Kamp-Lintfort: Warnstreik bei Mayonnaise-Hersteller

Kamp-Lintfort: Warnstreik bei Mayonnaise-Hersteller

Um wieder an den NGG-Flächentarif angeschlossen zu werden, legten 35 Produktionsmitarbeiter gestern für sechs Stunden bei Gyma die Arbeit nieder. Heute geht es in eine neue Verhandlungsrunde mit der Geschäftsführung.

Sie tragen rote Westen mit dem Aufdruck "Heute Warnstreik". Mit Trillerpfeifen und dem Klatschen von Klapperhänden machen sie auf ihr Anliegen aufmerksam: Gestern haben 35 von 40 Produktionsmitarbeitern der Gyma GmbH von 10 bis 16 Uhr ihre Arbeit ruhen lassen, um vor dem Produktionsgebäude am Niepmannshof im Gewerbegebiet Süd für mehr Lohn zu kämpfen. "Ihr leistet gute Arbeit, die bezahlt werden muss", richtete Marius Niering, Sekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, am frühen Nachmittag sein Mikrofon an die Streikenden, die fast alle in dieser Gewerkschaft organisiert sind. Weil das Unternehmen nicht dem Flächentarifvertrag unterliege, erhielten die Mitarbeiter nach Nierings Angaben im Schnitt 7,26 Prozent weniger als andere. Er befürchtet, dass die Schere weiter auseinander klafft, weil der Lohn nur für die niedrigen Entgeltgruppen erhöht werden solle. Für die höheren, so die Gewerkschaft, gebe es nicht mehr als einen Ausgleich der Inflation. "Das hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun", sagt Niering.

Die Gyma Deutschland war laut NGG 2012 aus dem Flächentarifvertrag ausgestiegen, nachdem sie sich 2010 und 2011 umstrukturiert und verkleinert hatte. "Von 150 Arbeitsplätze blieben 70 übrig, davon 40 in der Produktion", erläuterte gestern Konstaninos Aivazidis als Betriebsratsvorsitzender die Entwicklung. Die Produktion sei dagegen kaum zurückgegangen. Sie liege bei 20.000 Tonnen im Jahr. Der Ausstieg aus dem Flächentarif sollte im März 2014 beendet sein. Doch dazu sei es nicht gekommen, weil das Unternehmen gedroht habe, seine deutsche Produktionsstätte zu schließen, in der es wie in seiner südfranzösischen in Sorgues bei Avignon Mayonnaise und Ketchup herstellt, um sie beispielsweise in Portionspackungen für die Fast-Food-Kette McDonald's abzufüllen. "Eine Schließung würde gar nicht funktionieren", betonte Olaf Hadrys, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender, und erklärt: "Gyma kann nur hier Großverpackungen abfüllen, zum Beispiel Fünf-Kilo-Eimer oder 1000-Liter-Container. Dazu liegt der Standort logistisch optimal. Die Wege ins Ruhrgebiet und in die Niederlande sind kurz. In den Jahren 2016 und 2017 hat das Unternehmen über zwei Millionen Euro in neue Produktions- und Abfüllanlagen in Kamp-Lintfort investiert. Das spricht gegen eine Schließung."

Die Beschäftigten seien bereit, den Betrieb voranzubringen, betonte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, der auch dem Tarifausschuss angehört. "In den vergangenen Jahren haben wir immer einen Mittelweg gefunden." Ob es diesen Mittelweg erneut gibt, zeigt sich heute. Gesellschafter Pierre Helias, der zwischen der französischen und der deutschen Produktionsstätte hin- und her pendelt, und Vertreter der Gewerkschaft NGG haben einen Gesprächstermin vereinbart. "Niemand erwartet, die sieben Prozent plus eine Lohnerhöhung zu bekommen", blickte Hadrys auf das Verhandlungsziel. "Die Schere zum Flächentarifvertrag muss auf jeden Fall kleiner werden. Ein gutes Ergebnis sichert die Fachkräfte in Kamp-Lintfort und damit den Betrieb. Fachkräfte in der Lebensmittelindustrie sind knapp am Niederrhein. Zum Beispiel sucht gerade der Fruchtsafthersteller Niederrheingold in Kapellen Personal, der seine Produktion erweitern will."

(RP)