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Duisburg: Kultur für Kinder als Form der Suchtprophylaxe

Projekt in Duisburg : Kultur für Kinder als eine Form der Suchtprophylaxe

Wie können Kinder aus Familien mit suchtkranken Eltern so gefördert und gestärkt werden, dass sie am Ende eine andere Biographie für sich selbst entdecken? Dieser anspruchsvollen Aufgabe widmet sich ein Projekt des Duisburger Suchthilfeverbundes.

Ziel ist es dabei, den Kindern einen leichteren Zugang zur Duisburger Kulturszene zu verschaffen und auch selbst künstlerisch tätig zu werden. Mustafa Arslan, Geschäftsführer des Verbundes, stellte am Mittwoch das Projekt „geSucht: KulturRaum“ gemeinsam mit Drogenberater Christoph Berteld und Netzwerkkoordinator Tom Dahl vor. Flankiert wird das Vorhaben durch wissenschaftliche Begleitforschung von Christina Fornefeld und Janna Klompen von der Universität Duisburg-Essen.

Beim Suchthilfeverbund ist man sehr glücklich darüber, rund 500.000 Euro Landesförderung für zwei innovative Projekte bekommen zu haben. Neben dem „KulturRaum“-Projekt gibt es noch ein zweites, mit dem obdachlose Suchtkranke im Duisburger Norden unterstützt werden sollen. „2019 wurden von 106 Projektvorschlägen nur sechs unterstützt“, erklärt Mustafa Arslan und unterstreicht damit, wie schwierig es ist, entsprechende Landesförderungen im Rahmen des „Aktionsplans gegen Sucht“ auch nach Duisburg zu holen.

Über die seit 2014 bestehende Einrichtung „FitKids“, die Hilfen für Kinder aus suchtkranken Familien bietet, hat der Verbund aktuell Kontakt zu insgesamt 343 Kindern, die für das Projekt prinzipiell in Frage kämen. Der Verbund setzt dabei auf die vorhandenen Netzwerke von Tom Dahl, der mit seinem „Tom Teuer Theater“ in der Duisburger Szene bestens vernetzt ist. Auftakt ist mit einem Testlauf, der von der Bürgerstiftung initiiert wurde. Dabei geht es um eine Schreibwerkstatt für Kinder und Jugendliche. Weitere Zusammenarbeiten sind geplant mit der Niederrheinischen Kunst- und Musikschule, dem Stadttheater, den Philharmonikern, dem Lehmbruck-Museum oder dem Kom’ma-Theater.

„Zunächst geht es aber um eine Bedarfsermittlung. Dazu gibt es leitfadengestützte Interviews, mit deren Hilfe wir herausbekommen wollen, was die Hindernisfaktoren beim Zugang zur Kulturszene sind“, so Berteld. Das fängt bei ganz banalen Dingen an: Wie kommen die Kinder überhaupt an einen Veranstaltungsort? Und spätestens bei solch praktischen Überlegungen kommen dann auch die Eltern mit ins Boot.

Mustafa Arslan weiß, dass Kinder aus suchtbelasteten Familien immer in der Gefahr stehen, eine ähnliche Biographie wie ihre Eltern zu durchleben. Schließlich bekommen sie die Sucht und ihre Auswirkungen in ihrem Alltag permanent vor Augen geführt. „Kinder stark zu machen, ist auch ein Teil von Suchtprophylaxe“, so Arslan. Und so sei es auch ein Ziel des Projekts, den Eltern zu verdeutlichen: Mein Kind kann etwas. Dazu soll nun der erste Schritt mit niederschwelligen Kulturangeboten erfolgen. Wenn das alleine dazu führen würde, dass suchtkranke Eltern plötzlich mehr Zeit für ihre Kinder haben, wäre das schon ein erster Erfolg. Dem natürlich viele weitere Schritte folgen müssen.

(mtm)