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Duisburg: Klaus Hänsch hält bei der VHS flammenden Appell auf Europa

Zu Gast bei der Duisburger VHS : Klaus Hänsch hält flammenden Appell auf Europa

Klaus Hänsch war 30 Jahre lang Mitglied im Europäischen Parlament, davon vier Jahre als dessen Präsident. Er hielt jetzt einen digitalen Vortrag in der Duisburger VHS – und einen flammenden Appell auf Europa.

Die Europäische Union hat zurzeit wegen der schleppenden Impfungen eine schlechte Presse. Und in der Tat verhehlt auch einer der unbedingten Fürsprecher dieses einmaligen Verbundes von 27 Staaten nicht seine Kritik an der Impfstrategie. Die Rede ist von Klaus Hänsch, der von 1979 bis 2009 Mitglied im EU-Parlament war, davon vier Jahre als dessen Präsident fungierte. Einen kompetenteren Referenten hätte die Duisburger VHS kaum finden können.

Hänsch hielt ein flammendes Plädoyer für Europa. Wo heute Touristen Urlaub machen und Studenten Gastsemester an Universitäten absolvieren, seien zu seiner Kindheit Panzer unterwegs gewesen. Trotz aller Schwierigkeiten und Unzulänglichkeiten sei die Europäische Union „das Beste, was uns passieren konnte“.

Hänsch sagte, dass die EU im Laufe ihrer 70-jährigen Geschichte viele Krisen überstanden habe – sogar den Brexit, der sie aber, wie sich nun zeige, keineswegs geschwächt habe. Auch habe die Europäische Union immer mehr an Gewicht gewonnen. Als er 1979 mit Unterstützung der Duisburger SPD ins EU-Parlament gewählt wurde, war die EU noch ein reines Beratungsgremium. Während seiner Amtsjahre sei daraus ein Entscheidungsgremium geworden. Von der EU erwarte er, dass sie ein positives Beispiel für die Welt gebe. Das gelinge ihr auch weitgehend, obwohl einige Politiker versuchten, den Zusammenhalt der EU-Staaten zu unterlaufen.

Auf Europa-Skeptiker blickt Hänsch mit Argwohn. Hinter der Skepsis verberge sich seiner Erfahrung nach häufig Nationalismus und Rassismus. Wichtig sei, dass die Unterschiede zwischen den 27 einzelnen EU-Staaten nicht allzu groß würden, damit die Stabilität des gesamten Bundes nicht gefährdet werde.

Teilnehmer des Online-Vortrags machten reichlich Gebrauch von der Möglichkeit, dem Referenten Fragen zu stellen. Eine Frage war: „Wie soll sich die EU gegenüber China verhalten, das über die neue Seidenstraße mit Duisburg besonders verbunden ist?“ Hänsch meint, dass die EU nicht versuchen solle, ihre Werte komplett China überzustülpen. Man solle mit China Geschäfte machen, so gut man das politisch-moralisch vertreten könne. Die EU dürfe aber nicht ihre Seele verlieren.

Sehr klar antwortete „Mister Europa“ auf eine entsprechende Frage: „Die Türkei passt nicht zur EU!“ Daraufhin kam es zu einem Disput unter den Zuhörern: Einer schrieb daraufhin den bissigen Kurzkommentar „Aber eine Million Muslime hierzulande...“. Und bekam von einer Zuhörerin die Antwort: „Wenn die Muslime die Werte der EU akzeptieren, ist das doch in Ordnung.“ Dieser Antwort schloss sich Hänsch an, der für seinen Vortrag großen digitalen Beifall bekam.