Hückeswagen: Sturmtief "Burglind" entwurzelt Bäume

Hückeswagen: Sturmtief "Burglind" entwurzelt Bäume

Hückeswagen kam zwar glimpflich davon, trotzdem richtete der Sturm mit teils erheblichen Orkanböen an manchen Stellen gewaltige Schäden an. Gestern Mittag wurde der Radweg an der Wupperaue wegen Überflutung gesperrt.

Sturmtief "Burglind" ist seit gestern Nacht mit teils orkanartigen Böen auch über Hückeswagen hinweggefegt. Allerdings kam die Schloss-Stadt wie der gesamte oberbergische Nordkreis glimpflich davon. Während die Polizei zu zwei Einsätzen an die Beethovenstraße und nach Braßhagen gerufen wurde (im Oberbergischen Kreis gab es zwischen 5.45 Uhr und 8 Uhr 41 Einsätze wegen umgestürzter Bäume, umherfliegender Äste und acht Unfälle), hatte die Feuerwehr mehr zu tun, teilte Sprecher Morton Gerhardus mit. Insgesamt kam es zu vier Einsätzen.

"Um 6 Uhr schrillten die Meldeempfänger der Mitglieder des Löschzugs Stadt zum ersten Mal. An der Beethovenstraße hielt ein Baum dem Sturm nicht stand und stürzte auf die Fahrbahn und auf ein am Straßenrand geparktes Fahrzeug. Verletzte gab es keine", berichtete er. Dennoch war es für die Kräfte ein besonderer Einsatz, denn der Baum traf den Wagen eines Feuerwehrkameraden. "Der hatte sich bei uns gemeldet und um Hilfe gebeten", berichtete Stadtbrandinspektor Karsten Binder. Der Baum wurde mit Motorsägen entfernt.

Sturmtief "Burglind" fegt über NRW

Anschließend rückten die Kräfte an die Bevertalstraße aus, wo eine Fahrbahnüberflutung gemeldet wurde, was sich aber nicht bewahrheitete. Da weitere Zwischenfälle nicht auszuschließen waren, ordnete Binder eine Bereitschaft an: Hierbei kam es zu zwei weiteren Einsätzen an der Rader Straße (B 483) und auf der Radtrasse, wo umgestürzte Bäume entfernt werden mussten. Gegen 10.30 Uhr wurde die Bereitschaft aufgehoben. 13 Kräfte des Löschzugs Stadt waren im Einsatz.

Binder rechnete damit, dass Hückeswagen weiteren Starkregen zu erwarten hatte. Es bestehe die Warnstufe rot, sagte er. Dementsprechend gingen seine Kollegen im weiteren Verlauf des Tages auf Kontrollfahrten im Stadtgebiet.

Von nur vereinzelten Einsätzen berichtete Thomas Schneppel, stellvertretender Leiter des Bauhofes Wipperfürth-Hückeswagen. "Das hält sich alles in Grenzen", sagte er. Kurz nach Mittag sperrten seine Mitarbeiter den Radweg in der Wupperaue in Hückeswagen, weil dort das Wasser stetig anstieg und die Flächen überfluteten. "Schneeschmelze und starker Regenfall sorgen für immer mehr Wasser", sagte Binder. Das sei nicht bedrohlich, die Sperrung sollte aber jeder beachten", sagte er. In der Vergangenheit hatten sich Leute gerne einen Spaß daraus gemacht und waren auf eigene Gefahr mit dem Rad durch das Wasser gefahren. "Das sollte niemand tun, da er die Gefahren nicht einschätzen kann", warnte Binder.

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Obwohl das Sturmtief im Nordkreis nicht ganz so heftig wütete, warnt das Regionalforstamt vor dem Betreten der Wälder. "Örtlich hat es erhebliche Schäden durch Windwurf und Windbruch gegeben. Die Aufarbeitung der Schäden kann zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen", teilt der Leiter Kay Boenig mit. Der Deutsche Wetterdienst hatte für gestern im Tagesverlauf Sturmböen mit bis zu 75 Stundenkilometern (Windstärke 9) und im Bergland schwere Sturmböen bis zu 90 km/h angekündigt. Außerdem erwartete der Deutsche Wetterdienst eine Gewitterlinie, so dass lokal orkanartige Böen um 110 km/h in Kombination mit Starkregen auftreten konnten.

Das Regionalforstamt weist darauf hin, dass in den Wäldern bereits viele Bäume umgestürzt und Äste herabgefallen sind. Teilweise hingen aber auch noch Baumteile in den Wipfeln, die erst Tage später hinunterfallen könnten. Diese Gefahren halten mehrere Tage an. Viele angrenzende Straßen müssten mit Unterstützung des Forstamtes freigeräumt werden. "Das Forstamt bittet darum, diese gefährlichen Arbeiten durch Waldspaziergänge nicht zu behindern", sagte Boenig.

Wer einen Schaden durch das Unwetter zu beklagen hat, sollte diesen zügig seiner Versicherung melden, rät der Hückeswagener Karl-Jürgen Huhn, Sprecher des Bezirks Bergisch-Land im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute. Am einfachsten sei das bei Autos, die durch abgebrochene Äste, umgestürzte Bäume, Bautafeln oder Dachziegel beschädigt wurden. "Die Kaskoversicherungen zahlen, zwar abzüglich vereinbarter Selbstbehalte, aber ohne Rabattrückstufung", sagte er.

Hauseigentümer, die nach erstem Anschein glimpflich davongekommen sind, sollten dennoch ihr Hausdach inspizieren. Am einfachsten geht das mit einem Fernglas. "Auch verschobene oder gerissene Dachziegel sind Sturmschäden, die vom Dachdecker und auf Kosten der Gebäudeversicherung gerichtet werden sollten", so Huhn.

(RP)
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