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Grevenbroich: Eine Lehrstunde in Sachen Feuermachen

Grevenbroich : Eine Lehrstunde in Sachen Feuermachen

Kaminbesitzer müssen sich vom Schorn-steinfeger beraten lassen, das ist Pflicht. In Grevenbroich sorgt dies für Protest.

Hans-Josef Berger (Name geändert) hat seit gut 15 Jahren einen offenen Kamin in seinem Wohnzimmer stehen. Und damit kennt er sich aus. Der 61 Jahre alte Elsener weiß, wie Brennholz gelagert und ein Feuer angezündet wird. Dennoch ist er dazu aufgefordert worden, sich bis Ende 2014 von einem Schornsteinfeger über den richtigen Umgang mit seinem Kamin beraten zu lassen — kostenpflichtig, versteht sich. Hans-Josef Berger bezeichnet das als "Geldschneiderei".

Weil er daher auf eine Belehrung verzichtete, hat ihm sein Bezirksschornsteinfeger nun eine "Letzte Erinnerung" mitsamt einer Fristverlängerung zugeschickt. Sollte er die 42 Euro teure Beratung in den nächsten 14 Tagen in Anspruch nehmen, würden ihm keine Nachteile entstehen, heißt es darin. Verzichtet er aber weiterhin, wird sein Name an das Ordnungsamt des Kreises weitergegeben. "Das könnte mir dann die Nutzung meines Kamins verbieten", meint der 61-Jährige. Berger überlegt nun, ob er es mal drauf ankommen lassen soll.

Die Beratung für Besitzer von Kaminöfen und Heizkaminen ist im Paragrafen 28 der Bundesimmissionsschutz-Verordnung verankert. Sie verpflichtet die Betreiber von sogenannten "handbeschickten Feuerstätten", sich einer einmaligen kurzen Schulung zu unterziehen. Bei Neuanlagen muss das innerhalb eines Jahres passieren, bei alten Kaminen lief die Frist zum Jahresende ab. Anlass ist der Umweltschutz: Gut informierte Kaminbesitzer sollen weniger Feinstaub produzieren.

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Hans-Josef Berger ist kein Einzelfall, weiß der Grevenbroicher Bezirksschornsteinfeger Rainer Vonnahme: "Es gibt viele Eigentümer von Altanlagen, die sich noch nicht beraten lassen haben", sagt er. Daher würden jetzt Erinnerungsschreiben versandt. Dass er auch erfahrenen Kaminbesitzern in der 20- bis 30-minütigen Schulung noch etwas beibringen kann, davon ist Vonnahme überzeugt: "Beim Anzünden machen die meisten einen Fehler, weil sie das Feuer von unten, und nicht — wie es richtig ist — von oben entfachen. Auch bei der Lagerung von Holz wird vieles falsch gemacht", sagt er. Seine Erfahrung: "Zu 90 Prozent kommt es bei den Beratungen zu einem Aha-Effekt." Das sieht auch Innungsobermeister Norbert Rieck so: "Jeder Kunde hat bisher etwas mitgenommen."

Im Internet steht die Beratungspflicht unter Beschuss. Auf der Seite "Kontra-Schornsteinfeger.de" etwa wird die Schulung als Unsinn bezeichnet, unter dem Deckmantel des Umweltschutzes werde eine getarnte Wirtschaftsförderung betrieben: "Es geht darum, Schornsteinfegern Zusatzaufträge zu verschaffen", heißt es auf der Seite. Hans-Josef Berger sieht das ähnlich: "Eine Broschüre, in der alles Wichtige steht, hätte auch ausgereicht."

Geht nicht, sagen die Schornsteinfeger — denn: "Da jede Feuerstätte anders ist, lassen sich keine pauschalen Aussagen treffen. Das gleiche gilt für die Lagerung von Holz", betont Norbert Rieck: "Da muss man schon raus und sich das Ganze vor Ort anschauen."

Noch können die Schornsteinfeger keine Aussage dazu treffen, wie viele der in ihren Kehrbüchern verzeichneten Kaminbesitzer nach Fristablauf dem Rhein-Kreis gemeldet werden. Im Ordnungsamt gibt man sich gelassen: "Wir warten ab, was hier aufschlagen wird", sagt Leiter Hans-Joachim Klein.

(NGZ)