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Mann aus Goch muss für zwei Jahre und neun Monate wegen Betrug in Haft

Urteil des Klever Landgerichtes : Haftstrafe für Geldanlagen-Betrüger

Der Gocher (55) muss für zwei Jahre und neun Monate in Haft, seine Ex-Frau nicht. Sie erhielt einen Freispruch. Die Beschuldigten sollen zwischen 2010 und 2019 mit den Geschädigten Investitions- und Depotverträge für Lebensversicherungen geschlossen haben.

Nicht nur, dass er seine Taten bereue. Er wolle auch den Rest seines Lebens nutzen, den Schaden wiedergutzumachen. So erklärte sich ein 55 alter Mann am Mittwoch vor dem Landgericht Kleve. Der Hauptangeklagte wird in elf Fällen der gewerbsmäßige Betrug mit Geldanlagen vorgeworfen. Seine Ex-Frau soll sich der Beihilfe schuldig gemacht haben. Nun fiel das Urteil gegen das Duo. Während er zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt wurde, erhielt sie einen Freispruch. Zudem wurde dem Gocher die Verfügung über sein Vermögen entzogen.

Die Beschuldigten sollen zwischen 2010 und 2019 mit den Geschädigten Investitions- und Depotverträge für Lebensversicherungen geschlossen haben. Der 55-Jährige versprach zwischen 4,1 und 5,1 Prozent Zinsen auf deren Einlagen. Das Gros der Kunden erhielt das Geld gar nicht oder nur teilweise zurück. Der Staatsanwaltschaft zu Folge ist so ein Schaden von knapp 300.000 Euro entstanden.

Der 55-Jährige soll als leitender Angestellter Lebensversicherungen für seine Kunden abgeschlossen haben, in der Folge aber die Beitragszahlungen aus den Depots an den Versicherer unterlassen haben, obwohl die Geschädigten bereits gezahlt hatten. „Das System war definitiv nie auf Betrug ausgelegt. Ich bin davon überzeugt gewesen, dass es funktioniert und habe bis zum Schluss gedacht: Wir werden das schaffen“, sagte der Beschuldigte. Der Staatsanwaltschaft zu Folge aber habe der Gocher in dem Wissen gehandelt, seine Kunden zu betrügen. „Er wusste das alles. Ihm war klar, dass er die Zinsen nie würde bezahlen können.“

Den Opfern habe er erklärt, die Rendite sei aufgrund des rasanten Wachstums des Unternehmens garantiert. Durch mehr Vertragsabschlüsse würde man immer mehr Provisionen erhalten, die als Zinsen ausgezahlt würden. „Er hat immer gezielt Personen ausgesucht, die unerfahren im Umgang mit Geldanlagen waren und das Vertrauens-Verhältnis ausgenutzt“, erklärte die Staatsanwaltschaft. Auch sei vorgetäuscht worden, dass die Gocher beste Verbindungen zur Deutschen Bank hätten. Dort lege man Finanzmittel zu ausgezeichneten Konditionen an, erklärten sie den Kunden.Das Geld seiner Kunden habe der Beschuldigte dafür verwendet, seiner Ex-Frau Gehälter zu zahlen und selbst ein stattliches Leben zu führen.

Der Rechtsanwalt des Angeklagten legte dar, dass die Schuld auch beim Versicherer liege, der seinen Mandaten immer wieder als „Messias“ der Versicherungsbranche angepriesen habe. „Die ganze Geschichte tut mir sehr leid. Ich bereue es, diesen Weg gegangen zu sein“, sagte der Angeklagte.