Immer mehr Kleine Waffenscheine in Duisburg im Umlauf

Polizei rät von Bewaffnung ab : Mehr Kleine Waffenscheine im Umlauf

Immer mehr Duisburger haben laut der Polizei die Erlaubnis, eine Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffe auf öffentlichem Grund zu führen. Die Zahl der Anträge ist allerdings von Jahr zu Jahr rückläufig.

Immer mehr Duisburger beantragen einen Kleinen Waffenschein. Das teilte die Duisburger Polizei auf Anfrage der Rheinischen Post mit. Im Jahr 2014 seien noch rund 2300 Menschen berechtigt gewesen, eine Schreckschuss-, Reizstoff- oder Signalwaffe außerhalb der Wohnung, der Geschäftsräume oder des befriedeten Besitztums zu führen. Bis zum Jahr 2018 sei die Zahl auf über 4700 gestiegen. Aktuell verfügen 4854 Duisburger über diese Erlaubnis.

„Die Anträge sind jedoch seit 2017 wieder rückläufig“, sagt Polizeisprecherin Jacqueline Grahl. Nach den Geschehnissen in der Kölner Silvesternacht seien alleine im Jahr 2016 1752 Neuanträge für den Kleinen Waffenschein bei der Polizei eingegangen. In den darauffolgenden Jahren hätten dann immer weniger Duisburger einen solchen Antrag gestellt – 2017 waren es 700, ein Jahr später 360. Im laufenden Jahr seien bisher 256 Kleine Waffenscheine erteilt worden, wie die Polizei mitteilt.

Die Gründe, einen Waffenschein zu beantragen, können vielfältig sein. Laut Waffengesetz gehören dazu persönliche oder wirtschaftliche Bedürfnisse, die besonderen Schutz bedürfen. „Diese Bedürfnisse dürfen jedoch den Belangen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nicht entgegenstehen“, erklärt Grahl. Jäger und Sportschützen hingegen benötigten erst gar keinen Waffenschein zum Führen ihrer Waffen, sondern eine Waffenbesitzkarte und einen Personalausweis.

Dass immer mehr Duisburger berechtigt sind, eine Waffe zu führen, stellt die Polizei teilweise auch bei Einsätzen und Ermittlungen fest. „Bei Einsätzen kommt es hin und wieder vor, dass die Beamten Schreckschusswaffen, selten scharfe Waffen oder auch Messer sicherstellen“, berichtet die Polizeisprecherin.

Die Polizei Duisburg rät hingegen von einer Bewaffnung der Bevölkerung ab. Denn die Bürger wähnten sich durch das Mitnehmen einer Waffe in trügerischer Sicherheit. „Schreckschusswaffen dürfen nicht offen getragen werden“, so Grahl. „Bis jemand diese Waffe in der Tasche gesucht, gefunden und rausgeholt hat, kann der Täter längst angegriffen haben.“ Auch Reizgas könne unter Umständen vom Täter abgenommen und gegen einen selbst angewendet werden. Zudem seien Menschen mit dem Umgang einer Waffe oft nicht geübt.

Waffen und andere gleichgestellte Gegenstände wie zum Beispiel Pfefferspray können in Duisburg im Fachgeschäft Waffen Dittmar & Brouns am Sonnenwall gekauft werden. Laut dem bundesweit tätigen Verband Deutscher Büchsenmacher und Waffenfachhändler (VDB) ist es das einzige Fachgeschäft in der Stadt.

Die Anzahl der Kleinen Waffenscheine werde nach Ansicht eines Mitarbeiters oft missverstanden und fehlinterpretiert. „Wenn mehr Kleine Waffenscheine beantragt worden sind, bedeutet das nicht sofort, dass auch mehr Waffen im Umlauf sind“, sagt der Mann. „Es gibt Menschen, die beantragen einen Waffenschein, kaufen sich aus Angst oder Respekt aber nie eine Waffe.“ Für den Erwerb von zugelassenen Waffen müsse sowieso kein Kleiner Waffenschein vorgezeigt werden.

Für den Waffenfachmann sei darüber hinaus nicht erkennbar, dass sich die Duisburger häufiger bewaffnen. Eher im Gegenteil: „Der Kauf von Waffen geht momentan eher zurück“, sagt der Mitarbeiter. Es hätte aber auch andere Zeiten gegeben. „Nach der Kölner Silvesternacht wollten gefühlt alle eine Gaspistole kaufen.“ Heutzutage kämen vor allem Jäger und Privatleute, die sich selbst schützen wollen, zu Waffen Dittmar & Brouns.

Viele kaufen Pfefferspray, da es im Vergleich zu Gaspistolen günstig ist. Eine Dose des Reizstoffsprühgeräts gibt es ab rund sieben Euro. Eine Gaspistole hingegen kostet mindestens 130 Euro.

(jlu)
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