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Hückeswagen: Große Herausforderung für den Kammerchor

Hückeswagen : Große Herausforderung für den Kammerchor

Das Ensemble mit etwa 40 Musikbegeisterten singt am Sonntag, 15. Oktober, Bachs h-Moll Messe in der Pauluskirche. Vorverkauf läuft.

Die Konzentration ist den Sängern ins Gesicht geschrieben. Akribisch arbeiten sie mit den Noten. Sie markieren einzelne Takte, besonders knifflige Passagen, sie summen zuweilen leise vor sich hin und beginnen dann gemeinsam von vorn. Ingrid Kammerer blickt über den Rand ihrer Brille in die große Runde. 40 Musikbegeisterte gehören zum Kammerchor Hückeswagen, Auswärtige unterstützen das Projekt. Und sie haben sich viel vorgenommen.

"Die h-Moll Messe von Bach ist schlechthin das Größte für einen Chor", sagt Ingrid Kammerer. Nicht umsonst probt das Ensemble bereits seit Januar für seinen großen Auftritt: Am 15. Oktober stellt der Chor mit Solisten und Instrumentalisten die h-Moll Messe von Johann Sebastian Bach in der Pauluskirche vor. Das Besondere an dem Stück: "Es gibt einen riesigen Chorpart", erklärt Ingrid Kammerer, "das heißt: Der Chor spielt die Hauptrolle". Zuweilen in sechs Stimmen und doppelchörig. 18 Chorsätze und neun Arien bietet Bachs letztes großes Vokalwerk. Und deswegen üben die Sänger besonders konzentriert und haben einen Monat vor ihrem Auftritt einen Probentag angesetzt.

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Mit großem Stimmvolumen beginnt die nächste Passage. Als die Sänger leiser werden, sich Unsicherheit breit macht und hier und da auch Stimmen verstummen, unterbricht Ingrid Kammerer. "Was machen wir im Ernstfall, wenn plötzlich keiner mehr weitersingt?" fragt sie in die Runde. In der zweiten Reihe blättert ein Sänger in seinen Unterlagen und antwortet dann: "Lächeln?" Lächeln sei gut, räumt die Kantorin ein. "Aber vor allem müssen wir dann die Flucht nach vorne antreten: Wir suchen uns eine Stelle, an der wir wieder einsteigen können." Und das ist in diesem Teil der Messe spätestens das klangvolle "Patrem omnipotentem".

Frei von der Leber weg, enthemmt, wünscht sich Ingrid Kammerer ihre Chorsänger an dieser Stelle. Und wirklich: Beim Credo, also beim Glaubensbekenntnis der Messe, steigen alle Sänger sicher mit ein. Großes Volumen, große Emotionen und die Begeisterung für die Musik klingen mit. "Wir dürfen an den Stellen dazwischen den Spaß nicht verlieren", appelliert die Chorleiterin an ihre Sänger und setzt zur nächsten Runde an. Wippende Füße, aufrechte Rücken, die Sänger sind hochkonzentriert. Das gilt für jene Sänger in der Runde, die schon viele Partituren gelesen und gesungen haben, ebenso wie für die Jüngsten. Zur großen Freude der Chorleiterin beteiligen sich auch Schüler und Studenten an dem besonderen Projekt. Schon 14-Jährige wissen den Wert von Bachs Werk zu schätzen - trotz des lateinischen Textes. "Aber man würde sicher auch ganz ohne die Übersetzung im Konzert verstehen, was Bach hier vertont hat", sagt Ingrid Kammerer. Die Musik spreche ihre eigene Sprache, die jeder verstehen könne. Von der Grabesstille bis zum Jubel der Auferstehung: Die Messe bietet die ganze Bandbreite von Stimmungen und biblischen Motiven.

"Legt euch in die Kurven", fordert die Kantorin ihre Sänger auf und nimmt die Takte erneut unter die Lupe. Im Moment ist der Einsatz zuweilen noch etwas wackelig. Genau dafür wird geprobt. "Ihr müsst aufeinander hören", sagt die Kantorin. Und beim nächsten Versuch gelingt der Einsatz. Einmal durch das Stück arbeiten sich die Sänger am Probentag. Das ist harte Arbeit, aber für echte Musikfreunde auch ein großer Genuss. Am Ende sagt Ingrid Kammerer zufrieden: "Ich habe ein gutes Gefühl."

Es sind nur noch wenige Proben bis zum großen Auftritt. Und auch die Zusammenarbeit mit den Solisten Veronika Madler (Sopran), Heike Bader (Alt), Lothar Blum (Tenor) und Markus Auerback (Bass) will noch geprobt werden. Dazu kommen die Musiker von "caterva musica" mit historischen Instrumenten. Aber der Kammerchor ist gut vorbereitet, die Sänger sind gut ausgebildet. Und inzwischen sind ihnen Bachs Noten in Fleisch und Blut übergegangen.

(resa)