Duisburg: Des einen Traum ist des anderen Chance

Duisburg : Des einen Traum ist des anderen Chance

Mahmoud Naheel hat sich einen Herzenswunsch erfüllt und in der Innenstadt ein Restaurant eröffnet. Dort bietet er nicht nur syrische Speisen, sondern auch Arbeitsplätze für Flüchtlinge, die dadurch endlich wieder eine Aufgabe haben.

Man sieht es ihm nicht an, aber eigentlich ist Mahmoud Naheel waschechter Bayer. "Oberfranke", korrigiert der 33-Jährige und grinst. Naheel ist dort aufgewachsen, zur Schule gegangen und hat einen großen Teil seines Lebens dort verbracht - seine Wurzeln allerdings liegen weit entfernt in Aleppo. Aus diesem Grund ist das Essen, das er in seinem Restaurant Lamées an der Münzstraße 50 anbietet, auch syrischer Natur. Feinste Pasten, duftendes Brot und andere Köstlichkeiten werden dort verkauft, denn auf Qualität, so sagt Naheel, lege er größten Wert. Genauso, wie Menschen zu helfen. Darum ist sein Restaurant nicht irgendeins, sondern vor allem auch Arbeitsplatz für Flüchtlinge, die jetzt wieder eine Aufgabe haben.

Menschen helfen, das liegt Naheel im Blut. Wie sein Vater hat auch er Medizin studiert. Herzchirurgie ist sein Fachgebiet, dem er seit gut eineinhalb Jahren in einer Klinik in Fahrn nachgeht. Das ist der Beruf, den er ausüben möchte. Seine Leidenschaft liegt allerdings woanders. "Ich habe immer schon gern gekocht. In der Uni habe ich für 20 bis 30 Personen gekocht und allen hat es geschmeckt." Mit dem Restaurant habe er sich einen Lebenstraum erfüllt. Sich, und seinem Großonkel, mit dem er das Lokal führt. "Ohne ihn wäre das nicht gegangen", sagt Naheel.

Sein Großonkel, ein gelernter Koch, stammt ebenfalls aus Syrien und habe bis Kriegsbeginn dort ein eigenes Geschäft gehabt. "Durch den Krieg musste er fliehen. Er ist über das Mittelmeer gekommen und hat alles verloren." Durch Naheel hat er jetzt die Möglichkeit, wieder sein eigenes Business zu führen, er ist weitgehend für die kulinarischen Belange verantwortlich. Naheel kümmert sich "um den Papierkram", wie er sagt. Acht Monate lang wurde das Restaurant nach dem Geschmack der beiden Männer umgebaut, jetzt ist es eröffnet. Krankenhaus und Restaurant - natürlich sei das eine Doppelbelastung, aber "ich kann mehrere Melonen gleichzeitig tragen", sagt Naheel. Das sage man in Syrien so, wenn man mehrere Dinge gleichzeitig mache. Das sei ohnehin eine syrische Eigenschaft, nicht nur einer Tätigkeit nachzugehen, sondern voller Tatendrang verschiedenes anzustoßen. Woher er das weiß? "Ich habe von 2004 bis 2010 in Syrien studiert. Ich kannte nicht viel von meiner eigenen Kultur. Auch mein arabisch war ganz schwach. Ich wollte das Land kennenlernen, aus dem meine Familie stammt", erzählt der Vater von zwei Kindern. Anschließend sei er nach Berlin gegangen, die Arbeit habe ihn dann ins Ruhrgebiet verschlagen.

Dass Flüchtlinge bei ihm arbeiten, sei für ihn ein guter Weg, zu helfen. Innerhalb eines Ärzteverbandes habe sich Naheel schon lange um Flüchtlinge und Menschen in Syrien gekümmert. Er habe dabei geholfen Jobs zu finden, Sprachkurse zu beginnen oder Behördengänge zu meistern. Nun gibt er ihnen selbst einen Job. "Ich möchte auch dazu beitragen, dass das Bild der Flüchtlinge besser wird", sagt der 33-Jährige. Dazu gehöre für ihn die Integration in die Gesellschaft, eine Arbeit zu finden und die Steuern zu zahlen. Darum ist es ihm auch wichtig, sagt er, dass seine Mitarbeiter nach wie vor regelmäßig ihre Deutschkurse besuchen. Die Stunden im Restaurant werden zeitlich daran angepasst. Nicht alle, denen er geholfen hat, haben sich vorbildlich verhalten. "Es gab auch welche, die mich beklaut oder sich nicht bemüht haben. Aber schwarze Schafe hat man doch immer dabei, oder?!" Seine derzeitigen vier Mitarbeiter seien hingegen umso zuverlässiger und freundlicher.

Naheel hofft, dass sein Restaurant von den Duisburgern gut angenommen wird und viele kommen, um die syrische Küche kennenzulernen. "Mir haben viele davon abgeraten, hier ein Restaurant zu eröffnen, aber ich wollte es probieren. Genauso hoffe ich, dass die Menschen uns eine Chance geben, und sich erst ein Urteil bilden, nachdem sie bei uns waren."

(RP)
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