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Humbug: Echsenmenschen und Reptiloide wollen die Menschheit versklaven

Neue Episode des „Humbug“-Podcasts : Wollen Echsenmenschen die Menschheit versklaven?

Überall auf der Welt lauern sie, getarnt als Menschen. Meistens bekleiden sie hohe Ämter oder steuern die Medien. Ihr Ziel ist die Versklavung der Menschheit. Echsenmenschen, auch Reptiloide genannt! Alles klar? Der neue Teil unserer Serie „Humbug“.

Was haben Angela Merkel, Queen Elizabeth II., Donald Trump und der ehemalige Papst Benedikt XVI. gemeinsam? Sie sind nach Ansicht mancher Verschwörungstheoretikern echsenartige Wesen, die sich als Menschen tarnen. Dabei gehen viele Vertreter dieser Theorie davon aus, dass außerirdisches Erbgut mit im Spiel ist.

Was wird behauptet?

Vertreter der Echsenmenschen-Theorie glauben daran, dass führende Köpfe in unserer Gesellschaft Echsenmenschen sind – auch Reptiloide genannt. Die meisten dieser Verschwörungserzählungen gehen davon aus, dass Reptiloide außerirdische Lebensformen sind, die die Erde übernehmen wollen. So fasst es zum Beispiel Klicksafe, die EU-Initiative für Sicherheit im Internet, zusammen.

Da Reptiloide sich als Menschen tarnen, gehen Verschwörungstheoretiker von einer „verkleideten Elite“ aus, wie Alex Rühle in einem Beitrag für die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt. Der Journalist und Autor erklärt darin den Glauben der Verschwörungstheoretiker: Angeblich halten Echsenmenschen die Menschheit als „Arbeitssklaven“ und verfolgen das Ziel einer neuen Weltordnung – einer autoritären, supranationalen Weltregierung.

Woher kommt der Humbug?

Ursprünglich kamen solche reptilienartigen Wesen in der Fantasy- und Science-Fiction-Literatur vor. Ihre Ursprünge gehen wohl auf Robert E. Howards Erzählung „The Shadow Kingdom“ (1929) zurück, in der gestaltwandelnde Schlangenmenschen im Verborgenen regieren. Die Wesen wurden von H. P. Lovecraft aufgenommen und fanden Einzug in seinen Cthulhu-Mythos. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Motiv immer wieder in der Science-Fiction und Fantasy aufgegriffen, auch in populären Serien wie „Star Trek“ und „Doctor Who“.

Der ehemalige britische Fußball-Profi und rechtsesoterische Publizist David Icke stellte schließlich die Theorie auf, dass solche Wesen tatsächlich existieren. In seinem Buch „The biggest secret“ („Das größte Geheimnis“) beschrieb er 1999 eine Kreuzung aus Mensch und reptiloiden Alien-Rassen, die angeblich bereits in der Bibel erwähnt werde. Die davon abstammende Blutlinie habe Formwandler hervorgebracht, die menschliches Blut und Fleisch konsumieren, um ihre optische Tarnung wahren zu können. Dabei zieht Icke Verbindungen zur katholischen Kirche sowie zu führenden Politikern, darunter nahezu alle Präsidenten der USA. Im Innern der Erde lebend kontrollieren diese Wesen Icke zufolge die Menschheit, beispielsweise mit implantierten Chips.

Wie verbreitet ist der Humbug?

Laut Bundeszentrale für politische Bildung ist die Echsenmenschen-Theorie in den USA und Großbritannien weiter verbreitet als in Deutschland. Einer Umfrage zufolge glauben vier Prozent der Amerikaner, dass Reptiloide bereits die neue Weltordnung eingeführt haben, schreibt die Journalistin Leonie Feuerbach in einem anderen Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung zu dem Thema.

Die Verschwörungserzählung der Reptiloiden wird von ihren Anhängern außerdem mit anderen Theorien in Verbindung gebracht. Alex Rühle erklärt in seinem Artikel für die Bundeszentrale für politische Bildung, dass manche Menschen glauben, die Erde sei im Inneren hohl, der Erdkern existiere also gar nicht. Anhänger der Hohlerde-Theorie glauben trotz wissenschaftlicher Widerlegung daran. Uneinigkeit besteht darüber, was genau sich in diesem leeren Raum befindet – als eine Möglichkeit werden die Echsenmenschen genannt. Genau wie die Reptiloide fand auch das Motiv der hohlen Erde Einzug in die Science-Fiction-Literatur, beispielsweise bei Jules Verne. Eine andere Theorie besagt Rühle zufolge, dass die britische Königsfamilie ausschließlich oder zumindest in großen Teilen aus Echsenmenschen besteht. Als Prinzessin Diana das herausgefunden habe, sei der tödliche Autounfall inszeniert worden – nur eine von vielen Theorien um den Tod von Lady Di.

Was ist dran?

Die Frage, ob außerirdisches Leben existiert, beschäftigt die Menschheit schon lange. Allein aufgrund von Wahrscheinlichkeitsrechnungen halten viele Wissenschaftler diese Möglichkeit mittlerweile für realistisch. Beweise gibt es dafür aber nicht.

Der Theorie von außerirdischen Echsenmenschen, die die Geschicke der Menschheit lenken, fehlt damit der Beweis, gerade auch, da unter den Verschwörungstheoretikern unterschiedliche Ansichten über die Herkunft der Echsenmenschen vorherrschen. Die Anhänger hält das jedoch nicht davon ab, angebliche Belege für das reptilienartige Wesen einiger bekannter Persönlichkeiten zu finden. Eine Erklärung dafür könnte Feuerbach zufolge sein, dass Menschen einfache Erklärungen für komplexe Vorgänge suchen, wie zum Beispiel das Funktionieren von Politik und Gesellschaft.

Was sagen die Experten?

Eben dieses Funktionieren von Politik und Gesellschaft wird häufig in der Science-Fiction aufgegriffen. „Die Geschichten sind dabei oft eine Art Ablassventil, um mit Ängsten umzugehen“, erklärt der Film- und Medienwissenschaftler Andreas Rauscher. „Es ist ein metaphorisches Aufbereiten der Ängste.“ Doch diese Metaphorik werde anscheinend von manchen Menschen zu genau genommen, wodurch fiktive Wesen wie Echsenmenschen für real gehalten werden, mutmaßt er. In der heutigen Zeit neigten die Menschen eher dazu, Fiktionales aus dem Kontext zu reißen und als real anzusehen, so Rauscher. „Ich glaube, dass das momentan – weil es verstärkt im Netz verbreitet wird, ohne Angabe von literarischen oder filmischen Quellen – ein Eigenleben entwickelt.“ Eine besondere Gefahr sieht er dabei in sozialen Netzwerken. „Auf der anderen Seite kann das Internet aber auch als Gegenmittel für solche Theorien wirksam sein“, sagt Rauscher.

Aus biologischer Sicht gilt die Theorie einer Kreuzung reptilienartiger Wesen mit Menschen als nicht haltbar. Martin Beye, Leiter des Instituts für Evolutionsgenetik an der Heinrich-Heine-Universität macht deutlich, dass das schon aufgrund grundlegender Unterschiede der verschiedenen Spezies nicht möglich sei. „Das Erbmaterial von Menschen und Reptilien ist sehr unterschiedlich.“ So sind die Tiere im Gegensatz zu Menschen wechselwarm. „Wir verwenden unheimlich viel Energie darauf, unsere Körpertemperatur konstant zu halten“, so Beye. Die Temperatur von Reptilien hingegen wechselt abhängig von der Außentemperatur. Beye bezweifelt daher stark, dass Echsenmenschen zum Beispiel im Winter genauso funktionieren würden wie Menschen: „Wenn es kalt wird, wären die wohl sehr passiv.“ Ein wichtiger Gegenbeweis zu der Verschwörungstheorie sei außerdem das Gehirn der Reptilien. „Das ist deutlich kleiner als unseres. Die können das also alles gar nicht machen, was wir können“, sagt Beye. Reptilien sind also keine intelligente Supermacht, die uns steuern kann.

(Dieser Text ist das erste Mal am 08.06.2020 erschienen, wir haben das Thema aber nun in unseren Podcasts nochmal aufgegriffen)