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Duisburg: Die Dattelpalme ansingen

Duisburg : Die Dattelpalme ansingen

Bei der Ruhrtriennale hatte die musikalische Installation "Tamar" von Rupert Huber Premiere in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord. Es ging um die Suche nach dem verlorenen Namen Gottes.

Zunächst eroberten drei ganz weiße Butoh-Tänzer den Raum. Dann setzten fünf Instrumentalisten um den ältesten Komponisten-Sohn Markus die Textkomposition "Goldstaub" von Karlheinz Stockhausen um, als Ersatz für den altjüdischen Ritus. Da der Name Gottes aber inzwischen verloren gegangen ist, kam danach als Ersatz die doppelchörige Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied" von Johann Sebastian Bach. Im zweiten Teil gab es als Uraufführung das eigentliche Werk "Tamar" von Rupert Huber als Widmung an die Dattelpalme, den heiligen Baum des vorderen Orients, der auf hebräisch und arabisch eben "tamar" heißt.

So klug dieses Konzept der musikalischen Installation von Rupert Huber als Premiere der Ruhrtriennale in der fast ganz gefüllten Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg-Nord war, so zwiespältig erschien seine Verwirklichung. Ganz vorne bei den positiven Aspekten ist wieder einmal der Ausnahmechor "ChorWerk Ruhr" zu nennen. Das sind glänzende Solisten, die sich dennoch zu einer Weltklasse-Einheit fügen. Und die durch die halb chortechnischen, halb schamanistischen Methoden ihres Chorleiters Rupert Huber wie Kontaktsingen und so weiter zu einer ungeahnten spirituellen Tiefe vordringen. Das kann man nicht genug preisen. Das prägt den geradezu schamlos perfekten Bach-Vortrag ebenso wie den sowohl individuellen als auch ganz natürlichen Werkcharakter von "Tamar". Gegen Hubers ausgebuffte Weise, Musik jenseits von Komposition, aber auch von Improvisation kollektiv zu erschaffen, erscheint die aus dem Geist von 1968 entstandene Stockhausen-Idee einer "intuitiven Musik" doch eher angestaubt. Da führen auch die vom Komponisten für die Musiker vorgeschriebenen vier Tage Fasten vorher zu wenig Erkennbarem.

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Und wenn erwachsene Menschen gemeinsam einen Baum ansingen, noch dazu archaische Instrumente wie Klangschalen traktieren, dann lauern die Lächerlichkeit und der Esoterik-Kitsch um die Ecke.

Zum Glück blieb das musikalische Niveau hoch. Zum Glück nahm sich das selbst nicht allzu ernst, denn kurz vor Schluss wurde ein fröhlicher alpenländischer Zweigesang intoniert.

(RP)