Grevenbroich: „Ferdinand“: Der Hit fürs Leben

Grevenbroich: „Ferdinand“: Der Hit fürs Leben

Südstadt (wilp) Norditalien, 1945: In einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager schreibt Herbert Beer ein Lied. Er nennt es "Ferdinand" und er träumt darin von friedlicheren Zeiten und von der Heimat.

Südstadt (wilp) Norditalien, 1945: In einem amerikanischen Kriegsgefangenenlager schreibt Herbert Beer ein Lied. Er nennt es "Ferdinand" und er träumt darin von friedlicheren Zeiten und von der Heimat.

Der fröhliche Song begleitet den Hobbymusiker auf seinem weiteren Lebensweg. Wo Herbert Beer mit einem Akkordeon auftaucht, ist auch der "Ferdinand" nicht weit. Und er wird ihn auch Samstag Abend, wenn er mit 60 Gästen seinen 80. Geburtstag feiert, anstimmen. Und alle werden das Lied kennen - denn es war ein Sommerhit auf Mallorca.

Geboren wurde Herbert Beer im schlesischen Goldberg. Seine Eltern betrieben dort eine Gaststätte, das "Deutsche Haus". Der zum Restaurant gehörende Tanzsaal hatte für den kleinen Herbert eine magische Anziehungskraft, denn dort stand ein Klavier. "Sobald ich aus der Schule kam, habe ich mich vor die Tasten gesetzt und drauf los geklimpert - ich war da gar nicht mehr weg zu bekommen", erinnert er sich schmunzelnd an seine Kinder- und Jugendzeit in der alten Heimat.

Dann kam der Zweite Weltkrieg, Herbert Beer geriet in amerikanische Gefangenschaft. Zweieinhalb Jahre verbrachte er in einem Lager in Norditalien, musste im Bergbau arbeiten. Zerstreuung fand er in der Musik, er wirkte bei einem Lager-Orchester mit. "Irgendwann habe ich dann mit zwei Kumpels den ,Ferdinand' geschrieben - ein Lied über einen Klavierspieler, das mir fortan nicht mehr aus dem Kopf ging."

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Nach der Gefangenschaft kam Herbert Beer über Umwege nach Grevenbroich, heiratete 1949 seine (im vergangenen Jahr verstorbene) Frau Marianne, beide zogen in die Südstadt. Beer arbeitete im Kreis-Katasteramt, engagierte sich in seiner Freizeit ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz.

Doch tief in seinem Herzen blieb der Südstädter ein Musiker. Wann immer er Zeit hatte, griff er zum Akkordeon, setzte sich hinter das Keyboard oder das Klavier - er spielte solo, aber auch gemeinsam mit Gleichgesinnten. Beispielsweise in der heute schon legendären "Rentnerband", die in den 80er Jahren bei vielen Gelegenheiten für ausgelassene Stimmung sorgte. Natürlich auch mit Hilfe des "Ferdinands".

Bass erstaunt war der Südstädter, als er eines Tages seinen eigenen Schunkel-Hit im Radio hörte, neu interpretiert von den "Rabaue". "Ferdinand hatte einen Bruder bekommen, ohne dass ich's wusste", erinnert er sich. Herbert Beer reagierte zunächst verschnupft, einigte sich dann aber mit den Stimmungssängern gütlich: "Heute verstehe ich mich mit den Leuten ganz gut", meint er. Der "Ferdinand" gehört mittlerweile zum festen Repertoire der "Rabaue", die damit 2002 einen Sommerhit auf Mallorca landeten. Wer der Autor ist, steht auf der Single zu lesen: Herbert Beer.

Auch mit 80 ist der musikalische Südstädter heute noch mit großem Eifer bei der Sache. Regelmäßig kommt er ins Albert-Schweitzer-Haus, um bei Frühlings- und Sommerfesten, im Advent und sogar am Heiligen Abend seine Lieder anzustimmen: "Ich mach' den alten Leuten gerne diese Freude", meint der Junggebliebene. Und den "Ferdinand", den spielt er stets zum Schluss - als Höhepunkt.

(NGZ)
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