet.

(RP)