Grevenbroich: RWE lehnt Konverter im Kraftwerk ab

Grevenbroich : RWE lehnt Konverter im Kraftwerk ab

Bürgermeisterin Ursula Kwasny ist sich sicher: Grevenbroich steht nicht mehr auf der Liste der möglichen Konverter-Standorte. Diese Nachricht übermittelte sie gestern kurz vor dem Start der "Mobilen Redaktion" in Frimmersdorf

Eines wurde gestern deutlich am Stand der "Mobilen Redaktion" auf dem Schniddemännplatz: Die Frimmersdorfer lehnen den Bau eines Konverters im benachbarten Kraftwerk strikt ab. Der Süden der Stadt soll nicht noch mehr belastet werden, lautete der einhellige Tenor.

Aktuell sieht es danach aus, dass der Standort ganz aus dem Spiel ist. Das erklärte Bürgermeisterin Ursula Kwasny kurz vor der Veranstaltung. Sie bezog sich dabei auf ein Gespräch, das sie mit Verantwortlichen von RWE Power geführt hat. "Das Unternehmen hat ganz klar betont, dass das Kraftwerk nicht für einen Konverter in Frage kommt", betonte die Verwaltungschefin. Zum einen sei auf dem Gelände kein Platz vorhanden, zum anderen seien die 300-Megawatt-Blöcke noch mindestens bis 2017 in Betrieb. "Das wäre zu spät für den Konverter", so Kwasny. Dies habe sie gestern auch Vertreter des Netzbetreibers Amprion bei einem Gespräch im Rathaus erklärt. Die Botschaft der Bürgermeisterin: "Grevenbroich ist nicht mehr auf der Liste möglicher Standorte."

Trotz der neuen Entwicklung nutzten gestern viele Bürger die Gelegenheit, ihrem Ärger am Stand der NGZ Luft zu machen - auch, weil sie dem Braten nicht unbedingt trauen. Ein Konverter im Kraftwerk, das kommt etwa für Werner Alderath nicht in Frage: "Für mich ist wichtig, dass das Gelände künftig so genutzt wird, dass neue Arbeitsplätze entstehen - am besten aus dem Bereich von Technologie und Forschung", erklärt er. Das unterstützt auch Helmut Biensfeld (65): "Wenn das Kraftwerk ausläuft, brauchen wir in Frimmersdorf einen Ersatz für die Arbeitsplätze, etwa durch neue Technologien." Dem stimmt Hans Aretz zu: "Der Bau eines Konverters würde solchen Plänen im Wege stehen." Helmut Linges ist allerdings skeptisch: "Der halbe Kohlenpott steht leer - wer soll sich den hier noch ansiedeln?" - Für Hans-Peter Fenger (61) wäre der rekultivierte Tagebau ein "idealer Standort für den Konverter. Warum nutzt Amprion nicht diese Fläche?"

Andreas Behr (35) ist froh, dass der Konverter-Standort Frimmersdorf erstmal vom Tisch ist: "Es ist wichtig, dass die Bürger dagegen halten." Auch, weil der Immobilienmakler einen Wertverlust für die Immobilien fürchtet: "Dann würden die Preise runtergehen." Auf neue Impulse für den Ort hofft auch Marlies Bodewig (63): "Seit Anfang des 19. Jahrhunderts leiden Neurath und Frimmersdorf unter der Braunkohleförderung." Durch einen Konverter würde diese Belastung noch dramtisch zunehmen. Alfred Hafeneger (58) wünscht sich für den Ort eine neue, zentrale Versammlungsstätte: "Nach dem Abriss der Erfthalle fehlt uns dies".

Sollte der Stromumwandler dennoch in Grevenbroich gebaut werden, müsse die Stadt davon profitieren, betonte Willi Spieß: "Etwa durch einen jährlichen Bonus von mehreren Millionen Euro - und das über viele Jahrzehnte hinweg." Hubert Rütten ergänzt: "Ein Konverter bringt keine Arbeitsplätze oder Gewerbesteuer in die Stadt. Er würde nur die Fläche verbrauchen, an der neue Arbeitsplätze entstehen könnten." Was Willibert Müller ärgerte: "Das Schlimmste ist die Heuchelei in den übrigen Teilen des Kreises. Da herrscht doch die Meinung vor: ,Bitte nicht bei uns, aber bitteschön in Frimmersdorf.' Unerträglich."

Hans-Josef Bolzek (69) betont, dass Frimmersdorf bereits genug für die Energiewirtschaft geleistet habe. "Die Bürger im Ort haben genug ertragen, jetzt sind andere dran", sagt er. Werner Thiele (76) wünscht sich mehr Unterstützung seitens der Politik. Und er sagt: "Frimmersdorf ist schon allein wegen der Wohnbebauung kein geeigneter Konverter-Standort."

(wilp, busch, abu)
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