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Duisburg: OB des Wiederaufbaus

Duisburg : OB des Wiederaufbaus

Am 9. November 1948 wurde August Seeling zum Duisburger Oberbürgermeister gewählt. 19 Jahre lang blieb der Widersacher der Nazis ein hoch angesehenes Oberhaupt der Stadt, die er auch gegenüber der Queen repräsentierte.

Am 20. August 1998 nahm Duisburg Abschied von August Seeling. Er war sechs Tage zuvor im Alter von 92 Jahren gestorben. Die Stadt erinnerte sich mit Dankbarkeit, eine solch herausragende Persönlichkeit an ihrer Spitze gehabt zu haben. August Seeling – er war der Oberbürgermeister, der nach dem Zweiten Weltkrieg der Stadt ein neues, weitgehend das heutige Gesicht gab. Er war derjenige, der der Kultur wieder Raum verschaffte zu einer Zeit, als die Bürger längst noch nicht alle wieder ein anständiges Dach über dem Kopf hatten, unter Existenzängsten litten und vielleicht darum besonders empfänglich waren für Theater, Kunst und Konzerte.

August Seeling sicherte die Versorgungslage der Bürger (Nahrung, Trinkwasser, Kleidung, Strom), leitete den Wiederaufbau des zerstörten Hafens ein und legte den Grundstein dafür, dass die Stadt vom wirtschaftlichen Aufschwung profitierte. 18 Jahre war Seeling alt, als er mit dem Eintritt in die SPD den Grundstein für seinen späteren politischen Erfolg legte. Der Sohn eines Schneiders war ein so überzeugter Sozialdemokrat, dass er selbst unter Misshandlungen durch die Nazi-Schergen bei seiner Überzeugung blieb. Er ertrug die Demütigungen, dass er zusammen mit anderen Gewerkschaftern durch Duisburgs Straßen getrieben wurde, um den Hals ein Schild mit der Aufschrift "Wir haben die Arbeiter verraten". Der Staatsfeind verlor seine Arbeit, doch ihm blieben seine Würde und seine Freunde, allen voran der Bauunternehmer Karl Hitzbleck, in dessen Firma er bis zu seiner Pensionierung blieb. Am 9. November 1948 wählten ihn die Duisburger erstmals zum Oberbürgermeister, dem jüngsten in Deutschland. Er trat die Nachfolge des ersten demokratisch gewählten OB Dr. Leo Storm an. Eine seiner ersten Reden nutzte Seeling, um die parteipolitischen Gräben des vorangegangenen Wahlkampfes zuzuschütten und den gesamten Rat aufzufordern, sich den wirklich drängenden Problemen der Stadt gemeinsam zuzuwenden. Seine Ehrlichkeit, seine Entschlossenheit und eine Toleranz Andersdenkenden gegenüber brachten ihm den Respekt ein, der ihn bis zu seinem Lebensende begleitete. 19 Jahre lang blieb Seeling Stadtoberhaupt und repräsentierte Duisburgs vorzüglich. Er wurde später zum Ehrenbürger und Alt-Oberbürgermeister ernannt.

Der Platz an dieser Stelle würde nicht ausreichen, um alle seine Verdienste zu nennen und die Prominenten aufzuzählen, die er in Empfang nahm. Darum sei hier nur eine Begegnung erwähnt: Im Mai 1965 machte Königin Elisabeth Duisburg ihre Aufwartung. Die Queen sollte sich ins Goldene Buch der Stadt Duisburg eintragen, das aus diesem Anlass extra an Bord eines der Hafenrundfahrtschiffe gebracht worden war. Die Königin zückte ihren Federhalter, setzte zum Schreiben an – und musste feststellen, dass der edle Stift nicht schrieb. August Seeling half ihr mit seinem (vermutlich sehr viel preiswerterem) Kugelschreiber aus und es entstand das Foto, das wohl alle im Gedächtnis behielten, die es jemals gesehen haben.

Abstimmen Wenn Sie sich für August Seeling entscheiden wollen, wählen Sie bitte 01379 880212-19 oder www.rp-online.de/unsereBestenDuisburg

(RP)