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Grevenbroich: Der neue Freund in Corona-Zeiten

Spiritueller Zwischenruf : Der neue Freund in Corona-Zeiten

Sollte der Mund-Nasen-Schutz als Freund betrachtet werden? Oder ist er ein Feind? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Langwadener Zistzienser-Prior Bruno Robeck in seiner Kolumne.

In meinen beiden Ferienwochen waren die Besuche bei Verwandten, Freunden und Bekannten fester Bestandteil meines Erholungsprogramms. Ich finde es sehr schön, diese Kontakte zu pflegen – und ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell eine große Verbundenheit und Vertrautheit zwischen uns spürbar ist, obwohl wir uns nur selten sehen.

Die Bibel besingt die Freundschaft und Vertrautheit als großen Schatz: „Ein treuer Freund ist ein starker Schutz, wer ihn findet, hat einen Schatz gefunden. Für einen treuen Freund gibt es keinen Gegenwert, seine Kostbarkeit lässt sich nicht aufwiegen. Ein treuer Freund ist eine Arznei des Lebens und es werden ihn finden, die den Herrn fürchten. Wer den Herrn fürchtet, hält aufrechte Freundschaft, denn wie er selbst, so ist auch sein Nächster“ (Sir 6,14-17).

In diesem Jahr kam ein neuer Freund hinzu: kein menschlicher Freund, auch kein tierischer Freund. Bei all mein Fahrten durch Berlin mit der Maske „vor der Schnüss“ ging mir das Wort des Generalsekretärs der deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin Dr. Burkhard Rodeck nicht mehr aus dem Kopf: „Die Maske ist unser Freund. Die Maske ist nicht unser Feind, Covid-19 ist unser Feind“. Dabei kann die Beziehung zu Freunden sehr unterschiedlich ausfallen. Die einen freuen sich, wenn sie mit ihren Freunden zusammen sind und wollen sich nicht mehr von ihnen trennen. Anderen wird es lästig, wenn die Freunde lange bleiben oder sich oft melden, und einige ärgern sich, wenn sie von Freunden kritisiert werden.

Auch der Umgang mit den Masken ist sehr unterschiedlich. Die meisten Menschen akzeptieren sie und tragen sie. Andere finden sie zwar gut, aber sie wollen mehr Abstand, indem sie zumindest die Nase herausschauen lassen. Und wieder andere zeigen, dass sie die Masken schätzen, sie jedoch jetzt gerade nicht tragen wollen, so dass sie unter dem Kinn oder am Arm festgeklemmt sind. Und dann gibt es noch die ganz kleine Gruppe von Menschen, die ganz ohne Maske unterwegs zu sein scheinen – zumindest sieht man sie nicht, aber vielleicht steckt sie in der Hosentasche.

Die Maske kann herausfordernd werden wie ein Freund, der mir eine unangenehme Wahrheit sagt. Wenn ich die Maske als Freund betrachte, werde ich ihre Nähe nicht verweigern, sondern sie zulassen, weil sie mir gut tut. Manchmal wird mir die Nähe vielleicht ein wenig zu eng, aber es geht in einer Freundschaft nicht immer nur um mich. Daher sollte ich mich nicht leichtfertig von ihr trennen. Sie ist nicht mein Feind, sie gibt mir und den Mitmenschen Schutz und hilft allen im Kampf gegen den Feind Covid-19.

Vielleicht finden Sie wie ich in der Maske auch einen neuen Freund. Sie soll und kann die menschlichen oder tierischen Freunde nicht ersetzen. Sie ergänzt aber unsere Freundschaften und trägt dazu bei, dass wir uns selbst und den anderen Gutes tun in schweren Zeiten. Wer die Maske benutzt, hat einen neuen und treuen Freund des Lebens in Corona-Zeiten gefunden.