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Kleves Zukunft: Stabile Lösung für Schloss Moyland

Kleves Zukunft : Stabile Lösung für Schloss Moyland

Gespräch mit den Landespolitikern Lorenz Deutsch, Sprecher für Kulturpolitik der FDP-Landtagsfraktion, und Stephan haupt (FDP-MdL für den Kreis Kleve, über Kulturpolitik, Museum Kurhaus und die Zukunft in Moyland.

Lorenz Deutsch sitzt in der Sonne auf den Boulevard-Stühlchen der Café-Terrasse. Den Blick auf die Parks gerichtet, im Rücken die Tupfen des großen Minimalisten Niele Toroni, die dieser zur Erinnerung an eine Ausstellung im Klever Kurhaus in eine Nische und um ein kleines Fenster in der Museumsfassade gesetzt hat, darüber der hohe Himmel des Niederrheins, ausnahmsweise in tiefes Blau getaucht. Deutsch ist der Sprecher für Kulturpolitik der FDP-Fraktion im Landtag und besucht derzeit die Kultureinrichtungen im Land.

Ihm gegenüber Stephan Haupt, Landtagsabgeordneter der Kreis Klever Freidemokraten, der nicht nur für seine Heimat Niederrhein werben möchte, sondern als Mitglied im Vorstand des Fördervereins von Museum Schloss Moyland auch um die Interna der wichtigen kulturellen Einrichtungen seines Wahlkreises weiß. Und um die Querelen rund ums Schloss. Die kennt auch Deutsch: "Wenn man von Moyland hört, geht es meist um diese Querelen", bestätigt der kulturpolitische Sprecher. Er sei aber überzeugt, dass die Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, Isabell Pfeiffer-Poensgen, an eine stabile, dauerhafte Lösung für Moyland arbeite, die dann auch zügig umgesetzt werde.

"Daran sind wir natürlich sehr interessiert", sagt Deutsch mit Blick auf einen radikalen Neuanfang, der nach einer möglichen Ablösung von Bettina Paust als künstlersiche Direktorin und Johannes Look als Verwaltungsdirektor, möglich sei. Und tröstet: Nicht allein Moyland mache mit Querelen von sich reden: "Auch an anderen Stellen im Land gibt es personelle Diskussionen. Es darf aber nie so weit gehen, dass die Institutionen beschädigt werden."

Die beiden FDP-Politiker sind überzeugt, dass die Ministerin mit der Neuaufstellung ein Konzept vorlegen werde, das deutlich belastbarer sein wird. "Das werden wir gegenüber allen Beteiligten auch klar vertreten", sagen Deutsch und Haupt. Denn man könne nicht immer wieder wie in der Vergangenheit das Gesamtkonzept für Museum Schloss Moyland in frage stellen, sagt Haupt. Kritik an der Museumsarbeit von Paust gab's von beiden nicht.

Deutsch ist das erste Mal im Klever Kurhaus, bewundert die gute Architektur und vor allem die tief verwurzelte Sammlung, die historisch bis ins Mittelalter reicht und eine klare Linie von Mataré bis Beuys aufzeige. "Es macht Sinn, ein solches Profil zu pflegen", sagt der Politiker nach der Besichtigung der Ausstellung "Andreas Schmitten" mit Museumsdirektor Prof. Harald Kunde, dem Dritten im Bunde hier oben auf der Café-Terrasse.

Es sei das Faszinierende an Nordrhein-Westfalen auch außerhalb der Zentren überall auf solche herausragenden Einrichtungen zu stoßen, wie das Kurhaus Kleve oder Schloss Moyland. "Es steckt viel Kultur in NRW - und wir wollen das wieder nach vorne bringen", sagt Deutsch. Man dürfe NRW nicht zentral denken, müsse immer auch auf die Regionen achten.

Kunde betonte, dass die Museumsarbeit für eine kommunale Einrichtung wie das Kurhaus ohne Unterstützung des Landes fast unmöglich wäre. "Wir sehen das aber auch als Bestätigung unserer Arbeit, wenn eine Ausstellung, wie die aktuelle von Andreas Schmitten, schließlich vom Land gefördert wird", sagt Kunde. Man stelle sich dort ja auch einer Jury, die entscheidet, ob man die Förderung bekomme oder nicht.

Inzwischen müsse man als Museum rund Zweidrittel der Kosten einer Ausstellung einwerben. Da spiele die Förderung durch das Land und die Stiftungen und nicht zuletzt des Freundeskreises eine bedeutende Rolle, erklärt der Klever Museumsdirektor. Ohne diese Reihe von Förderern wäre beispielsweise die Schmitten-Ausstellung nicht zustande gekommen. Haupt stellte den Freundeskreis in Kleve als tief verwurzelt in der Bürgerschaft vor, der das Museum mittrage und eine für Kleve enorme Mitgliederzahl habe.

Deutsch attestierte jedenfalls beiden Museen, überregional auf Augenhöhe mit anderen großen Einrichtungen in NRW zu sein. Deshalb sei es dumm, Museen mit einer Diskussion über die Besucherzahlen schlecht reden zu wollen. "Ein Museum ohne Besucher ist schlecht. Aber: Beide Museen, sowohl Kleve als vor allem auch Moyland, haben im Vergleich gute Besucherzahlen", sagt Deutsch. "Die Einnahmen über die Eintritte sind im Vergleich zum Gesamtetat letztlich ein kleiner Posten, der keine entscheidende Kennziffer sein kann", so der FDP-Sprecher für Kulturpolitik. Man müsse vielmehr fragen, was trägt das für das Profil der Region, der Kommune bei. Und das sei in der Regel viel bedeutsamer, als ein paar zahlende Besucher mehr oder weniger: "Es gibt nicht so viele Möglichkeiten, sich überregional ein positives Profil zu erarbeiten, eine gewisse Bekanntheit zu erreichen", sagt Deutsch.

"Außerdem haben Museen eine bildungspolitische Aufgabe - und hier konnten wir gerade in Kleve die Museumspädagogik erleben", sagt Haupt. Oder man sehe in Moyland, wie Museumspädagogin Nina Schulze die Besucher in die Ausstellung einbinde. "Diese Bildung kann man nicht in Besucherzahlen gegenrechnen", so der Kreis Klever Freidemokrat.

(mgr)