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Parookaville: In Gaesdonck gab es einen Workshop für DJs

DJ-Workshop in Goch : Musik machen – nicht ohne Computer

Der Workshop eines Teams um Parookaville-Chef Bernd Dicks aus Weeze in dessen altem Gymnasium Gaesdonck war ein voller Erfolg. Profis und Hobby-DJs tauschten sich aus. Eine Erkenntnis: Kontakte sind wichtig.

„Als ich 18 war, wollten alle in einer Band spielen, heute wollen Jugendliche lieber auflegen“, sagt Bernd Dicks. Der Weezer, bekannt vor allem als Macher von Parookaville, ist vergleichsweise spät an die elektronische Musik gekommen, die heute im Zentrum seiner geschäftlichen Tätigkeit steht und die für den Nachwuchs völlig normal ist.

„Musik machen“ heißt inzwischen nicht zuletzt, am Computer sitzen und mit dazu gedachter Software Beats und Töne abmischen und dann – vielleicht – in einem zweiten Schritt mit speziellen Zusatzgeräten eigene Soundtracks „komponieren“. Das ist keinesfalls einfach und will nicht nur geübt, sondern am besten gelernt sein.

Deshalb ließen sich eine ganze Reihe junger Leute aus der Region nur zu gerne zu einem DJ-Workshop ins Tonstudio der Gaesdonck einladen. Finanziert haben das dreitägige Angebot die Gocher Gruppe „Disco so wie früher“ um Jürgen Engfer und Theo Aymans. Die Männer stammen fraglos von „früher“, finden aber klasse, wenn junge Leute heute ihren eigenen Zugang zur Musik finden und mit den zeitgemäßen Techniken experimentieren. Außerdem gaben die Jung-Rotarier noch Geld dazu.

Klar, dass Bernd Dicks erstmal ein bisschen über das Electronic-Music-Festival erzählte, das inzwischen jährlich 80.000 Fans auf das Außengelände des Weezer Flughafens lockt. Veranstalter ist die Firma „Next Events“ von Norbert Bergers, Georg van Wickeren und Bernd Dicks, die beim ersten Aufschlag im Jahr 2015 keine Vorstellung davon hatten, was sie da lostreten würden. Parookaville ist zur nicht nur deutschlandweit zur anerkannten Marke geworden. Dort aufzutreten, ist für Berühmtheiten wie Steve Aoki, Felix Jaehn oder Salvatore Ganacci längst eine klare Sache. Dicks und seine Kollegen kriegen sie alle und bringen damit nicht zuletzt dem Niederrhein positive Schlagzeilen. Und viele Nachwuchs-DJs versuchen, das „lokale“ Festival als Sprungbrett zu nutzen. „Wir bekommen jede Woche Dutzende von Bewerbungen“, erzählt der Weezer.

Eines gab er den ehrgeizigen Einsteigern gleich zu Beginn mit auf den Weg: „Für den Erfolg braucht es 80 Prozent Kontakte und 20 Prozent Talent.“ Und – bitter: „Wer Künstler werden möchte, hat von der Party am wenigsten.“ Davon erzählte in einer Vorstellungsrunde ein Team von Kennern der Branche, die zum Teil schon viel Erfahrung haben und zum Teil selbst noch am Beginn ihrer Karriere stehen. Im Zentrum standen Jerome Steinberg und Bülent Aris, die ein Musikstudio in Bottrop betreiben. Vor einigen Monaten produzierten sie Aloe Blacc (“SOS“ mit Avicii), früher arbeitete Bülent auch schon mit Duran Duran oder den Back Street Boys, machte auch Sarah Connor zum Star. Dabei hatte er eigentlich Schlagzeuger werden wollen, natürlich in Bands gespielt, langsam immer mehr Interesse an den technischen Möglichkeiten der Branche gefunden. Bülent ist alt genug, um mit Schallplatten und CDs groß geworden zu sein, dennoch weiß er, dass es heute um „Streams“ geht. Am besten um Millionen davon, wenn man ordentlich Geld verdienen möchte.

Davon sind Jannis, der Maurer, Luca, der Azubi, die Schüler Matthes, Nico und Luca natürlich noch weit entfernt. Sie haben auch nicht unbedingt vor, Profis zu werden, obwohl man ja nie so genau weiß… Aber viele der Teilnehmer basteln zu Hause mit entsprechenden Programmen am PC herum, legen schon mal auf Partys auf und lassen sich für Vorabi-Feten engagieren. Alle wissen: Da geht noch mehr, wenn man nur professionelle Ratgeber hätte. Die Gaesdoncker Schüler Jan und Marie (das einzige Mädchen in der Runde) lassen sich mit dem Workshop auf etwas ganz Neues ein. Die 19-Jährigen spielen Gitarre, Saxophon und Klavier und wollen „einfach mal gucken“, was geht. Sich selbst beim Musik machen aufnehmen, ist eine reizvolle Idee, und damit es sich gut anhört, müssen nicht nur die Noten richtig gespielt werden.

Freddy, ein Parookaville-Resident von Anfang an, hat es als anfänglicher Hobbymusiker schnell auf die Festival-Bühnen geschafft. „Anfangs hatte ich meine Gitarre mit dem PC verbunden, gemerkt, ,okay, klingt scheiße‘, und mir das Handwerkszeug so nach und nach mit dem Produktionsprogramm ,Logic‘ selbst beigebracht.“ Er nutzt seine guten Kontakte, macht Remixes für andere Künstler und schuf die 2016er Hymne für Parookaville.

Ebenso wie Miguel, ehemaliger Bankkaufmann, der selbstkritisch feststellt, eher wenig Talent zu haben. „Ich habe mir überlegt, wie ich aus meinem engen Draht zu den Profis Kapital schlagen kann. Und gemerkt, dass die ein gutes Management brauchen.“ Er kreiert individuelle Kunstfiguren für die Akteure, plant ihre Reisen und Auftritte; Miguel ist ein „Artist-Manager“. Jerome hat die Betreuer-Gruppe fürs Projekt zusammengestellt und freut sich, den Nachwuchs an den Start bringen zu können.

Egal, was die Teilnehmer vorhaben – ein Hobby auszubauen, im stillen Kämmerlein zu experimentieren oder eine Karriere zu starten: „Es ist immer gut, die Prozesse dahinter zu kennen“, sagt Bernd Dicks. Nach drei Tagen Workshop ist da schon einiges erreicht.