Rhein-Kreis Neuss: Konverter in Kaarst wird wahrscheinlicher

Rhein-Kreis Neuss : Konverter in Kaarst wird wahrscheinlicher

Auf Einladung von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke haben sich die acht betroffenen kreisangehörigen Städte und Gemeinden und der Kreis gestern eingehend mit dem Thema Konverter-Standortsuche beschäftigt.

Kaarst hat den Fluglärm, die Auskiesungsflächen und demnächst vielleicht noch: viel Beton, noch mehr versiegelten Boden und ein weder nachgewiesenes noch wiederlegtes Gesundheitsrisiko für die Anwohne. Bei der Suche nach einem geeigneten Standort für eine Stromkonverterstation geht es am Ende um die Frage der geringsten Belastung. Wo stört die Anlage, die der Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom (und umgekehrt) dient, realistisch betrachtet am wenigsten? Offiziell ist die Frage noch absolut offen. Dass die eigentlich für Auskiesung vorgesehene Fläche nördlich der Autobahn A52 in Kaarst auf den ersten, oberflächlichen Blick als am besten geeignet erscheint, ist aber auch kein Geheimnis. Sie wurde von Amprion ursprünglich nicht als "Top 6"-Standort unter den 19 möglichen gewertet. Der Kreis hatte auf eine mögliche Änderung der Flächenausweisung im Regionalplan hingewiesen.

Auf Einladung von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke haben sich die acht betroffenen kreisangehörigen Städte und Gemeinden und der Rhein-Kreis Neuss gestern im Kreishaus Grevenbroich eingehend mit dem Thema Konverter-Standort beschäftigt. Dabei wurde von der Kreisgemeinschaft insbesondere die Kommunikationsstrategie der Firma Amprion und die fehlende Transparenz des bisherigen Verfahrens kritisiert und gefordert, dass der Schutz der Bevölkerung bei der Festlegung eines Standortes im Vordergrund stehen muss. Wenn schon ein Konverter im hiesigen Raum als erforderlich angesehen werde, hieß es, müsse dies auch nachgewiesen werden. Hierzu sei eine intensive Kommunikation mit den Betroffenen unerlässlich.

Wie alle Konferenzteilnehmer weiter betonten, müssten die großen Sorgen in der Bevölkerung - insbesondere zu einer möglichen Gesundheitsgefährdung - ernst genommen und offene Fragen geklärt werden, bevor man sich auf einen konkreten Standort festlegen könne. Deshalb haben Städte, Gemeinden und Kreis sich auch darauf verständigt, über die Sommerferien einen gemeinsamen Fragenkatalog an die Firma Amprion zu erarbeiten. "Wir sind eine Gemeinschaft und wollen kein Hin- und Herschiebespiel untereinander", sagte Bürgermeister Franz-Josef Moormann gestern. Woraus sich auch heraushören ließe: Wenn Amprion alle gestellten Fragen beantworten und die Standortwahl schlüssig begründen kann, gehört sich kein aus der Verantwortung Ziehen nach dem St.-Floriansprinzip - dann muss die Kommune die Entscheidung akzeptieren. In Rommerskirchen hatten sich vorigen Donnerstag rund 400 Gegner des Konverters in einer Gaststätte getroffen, um mit Vertretern von Amprion, der Bundesnetzagentur und der Bürgerinitiative aus Osterath zu diskutieren. Dabei hatten die beiden Bürgermeister aus Dormagen und Rommerskirchen klar gemacht, dass sie sich für einen Standort einsetzen werden, der möglichst weit weg von Wohnbebauung ist. "Wir wollen keinen Standort, bei dem die Bevölkerung so deutlich betroffen ist", betonte Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld am vorigen Donnerstag.

(NGZ)
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