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Duisburg: Von Beruf "Ermöglicher"

Duisburg : Von Beruf "Ermöglicher"

Von 1976 bis 1992 prägte Dr. Dr. h. c. Konrad Schilling als Dezernent das Duisburger Kulturleben an erster Stelle. Er ist der Vater der Akzente, der Musikfestivals und der Brunnenmeile, ein Pionier der Ost-West-Kontakte auf Stadtebene.

Wenn man in Duisburg Rückschau hält, dann fällt häufig das Satzfragment "Zu Schillings Zeiten...". 16 Jahre lang prägte Dr. Dr. h. c. Konrad Schilling als Dezernent das Kulturleben der Stadt Duisburg. Schilling war ein gewiefter Verwaltungsmann, der die politischen und administrativen Gremien zu nehmen wusste. Er war ein konditionsstarker Arbeiter, der von seinen Mitarbeitern viel verlangte. Als er 1992 das Pensionsalter erreichte, wurde er in dieser Zeitung als "schuftender Paradiesvogel" bezeichnet.

Schillings Name wird vor allem mit den Duisburger Akzenten verbunden. Aus der Idee seines Vorgängers Dr. Wehner machte der 1976 aus Göttingen nach Duisburg gelockte Dezernent ein Kulturereignis, dass das städtische Leben im Jahreskreislauf fortan prägte. "Shakespeare", "Goethe & Co.", "Kleiner Mann, was tun?", "Russlands große Realisten" oder "Zurück zur Narrtur": Wer diese Akzente miterlebt hat, weiß, dass Schilling Großes geleistet hat. "Mit wenig Geld!", wie er noch heute versichert. Schilling, der sich selber als "Ermöglicher" verstand, war, wie man heute sagen kann, ein Pionier der Ost-West-Kontakte auf Stadtebene. 1987, zwei Jahre vor der Wende, gab es in Duisburg "Einblicke"-Akzente, bei der Kultur aus der DDR in Duisburg präsentiert wurde, ohne dass zu viele Konzessionen ans DDR-Regime gemacht wurden. Und die Akzente 1990, die "Unser Haus Europa" in Duisburg zeigten, markierten eine Wendesituation, nämlich Höhepunkt und Niedergang der Ära Gorbatschow.

Schilling setzte nicht nur mit den Akzenten Akzente. Die Brunnenmeile, Duisburgs große Musikfeste, die Künstlerhäuser und der Künstleraustausch, Gastspiele von Pina Bausch oder Bernd Schindowski im Stadttheater: All das wäre ohne Konrad Schillings enormes Durchsetzungsvermögen wohl nicht möglich gewesen. Dem jungen Geiger Frank Peter Zimmermann räumte Schilling so manche bürokratische Hürde aus dem Weg.

Ruhestand kennt er nicht

In den Ruhestand ist Schilling eigentlich nie getreten. Nach seiner Pensionierung war er eine Zeitlang Intendant der Philharmonia Hungarica, und im Verein "pro Ruhrgebiet" zog er weiterhin an vielen kulturellen Strippen. Unter seiner Federführung entstand vor Beginn des Kulturhauptstadtjahrs eine gigantische Materialsammlung unter dem Titel "Perspektivplan", in der Ideen für das zukünftige kulturelle Leben im Ruhrgebiet gesammelt wurden. Selbstverständlich ist Schilling auch heute noch in der Stadt präsent. Er versäumt keine Premiere im Stadttheater, besucht die Konzerte der Duisburger Philharmoniker; man sieht ihn auf Empfängen, beispielsweise der jüdischen Gemeinde, für die er sich seit Jahren engagiert. Und natürlich ist Schilling auch Mitglied im Verein für Literatur und Kunst.

Zweifellos ist Konrad Schilling ein "Macher"; aber einer, der die Tiefendimensionen menschlicher Existenz nicht beiseiteschiebt. Seine Gedichte, die er in einem privat-gedruckten Band vor nicht langer Zeit veröffentlicht hat, zeigen einen Konrad Schilling, der in der Rolle des kulturellen Tausendsassas nicht vollends aufgeht, sondern einen, der die Welt und die Menschen mit skeptischer Sympathie, auch Leidenschaft betrachtet.

Abstimmen Wenn Sie sich für Konrad Schilling entscheiden wollen, wählen Sie bitte Tel.01379 880212-20 oder www.rp-online.de/unsereBestenDuisburg

(RP)