Rhine CleanUp: Schüler finden in Homberg Buch aus Bibliothek in Leeds

Kurioser Fund im Rheinvorland : Schüler tun der Umwelt etwas Gutes

Mehr als 1000 Frewillige haben sich am Samstag an der Aktion „Rhein CleanUp“ beteiligt. Wir haben Schüler des Franz-Haniel-Gymnasiums in Homberg beim Aufräumen und Saubermachen begleitet.

Die unermüdlichen Neuenkämper waren am „Rheinorange“ aktiv, die fleißigen Sauerbermänner und -frauen vom Wassersportverein Rheinhausen auf der andern Rheinseite. Der Umweltschutz ist, zum Glück, schon länger wieder in aller Munde. Greta Thunberg und die „Fridays for Future“ haben nicht nur den Grünen politisch die Europawahl gerettet, sondern das lange und sträflich vernachlässigte Thema in den Fokus der Gesellschaft gerückt. Deswegen trafen sich am Samstag Schüler des Franz-Haniel-Gymnasiums an den Homberger Rheinwiesen, um im Rahmen des internationalen „Rhine clean-up“-Tag am 14. September ihren Teil des Flussufers zu säubern.

Die Idee zu der außerschulischen Aktion hatten Sevde, Ayse, Rabia, Miray und Marie, allesamt Schülerinnen des SoWi-Zusatzkurses der Klasse 12. Auf die Idee der Lehrer hin, zusätzlich zum Klimastreik an Freitagen auch in der Freizeit aktiv zu werden, kamen die Schüler auf den „Rhine clean-up“-Tag. Die Initiative schreibt sich auf die Fahnen, den Rhein „gemeinsam von der Quelle bis zu Mündung“ zu säubern. Ziel der Aktion sei nicht nur, klarzumachen, dass Müll nicht achtlos weggeworfen werden darf, sondern auch, dass man ihn am besten erst gar nicht produziert. „Wir finden, dass die Jugend noch mehr machen muss“, erklärt Rabia die Initiative der 20 Schüler und gut zehn außerschulischen Teilnehmer am Samstag. „Wir wollen der Umwelt etwas Gutes tun.“

Schon auf dem Weg zu den Rheinwiesen findet sich eine ganze Menge Müll. Spaziergänger und Hundebesitzer sind wohl die Übeltäter, vermuten die Schüler, ob absichtlich oder nicht. Sicher kein Versehen sind die Häufchen aus Zigarettenstummeln unter jeder Bank auf dem Deich. „Ich verstehe auch nicht, wieso nicht neben jeder Bank ein Mülleimer steht“, ärgert sich ein Teilnehmer, während er vergeblich versucht, mit einer Greifzange eine Zigarettenkippe aufzuheben. Die meisten Teilnehmer verlegen sich schon bald darauf, den Müll mit den Händen aufzusammeln, so viel findet die Gruppe schon auf den ersten paar Metern.

Das Buch aus Nordengland lag im Gebüsch. Foto: Norbert Prümen (nop)

Der Top-Fund, das wird allen Teilnehmer schnell klar, sind die Zigarettenstummel, ein Grüppchen sammelt die sogar in einem separaten Müllsack. „Wir wollen später ein Foto davon machen um zu zeigen, wie viele das sind“, erklärt Miray.

Ein Teil der Müllsammler stürzt sich dann sogar mutig den Deich hinab, um auch den steilen Abhang vom Müll zu befreien. Während eine kaputte Wodkaflasche noch für amüsiertes Lachen sorgt, kippt die Stimmung schnell von lockerem Rumgeblödel zu ernsthafter Sorge. Die Schüler sind sichtbar bedrückt von der schieren Menge ihrer Funde, und da sind sie noch nicht einmal auf dem müllübersäten Parkplatz angekommen.

Erstaunlich wenig Flaschen und Dosen findet die Gruppe, dabei hat ein Helfer extra einen leeren Pfandkasten mitgebracht. „Die nehmen die Leute dann wohl doch wieder mit, wegen des Pfands“, vermutet Yunus.

Ein bisschen Spaß, müssen auch die Schüler zugeben, macht das Klettern am steilen Deich dann schon, und Sätze wie „Digga, ich bin Spiderman!“ sind zu schön, um sie nicht auf Papier zu verewigen.

 Einen echten Sensationsfund macht ein junger freiwilliger Helfer im Gebüsch entlang des Deichs. Im eleganten blauen Einband kommt das Buch aus der Oxford-Reihe daher, von den Elementen gezeichnet, aber noch gut lesbar. „The poetical works of Lord Byron“ lag einfach im Gebüsch, berichtet der Müllsammler, und das alte Buch hat wohl eine abenteuerliche Reise hinter sich. Der Sammelband stammt aus der Universitätsbibliothek in Leeds in Nordengland und wurde 1998 zuletzt ausgeliehen. Wie das Buch seinen Weg in die Duisburger Rheinwiesen fand, bleibt wohl ein Geheimnis.

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