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Stadt Kempen: Thomaeum: Unterrichtsstunde mit einem Komponisten

Stadt Kempen : Thomaeum: Unterrichtsstunde mit einem Komponisten

"Heute habt ihr einen leibhaftigen Komponisten vor euch", so stellte David Nethen, Musiklehrer am Thomaeum, seinen Kursteilnehmern Thomas Blomenkamp vor. Durch Vermittlung der Konzertorganistin und gleichzeitigen Schulpflegschaftsvorsitzenden an diesem Kempener Gymnasium - Ute Gremmel-Geuchen - war es gelungen, den international Renommierten für einen Vormittag nach Kempen zu bitten. Der sich völlig ungezwungen und natürlich gebende Künstler wusste die rund 50 Schüler der Jahrgangsstufen zehn bis zwölf sofort zu fesseln - die Disziplin in den knapp zwei Stunden war vorbildlich.

Zunächst hörten die Schüler mittels Youtube die "Barkarole", ein kurzes, sehr einprägsames Klavierwerk mit sich steigernden und wieder verebbenden Wellenbewegungen, das Blomenkamp im Jahre 1994 komponierte und dessen enorme spieltechnischen Ansprüche der Pianist Martin von der Heydt bewundernswert bewältigte. Dieser Komponist schreibt nicht verkopft, er hat keine Angst vor Tonalität, er versteht die Kunst als Kommunikation und sucht niemals die Provokation. Am liebsten ist ihm, wenn seine Werke zusammen mit großen Kompositionen aufgeführt werden.

Der 61-jährige, der aus Düsseldorf stammt, schon früh Klavier und später Kontrabass im Schulorchester spielte, begann im Alter von 14 Jahren zu komponieren "in schauderhafter Chromatik", wie er bemerkte. Bei Prof. Jürg Baur in Köln studierte Blomenkamp Komposition, bei Prof. Herbert Drechsel und Prof. David Levine in Düsseldorf Klavier. Seit 1982 arbeitet er als freischaffender Komponist, "glücklicherweise mit reichlich Aufträgen". So konnten er und seine Ehefrau, die bekannte Sopranistin Dorothee Wohlgemut, "es zu bescheidenem Wohlstand bringen" - beide gehen ihren künstlerischen Betätigungen nach und teilen sich alle anfallenden Arbeiten einschließlich der Erziehung ihrer inzwischen erwachsenen zwei Kinder. Blomenkamp setzt nicht darauf, dass ihn die Muse küsst, er arbeitet täglich mit viel Disziplin, beginnt früh am Morgen mit einer Stunde Klavierspiel und arbeitet anschließend an seinen Kompositionen "nur mit Bleistift und Radiergummi, ohne jegliche Technik und fernab vom Telefon." Die zweite Stunde des anregenden Vormittags im Thomaeum war Kompositionen von fünf jungen Damen des Musik-Leistungskurses gewidmet. Sie hatten, angeregt durch ihren Musiklehrer, ein Gedicht von Adelbert von Chamisso (das auch Blomenkamp einmal als Vorlage diente) vertont. Die beachtlichen Ergebnisse, teils für Singstimme, Klavier und/oder für begleitende Streich- beziehungsweise Holzblasinstrumente verfasst, begutachtete der Gast mit verständnisvollem Wohlwollen und auf Augenhöhe mit den jungen Tonsetzern. Das unterstrich einmal mehr die menschliche Größe von Thomas Blomenkamp, der beim Musikkurs des Thomaeum mit Sicherheit einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

(oeh)