Grevenbroich: "Geschenkemacherin" als zweiter Beruf

Grevenbroich: "Geschenkemacherin" als zweiter Beruf

Nachdem die gelernte Versicherungskauffrau Jeanette Staßen ihr kreatives Talent entdeckte, war der Sprung in die Selbstständigkeit nur folgerichtig. Inzwischen leitet sie im zweiten Jahr den "Nähstern". Dort fertigt sie Unikate.

In ihre beiden Töchter ist Jeanette Staßen ganz vernarrt. Nur auf die Rolle als Mutter mag sie sich nicht reduzieren lassen. "Ich brauche eine Aufgabe. Ich bin nicht der Typ, der nicht berufstätig ist", beschreibt die 42-Jährige sich selbst. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes konnte sie nicht in ihre ursprünglich erlernte Tätigkeit als Versicherungskauffrau zurückkehren. "Betreuungszeiten der Kinder, eigentliche Kernarbeitszeiten sowie Hin- und Herfahrerei ließen sich einfach nicht miteinander arrangieren", sagt die Grevenbroicherin. Da musste eine Alternative her.

"Zunächst war ich ziemlich planlos", erinnert sie sich an den Findungsprozess "mit allerlei Experimenten". Dann wünschte sich Tochter Johanna, an einem Kindernähkurus teilnehmen zu dürfen. Die Eltern sagten "Ja" - "und so bin ich zum Nähen gekommen", erzählt die gebürtige Rommerskirchenerin, die vor 16 Jahren nach Grevenbroich zog, über die quasi versehentlich entdeckte Leidenschaft zu Nadel und Faden. Und weil Johanna die Mutter an die Nähmaschine gebracht hat, durfte sie später einen Namen für die professionellen Aktivitäten ihrer Mama finden. So wurde der "Nähstern" geboren.

Für Neugeborene: Ein Kissen mit dem Namen des Babys. Foto: Valeska von Dolega

Los ging es an der Maschine mit Kinderklamotten für die Töchter, kunterbunten Kleidchen mit Motiven nach Wahl und individuelle Shirts, die es in der Art und Machart nie ein zweites Mal gab. Inzwischen allerdings hat Jeanette Staßen den kreativen Schwerpunkt weg von Textilien als Garderobe, hin zu Accessoires gelegt. "Ich bezeichne mich gerne als die Geschenkemacherin", sagt sie mit Blick auf das von ihr Genähte: Ihre Kollektion umfasst alles für Babys und Kinder, von der schmucken Hülle fürs Impfbuch, ansehnliche Ummantelungen für Fotoalben oder das Gotteslob. Außerdem fertigt sie Kindergartenbeutel und -taschen. "Ich versuche immer, Wünsche zu erfüllen und mache nichts von der Stange."

Was aus Lust und Dollerei begann, ist längst ein erfolgreiches Geschäft. "Eine Freundin brachte ich dann auf die Idee, mich selbstständig zu machen." Besonders mutig findet sie den Entschluss im Rückblick nicht. "Ich hatte ja nichts zu verlieren und wollte es einfach ausprobieren", sagt sie. Das eigene Talent zu erkennen und ihm zu trauen, war dabei der wichtigste Schritt.

Auch Fotoalben lassen sich mit den genähten Hüllen verkleiden. Foto: Valeska von Dolega

"Das kommt auf jeden Menschen selbst an, ich bin jemand, der sich auch mal treiben lassen und Dinge auf mich zukommen lassen kann." Von ihrem Ehemann unterstützt und durch die positive Resonanz im Familien- und Freundeskreis angefeuert, ist "Nähstern" ein erfolgreicher Betrieb. Jeanette Staßen sitzt in ihrem Atelier, sobald die Kinder in der Schule sind und der Mann bei der Arbeit ist. Mittags ist Schluss mit Nähen, dann widmet sie sich ausschließlich ihrer Familie.

"Nähen ist das einzige kreative Können, das ich habe. Bis heute bastele ich nicht gerne", sagt Staßen. Neues zu entwickeln, gehört zu ihrem Job dazu. Inspiriert von Stoffen, setzt sie Ideen für Rucksäcke, Sportbeutel oder mit dem jeweiligen Namen des Kindes bestickte Kissen um. "Schon erstaunlich, was man so alles lernen kann", grinst sie über erste Nähversuche von vor 20 Jahren. Damals fertigte sie Karnevalskostüme. Das waren mal Outfits als Meerjungfrauen oder als Space Girls. "Wenn ich an die Teile zurückdenke, schlage ich echt die Hände überm Kopf zusammen."

(von)