Duisburg: Loveparade: Jetzt 17 Beschuldigte

Duisburg : Loveparade: Jetzt 17 Beschuldigte

Die Duisburger Staatsanwaltschaft hat die Wohnung eines Lopavent-Mitarbeiters durchsuchen lassen. Es handelt sich offenbar um den Organisationsleiter der Loveparade. Die Zahl der Beschuldigten steigt damit von 16 auf 17.

Mehr als ein Jahr nach der Loveparade-Katstrophe hat die Duisburger Staatsanwaltschaft die Ermittlungen weiter ausgedehnt. Beamte durchsuchten die Wohnung eines Mitarbeiters der Firma Lopavent, die die Loveparade veranstaltete. "Wir haben bei ihm Beweismaterial beschlagnahmt", sagte Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp. Der Mann werde nunmehr als Beschuldigter für das Unglück am 24. Juli 2010 geführt, bei dem 21 Menschen ums Leben kamen. Damit erhöht sich die Zahl der Beschuldigten von 16 auf 17.

Gegen sie wird wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung ermittelt. Darunter sind elf Verantwortliche der Stadt Duisburg, (nunmehr) fünf ehemalige freie Mitarbeiter von Lopavent und ein leitender Polizeibeamter aus Duisburg. Die Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass sich die Zahl der Beschuldigten weiter erhöht. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und Lopavent-Chef Rainer Schaller befinden sich weiterhin nicht unter den Beschuldigten. Ein Ende der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen ist nicht in Sicht.

Bei dem 17. Beschuldigten soll es sich nach Recherchen unserer Redaktion um den Organisationsleiter der Loveparade, S., handeln. Die Staatsanwaltschaft wollte das weder bestätigen noch dementieren, sagte aber, dass es sich bei dem Mann "um einen führenden Mitarbeiter von Lopavent handelt". Der Anfangsverdacht gegen ihn hätte sich im Zuge der monatelangen Ermittlungen erhärtet, erklärte Haferkamp: "Darum haben wir kurzfristig die Wohnungsdurchsuchung angeordnet."

Einer vertraulichen "Veranstaltungsbeschreibung" zufolge, die unserer Zeitung vorliegt, hatte S. im Auftrag der Firma Lopavent die Gesamtleitung für die Durchführung der Loveparade. In dem Dokument werden unter dem Absatz "Herrichtung Veranstaltungsgelände" die Fluchtwege bei einer möglichen Panik detailliert genannt. Demnach sollten die Besucher im "Panikfall" das Gelände "schnellstmöglich" über eine etwa 14 Meter breite Rampe zur Autobahn 59 verlassen können.

Doch eine solche Rampe hat es nie gegeben. Das Papier ging laut einem Stempelvermerk erst am 19. Juli, also nur fünf Tage vor der Katastrophe, beim Amt für Baurecht und Baubearbeitung der Stadt Duisburg ein - in dieser kurzen Zeit mussten noch erhebliche bauliche Veränderungen am Gelände vorgenommen werden.

S. hatte bereits im Januar 2010 als freier Projektleiter die Eröffnungsveranstaltung des Kulturfestes "Ruhr.2010" mitorganisiert. Auch bei den Techno-Paraden 2006 in Berlin, 2007 in Essen und 2008 in Dortmund soll er verantwortlich tätig gewesen sein.

S. bezog vor der Loveparade ein Büro in der Duisburger City. Von dort aus organisierte er das Musikfest. "Ich bin für die gesamte operative Abwicklung der Parade zuständig und zudem verantwortlich für alle kreativen Bereiche", sagte er 14 Tage vor dem Unglück unserer Zeitung. Sollte es auf dem Gelände zu voll werden, könnte durch Regulierung der Einlassgeschwindigkeit der Besucherstrom entzerrt werden. Zahlreiche Fluchtwege seien geplant, sagte S. damals. Lopavent war gestern für eine Stellungnahme telefonisch nicht zu erreichen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gedenktag Loveparade: Das sagen die Duisburger