Kamp-Lintfort: Zukunft des Pappelsees ist weiter offen

Kamp-Lintfort: Zukunft des Pappelsees ist weiter offen

Die Lineg hat gestern in der Sitzung des Umweltausschusses ihre Lösungsvorschläge für den Pappelsee vorgestellt. Die Fraktionen beantragten die Vertagung der Entscheidung. Die teuerste Variante müssten die Bürger mittragen.

Die Lineg hat ihre Hausaufgaben gemacht. In der gestrigen Sitzung des Umweltausschusses stellte sie vier mögliche Lösungen für den Pappelsee vor. Das Gewässer verlandet bekanntlich seit einigen Jahren immer mehr. Die Ursache liegt im gesunkenen Grundwasserstand und der Verschlammung durch Regenwassereinleitung. Deshalb werden Uferbereiche mehr und mehr sichtbar, die sichtbaren Wasserflächen gehen zurück. Bereits im April 2017 ging aus diesem Grund zur Wasserspiegelanhebung eine Grundwasserpumpanlage am Pappelsee in Betrieb. Doch die Förderleistung der Pumpanlage reicht laut Stadtverwaltung nicht aus, um den Wasserstand im See dauerhaft auf dem gewünschten Niveau zu halten. Die Stadt hat die vorgelegten Varianten bereits untersucht und schlägt vor, die mit 1,5 Millionen Euro kostenintensivste Lösung umzusetzen. Allerdings sollen die Bürger hier über die Niederschlagswassergebühr an den Kosten beteiligt werden. Die Gebühr würde von aktuell 75 auf 78 Cent pro Quadratmeter erhöht. Für Einfamilienhäuser bedeutet dies ein Mehr an Kosten zwischen vier bis zehn Euro im Jahr, für Mehrfamilienhäuser sind es laut Dezernent Martin Nottwoch 7,20 bis 20 Euro im Jahr.

Der Umweltausschuss folgte gestern nicht dem Verwaltungsvorschlag: "Wir werden es nicht mittragen, dass die Kosten auf die Bürger verteilt werden", sagte Franz-Josef Furth (CDU). Bernhard Kames riet, diese Variante nicht in Betracht zu ziehen: "Das Gewicht des Schlammes, der entsorgt werden muss, ist kostenentscheidend. Sie könnten sich sogar verdoppeln", betonte der Grüne. Die SPD beantragte, die Entscheidung zu vertagen. Der Pappelsee habe zwar eine Identität-stiftende Wirkung. "Wir haben aber noch keine Entscheidung getroffen", sagte Michael Hänsel. Bei der von der Verwaltung präferierten Variante würde der Wasserstand im Pappelsee auf das natürliche Grundwasserniveau absinken, das derzeit im Mittel bei 20,4 m NHN liegt. Die vorhandene Schlammschicht müsste vollständig entfernt werden, um eine größere Wassertiefe zu erzeugen. Und die Ufer müssten auf die neue Wasserstandshöhe angepasst sowie neu bepflanzt werden. Eine weitere Variante hat sich als nicht realisierbar erwiesen: Dazu wäre der Bau weiterer Bewässerungspumpanlagen nötig geworden, die den Wasserstand künstlich auf das gewünschte Niveau angehoben hätten. Eine Anfrage bei der Unteren Wasserbehörde des Kreises Wesel ergab jedoch, dass dies nicht genehmigungsfähig wäre. Bei der dritten Variante würde der Wasserstand auf Grundwasserniveau absinken. Es würden verschiedene Sumpf-, Flachwasser und einige Tiefwasserzonen entstehen. Der Pappelsee würde sich mit den Jahren in ein Sumpf- und Feuchtgebiet verwandeln. Die Ufer würden auf die neue Wasserstandshöhe angepasst und bepflanzt. Die vierte Lösungsvariante belässt im Wesentlichen den aktuellen Zustand, wobei diese Version noch eine Vertiefung des Grabens im Bereich der Insel im Anschlussbereich zum See vorsehen würde, um die Vogelinsel unzugänglich zu machen. Zusätzlich würden die Ufer auf die Wasserstandshöhe angepasst sowie die Flachwasserzonen bepflanzt. Aus dem Auskiesungssee würde ein Feuchtbiotop mit einer artenreichen Vielfalt entstehen. Bei allen Varianten übernimmt die Lineg / RAG die Kosten für die Ufergestaltung und -pflanzung.

(RP)