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Geldern: Hartefelder Pfarrhaus wird zur Pension

Geldern : Hartefelder Pfarrhaus wird zur Pension

Isabelle van de Kamp-Böhm und ihr Mann Marcus Böhm wollten, dass das alte Pastorat in ihrem Heimatdorf eine schöne Zukunft bekommt. Mit viel Tatkraft haben sie ein kleines Hotel daraus gemacht. Es lockt ein Frühstücksbuffet.

Als es hieß, dass die Kirchengemeinde das Hartefelder Pastorat verkaufen werde, da war das ein Anstoß für Isabelle van de Kamp-Böhm und ihren Ehemann Marcus. Nicht, weil die beiden schon immer den innigsten Wunsch gehabt hätten, unter die Hoteliers zu gehen. Die 38-Jährige arbeitet als stellvertretende Küchenleitung bei der Sparkasse Krefeld, der 45-Jährige ist Monteur. Aber sie wollten "irgendwas Sinnvolles" mit dem Gebäude machen, das für die Hartefelder wichtig ist, erzählt Isabelle van de Kamp-Böhm. Und eine Pension mit offenem Frühstücksangebot an den Wochenenden - das gaben die Räumlichkeiten her. "Das kann man daraus machen", dachten sich die beiden. "Und das kriegen wir hin."

Anfang 2016 kaufte das Ehepaar das Gebäude an der Hartefelder Dorfstraße 46, Ecke Pastoratstraße. Ende des gleichen Jahres startete die umfassende Sanierung. Unter Denkmalschutz steht der historische Bau nicht. Aber Isabelle van de Kamp-Böhm betont: "Wir haben versucht, den Charme vom alten Pfarrhaus zu erhalten."

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Das ursprüngliche Gebäude, der vordere und älteste Teil, wurde 1822 erbaut. Etwa 100 Jahre später, um 1920, wurde ein Gebäudeteil angebaut. Und nun, erneut etwa 100 Jahre darauf, haben die neuen Eigentümer nach hinten hinaus wiederum eine Erweiterung geschaffen und damit einen verfallenen kleineren Garagenanbau ersetzt.

Die Bauherren wollten mit Respekt an die betagten Mauern herangehen. Die Struktur der Räume blieb bei der Kernsanierung größtenteils erhalten. Was an Türen, Böden, Fenstern zu retten war, wurde aufgearbeitet. So kamen unter Spanplatten und Kunststoff im ältesten Trakt die alten Dielen zum Vorschein und wurden aufpoliert. Ebenso entschieden die Bauherren sich bei der Gestaltung der Wände in diesem Teil des Hauses wieder für Lehmputz, so, wie es früher mal war. Auch die Einrichtung greift das historische Flair immer wieder auf: "Wir haben zum Beispiel überall alte Schränke in den Zimmern", sagt Isabelle van de Kamp-Böhm.

Im oberen Geschoss gibt es nun sechs Doppelzimmer für Gäste.. Wo früher mal das Pfarrbüro war, ist jetzt einer von zwei Frühstücksräumen. Das äußere Antlitz des Pastorats ist größtenteils unverändert, aber Parkplätze und die Terrasse wurden neu angelegt.

Neubau und Renovierung waren ein richtiger Kraftakt. Heizung, Elektro- und Sanitärinstallationen, alles wurde auf modernen Stand gebracht, das Innenleben der Immobilie wurde ganz neu gestaltet. Wie viel Geld sie in ihr Projekt gesteckt haben, will Isabelle van de Kamp-Böhm nicht sagen, aber das meiste sei in Eigenleistung und mit der Hilfe von Freunden gestemmt worden.

Die Zielgruppe für die kleine Frühstückspension sind nun Radtouristen, Monteure und vor allem Gäste, die zu Ereignissen in und um Hartefeld kommen - Familienfeiern wie Kommunion, Geburtstage, Hochzeiten.

Vorerst helfen beide Elternpaare der Betreiber im laufenden Geschäft. "Wir wünschen uns, dass es gut angenommen wird und sich dann trägt", sagt Isabelle van de Kamp-Böhm. Wenn sich der Erfolg einstellt, wäre es für sie denkbar, auch Mitarbeiter zu beschäftigen.

Der neue Betrieb sei wichtig für die Entwicklung der Ortschaft Hartefeld, meint Herbert van Stephoudt, Sprecher der Stadt Geldern. Immerhin gebe es ansonsten nur noch die Dorfschmiede in der gastronomischen Landschaft. "Das Dorf hofft, dass das Frühstücksangebot hier vielleicht irgendwann noch erweitert wird."

Das Frühstücksbuffet für jedermann ist samstags und sonntags von 9 bis 11.30 Uhr geöffnet. Es kostet 12,50 Euro. Reservierung wird empfohlen, Telefon 02831 9782311.

(RP)