Rees: Bahn zieht die "Schrankenwärter" ab

Rees: Bahn zieht die "Schrankenwärter" ab

Gut zwei Jahre hatten Posten den Übergang in Millingen im Blick. Jetzt sei ihre Mission erfüllt, heißt es von der Bahn.

Nach fast zwei Jahren ist die Zeit der "Schrankenwärter" nun zu Ende gegangen. Seit September 2012 hatten Mitarbeiter dort den Übergang im Auge und überwachten das Areal rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Jetzt sind die Mitarbeiter abgezogen worden. "Eine Software-Anpassung hat die Schließzeiten der Schranken verringert, dadurch wird die Aufsicht hier nicht mehr nötig", erläutert ein Bahnsprecher.

Hintergrund der "Überwachungsaktion" war die Inbetriebnahme des Elektronischen Stellwerkes in Emmerich. Die Deutsche Bahn hatte der RP bereits vor längerer Zeit auf Nachfrage bestätigt, dass es durch die neue Technik zu Veränderungen gekommen sei. In der Regel seien die Schließzeiten durch das Stellwerk verkürzt worden. Es gebe aber Ausnahmen wie die Anholter Straße in Millingen oder die Grüne Straße in Praest, bei der das Gegenteil der Fall sei. Hier musste man seitdem mit bis zu drei Minuten längeren Wartezeiten rechnen. Zudem kam es oft vor, dass ein Zug mitten auf dem Übergang hielt und so die Gleise blockierte.

"Es kam immer wieder vor, dass Züge länger stehenbleiben mussten und die Schließzeiten damit länger als die vorgesehen vier Minuten waren", sagte der Bahnsprecher. Das führte immer wieder zu gefährlichen Situationen. Mancher hatte nicht die Geduld, vor der geschlossnen Schranke zu warten, und überquerte den Bereich, obwohl die Schranken unten waren. Es wurde sogar von ganz gefährlichen Vorfällen berichtet, bei denen Personen zwischen den wartenden Waggons hindurchkletterten, um auf die andere Seite zu gelangen. Um die Leute auf diese Gefahren hinzuweisen, hatte die Bahn die Mitarbeiter an dem Bahnübergang positioniert. Sie hatten dort einen Container, den sie immer dann verließen, wenn die Schranken sich senkten.

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Das Problem war allerdings, dass die Mitarbeiter keinerlei Befugnis hatten. Wenn jemand die geschlossenen Schranken ignorierte, durften sie diese Person weder festhalten, noch war es ihnen erlaubt, die Personalien zu verlangen. Auch die Mitarbeiter selbst waren dem Vernehmen nach über diese Situation nicht besonders glücklich. Sie konnten lediglich ermahnen und immer wieder an die Vernunft appellieren. Vor allem bestand immer die Gefahr, dass sich Kinder animiert fühlen könnten, mal schnell über den Übergang zu laufen.

"Glücklicherweis ist es uns jetzt gelungen, durch die Software-Anpassung auch die Schließzeiten in Millingen wieder zu verkürzen", heißt es von der Bahn. Jetzt würden die Schranken weniger als vier Minuten lang unten bleiben.

Man werde die Station im Auge behalten. Derzeit sei nicht daran gedacht, die Schrankenwärter wieder einzusetzen. "Falls sich aber gefährliche Situationen häufen sollten, ist es aus Sicherheitsgründen durchaus möglich, auch wieder Posten einzusetzen."

(RP)