Kleve: Beuys-Madonnen in Kleve und Moyand

Kleve: Beuys-Madonnen in Kleve und Moyand

Die kleine Skulptur ist ab Weihnachten wieder im Museum Kurhaus Kleve zu sehen - und sie hat eine kleine "Schwester" in Moyland.

Sie gehört zu den Ikonen der Klever Sammlung: Die kleine Madonna aus der Beuys-Sammlung des Kurhauses. Kantig ist sie, wie aus einem Klotz gehauen. Vielleicht etwas grob, auf den ersten Blick. Doch in in ihrer Massivität ist sie irgendwie ungemein fein, in ihrem Ausdruck fast zärtlich, wie sie mit gefalteten Händen so freundlich voller Liebe auf das Jesuskind herunterschaut. Auch wenn das ovale Gesicht nur in wenigen Strichen angedeutet ist, zeigt es, wie sehr die Mutter auf ihr Kind fokussiert ist. Und das wohl nicht nur als Muttergottes. Ein graublauer Mantel umfängt die ganze Figur der Madonna.

Foto: Stade Klaus-Dieter

1955 schuf Joseph Beuys die hölzerne Figur, die nun wieder in den Vitrinen des Museums Kurhaus Kleve steht. 1991 kam sie mit Hilfe des Landes NRW, der Kunststiftung NRW, der Stadt und einer privaten Spende in die Klever Sammlung und ist inzwischen beliebtes Postkartenmotiv. Jetzt ist sie endlich wieder "in echt" zu sehen: nach konservatorischen Maßnahmen ist zu Weihnachten der Joseph-Beuys-Westflügel des Hauses wieder zugänglich. In den Tagen vor dem Fest haben die Museumstechniker um Wilhelm Dückerhoff und Norbert van Appeldorn die Werke gehängt und in die Vitrinen gestellt. "Die kleine Madonna passt wunderbar in die Weihnachtszeit", sagt Kleves Museumsdirektor Harald Kunde. Überhaupt lohne der Weg in die neue Einrichtung. "Man wird vieles neu entdecken, neu erleben können - wir freuen uns, die neue Einrichtung gerade rechtzeitig zum Fest wieder präsentieren zu können", so der Klever Museumsdirektor.

Die Klever Madonna hat Beuys aus einem Stück Holz geschnitzt, sie ist ungefähr 20 Zentimeter groß, knapp 18 Zentimeter breit und 12 Zentimeter tief und gehört in eine Krippe. Joseph und das Jesuskind schuf der Bildhauer Herbert Belau, ein Mataré-Schüler wie Beuys. Die Madonna aus Kleve ist um 1955 datiert und steht damit am Beginn jener Zeit, in der sich Beuys von seinem Freundeskreis zurückzog und dann Ende der 1950er Jahre das Atelier im Klever Kurhaus anmietete. Damit steht die Madonna an einem Wendepunkt in der Arbeit des Künstlers. Und sie hat eine kleine "Schwester" im Museum Schloss Moyland.

Dr. Alexander Grönert hat jetzt zusammen mit Museumsdirektorin Dr. Bettina Paust das Moyländer Pendant aus dem Depot geholt. Sie sitzt winzig in Grönerts Hand und zeigt, wie eng letztlich die Sammlungen der beiden Häuser verflochten sind. Beide Figuren zeigen, dass es sich lohnt, die Spur Beuys' in beiden Häuser zusammen zu erleben.

  • Kleves Zukunft : Stabile Lösung für Schloss Moyland

Die kleine Madonna soll demnächst in Moyland zu sehen sein. Diese Moyländer Madonna hält Grönert unten im Depot des Schlosses in den Händen. Sie ist gerade mal sechs mal sieben mal vier Zentimeter groß und leuchtet in einem tollen, frischen Blau. Die Haltung und die Kantigkeit der Figur gleichen der Klever Madonna, allerdings glaubt man hier, mehr Figur, Beine und Körper zu erkennen. Im großen Klever Bestandskatalog "Mein Rasierspiegel" verweist Kleves Museumsdirektor a. D. Guido de Werd auf eine Figur in der Sammlung van der Grinten als Entwurf für die größere Klever Madonna. Sie war bis jetzt nur 1985 in Aachen und Anfangs in Moyland zu sehen, wo sie aber in der Masse der Arbeiten unterging.

"Es ist ein ungewöhnliches Werk, nimmt man es in die Hand, ist es, als greife man hinein, als habe Beuys die Figur dafür gemacht, sie in die Hand zu nehmen", sagt der Moyländer Kurator mit Blick auf die Figur in seiner mit einem Baumwollhandschuh bewehrten Hand. Sie weise noch in die Zeit des Künstlers zurück, als Beuys sich intensiv mit der christlichen Ikonographie auseinander setzte und stark darin verfangen war, erklärt Grönert. Damals entstanden die geschwungenen Kreuze, die in der Moyländer Skulpturen-Abteilung zu sehen sind oder das große Kreuz am Büdericher Mahnmal, das im Sommer in Klever zu sehen war.

Habe man die winzige Madonna im Griff , habe man das Gefühl, dass die menschliche Energie, das Geistige, worauf Beuys später immer wieder verweisen sollte, über die Hand in diese plastische Arbeit hineinfließt, sagt Grönert. "Es ist, als arbeitet sich das Geistige durch die Hand in die Form", erklärt er den Beuys. Das verweise dann wieder auf die späteren Jahre, als Beuys mit Fett und Ton arbeitete und seine Energie-Werke machte.

Für Grönert ist die kleine Figur eine "kleine Entdeckung", weil sie bis jetzt nur ganz selten zu sehen war und im Depot schlummerte. "Ein durchaus ungewöhnliches Werk", sinniert er. Es soll in Moyland bald die Klever Ikone ergänzen.

(RP)
Mehr von RP ONLINE