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Erkrath: Hochdahls Herren der Fantasy

Erkrath : Hochdahler entführen in Fantasy-Welten

Gemeinsam schaffen Autor Sam Feuerbach und Verleger Werner Fuchs komplett neue Welten.

Eigentlich ist es verwunderlich, dass sie sich nicht viel früher kennen gelernt haben. Eine Zeitlang haben sie sogar in Hochdahl in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander gewohnt, doch über den Weg gelaufen sind sie sich nie. Erst als Verleger und Rollenspiel-Mastermind Werner Fuchs sich gesundheitlich eine „Auszeit“ nehmen und im Krankenhaus verweilen musste, erfuhr er von Boris Lüdtke alias Sam Feuerbach.

Eine Krankenschwester hatte ihn auf den Hochdahler Autor und seine Fantasy-Bücher aufmerksam gemacht. Zu dieser Zeit hatte Sam Feuerbach gerade den sechsten und letzten Band seiner Krosann-Saga geschrieben. „Ich hatte einen Haufen alter Science-Fiction-Hefte zum Lesen mit ins Krankenhaus genommen und war dadurch ins Gespräch mit einer Krankenschwester gekommen“, erzählt Fuchs, „und die fragte mich dann, ob ich nicht Sam Feuerbach, den ‚König von Amazon‘, kenne.“ Nein, kannte er nicht. Doch das wollte er ändern.

„Ich bin beeindruckt, was Boris Lüdtke auf Amazon so alles macht“, sagt Werner Fuchs und gibt zu: „Ich hatte das Self-Publishing bis dahin völlig unterschätzt.“ Auch Lüdtkes Pseudonym Sam Feuerbach gefiel ihm ausgesprochen gut. Nach dem Krankenhausaufenthalt verabredete sich der Literaturagent und Inhaber des Verlags Fanpro dann recht bald mit dem erfolgreichen Self-Publisher. „Wir haben uns auf Anhieb sehr gut verstanden, liegen auf einer Wellenlänge“, freut sich Boris Lüdtke. Kein Wunder, denn nicht nur das Schreiben an sich, sondern auch die Genres Fantasy, Science Fiction und Rollenspiele verbinden die beiden.

Während Lüdtke in den 1970er Jahren die aufkeimende Science-Fiction- und Fantasy-Welle als lesender Teenager miterlebte, gestaltete Fuchs sie als Mitherausgeber verschiedener SciFi-Titel und Verfasser mehrere Nachschlagewerke bereits aktiv mit. 1977 eröffnete er gemeinsam mit einem Freund in Düsseldorf den Fantastic-Shop – den Pionierladen der aufkeimenden deutschen Rollenspielszene. Und in letztere tauche Fuchs ziemlich tief ein: Fuchs ist einer der drei geistigen Väter des Rollenspiels „Das Schwarze Auge“.

Gemeinsam mit Hans Joachim Alpers und Ulrich Kiesow gelang ihm mit „Das Schwarze Auge“ nicht nur die Entwicklung irgendeines „Brettspiels“, sondern die des erfolgreichsten Rollenspiels in deutscher Sprache schlechthin. Ganze Welten haben sie hier erschaffen, detailreiche Landkarten gezeichnet und hunderttausende Seiten Storys dazu produziert. „Wir haben den Trend, der mit Filmen wie ‚Star Wars‘ oder ‚Die unendliche Geschichte‘ aufkamen, erkannt und neu umgesetzt“, sagt Fuchs.

Dabei seien die Frühphase der Rollenspiele „absolut bewusstseinserweiternd“ gewesen, schmunzelt der heute 69-Jährige: „Da hingen ein paar Freaks um den Tisch herum und erzählten sich was. In gewisser Weise war das eine Vorstufe von Social Media. Nur in der realen Welt.“

In ihrem Fanpro-Verlag haben sich Werner Fuchs und seine Tochter Corinna auf die Publikation hochwertiger Sammlereditionen in limitierten Ausgaben und Kleinauflagen spezialisiert. Klar, dass auch hier Fantasy und Science Fiction im Vordergrund stehen! Zum Verlagsprogramm zählen Werke von George R. R. Martin, dem Autor der „Game of Thrones“-Reihe – und seit gut drei Jahren auch die von Sam Feuerbach. Fanpro hat die ersten drei Bände von Feuerbachs Krosann-Saga, die bis zu dieser Zusammenarbeit nur als E-Book erhältlich waren, als hochwertige Luxusausgabe neu herausgegeben.

Die drei letzten Bände sollen ebenfalls neu produziert werden. Zudem hat Fanpro die Trilogie „Instabil“ von Feuerbach und Thariot als broschierte Ausgabe im Programm. Und Werner Fuchs und Boris Lüdtke sind sich sicher: „Weitere gemeinsame Projekt werden schon bald folgen.“